Altenburger: Alles eine Frage der Lage?!

Altenburger: Alles eine Frage der Lage?!

Warum nicht jeder Wein aus einer Lage ein Lagenwein ist und welche Voraussetzungen eine Parzelle erfüllen muss, um als Lagenwein abgefüllt zu werden. Markus Altenburger gibt Antworten…

Schlagwörter wie Lagen, Rieden, Appellationen oder das manchmal in recht eigenartig anmutenden Kombinationen benutzte Wort „Herkunft“ dominieren gerade die Slogans und Werbematerialien der Winzer. Nur was bedeutet das eigentlich? Welche Rolle spielt es, ob die Trauben östlich oder westlich vom Ort gewachsen sind? Wie wichtig ist das alles für diejenigen, die den Wein trinken? Und warum tut man es sich an, Jahr für Jahr die Rieden gesondert auszubauen?

Für mich bedeutet es, dass die Rebe als Lebewesen an ihren verschiedenen Standorten unterschiedliche Charakteristika aufweist. Nicht mehr und nicht weniger. Beispielsweise bringt ein hoher Kalkanteil im Boden einen anderen PH-Wert als ein niedriger und das begünstigt gewisse Bodenlebewesen oder nicht. Das hat Auswirkungen auf den Gesamtkomplex „Boden“ und der ist ein entscheidender Faktor. 

Wüchsig und ertragreicher mit größeren Trauben entwickeln sich bei uns die Reben in den Rieden der Ebene (Satz und Schmallister) mit ihrer guten Wasserversorgung und dem, was man als fetten Boden bezeichnen kann. Viel kleiner, härter und konzentrierter sind die Früchte, die auf kargen Kalkböden (Gritschenberg) wachsen. Zart und zerbrechlich, saftig mit dünner Beerenhaut sind die Trauben auf purem Schiefer (Hackelsberg). Der Wind spielt bei uns eine Rolle, er peitscht an den Nordhängen des Buschenbergs die Reben so wild an die Drähte des Drahtrahmens, dass sie regelmäßig brechen und manchmal nie ganz nach oben wachsen. Himmelsrichtung, Windexposition, Bodenzusammensetzung: Alles hat maßgeblichen Einfluss auf die Trauben und auch den Wein. Denn wer mit offenen Augen durch die Natur geht, entdeckt auch, dass die Fauna sich mitändert. Und ja, alle 100 Meter schaut’s bei genauer Beobachtung völlig anders aus. Das ist die Faszination Leithaberg.


Außerordentliches ohne Zutun

Wann verlangt eine Lage nach einem Lagenwein? Wenn das Geschmacksbild des Weines so speziell ist, dass sich ein Eindruck, eine Textur, ein Geschmacksbild Jahr für Jahr regelmäßig und wiedererkennbar wiederholt. Und wenn etwas Außerordentliches ohne viel Zutun im Keller – quasi von selbst – einen eigenständigen Charakter findet. 

Wir werden uns auf wenige ausgesuchte, besondere Parzellen mit wertvollem Ausdruck fokussieren, anstatt jedem Wein der Mode folgend einen Lagennamen aufs Etikett zu schreiben. 

Jeder Winzer muss selbstverständlich selbst entscheiden, was ihm seine Lagen wert sind und nicht jeder gute Wein muss ein Lagenwein sein. Ob man Lagen á priori als groß, gut oder weniger geeignet kategorisieren kann und wie viele Klassen von Lagen die Weintrinkerschaft verträgt, wird sich zeigen.