Almdudler Chef: Müssen uns von den Extremen entfernen

Almdudler Chef: Müssen uns von den Extremen entfernen

Thomas Klein: Es war mir aber immer wichtig, dann laut zu sein, wenn es um gesellschaftlich relevante Themen und soziale Verantwortung geht. Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com

Mit 20 übernahm er nach dem Tod des Vaters das Familienunternehmen Almdudler und formte daraus eine zeitlose Getränkemarke, die für Offenheit und Tolerenz steht. Nur selten gibt Thomas Klein Interviews. Mit KALK&KEGEL spricht er über Mut und warum man als Unternehmen auch Schauspieler-Qualitäten braucht.

Wir sitzen im obersten Stock des Almdudlerhauses in der Wiener Grinzinger Allee. Das Dachgeschoss hier oben ist einer Almhütte nachempfunden, die Inszenierung stimmig. In der einen Ecke der Kamin, daneben lehnt ein Schlitten, darüber hängt am Haken ein Trachtenhut. In der anderen Ecke steht der große Tisch mit Eckbank für Besprechungen. An der Holzwand fallen die Bilder mit persönlichen Widmungen ins Auge. Thomas Klein mit Otto Walkes. Thomas Klein mit Conchita Wurst. Thomas Klein mit Christina Stürmer. Plötzlich geht die Lifttür auf und vor uns steht der groß gewachsene Mann in einer gemütlichen Strickjacke und leuchtend blauen Augen. Was für ein Auftritt. Was bekannt ist: Immer wieder ringt Thomas Klein mit Depressionen. So offen mit all dem umzugehen, das erfordert Mut. Und genau über diesen wollen wir mit Thomas Klein sprechen. Uns gegenüber sitzt ein tief- und scharfsinniger Geist. Ein Mann, der in Aussehen und Ausstrahlung wesentlich jünger wirkt als die 60 Jahre, die er im August 2023 wurde. Schnell wird klar, dass die Extravaganz der Marke Almdudler stark mit Thomas Klein verwoben ist. Sofort ist eine Vertrautheit da. Wir sind per Du.

Thomas, was bedeutet es für Dich, mutig zu sein?
Thomas Klein: Mut hat immer auch mit Angst und Furcht zu tun. Sie sind ein Bestandteil des Mutes. Denn erst, wenn ich die Angst überwinden kann, habe ich Mut bewiesen. Im Grunde bin ich ja ein sehr schüchterner Mensch, der die Öffentlichkeit meidet. Es war mir aber immer wichtig, dann laut zu sein, wenn es um gesellschaftlich relevante Themen und soziale Verantwortung geht. Almdudler steht als Marke für Toleranz, Ehrlichkeit und Offenheit. Und um diese Botschaften hinauszutragen, muss ich bei Zeiten laut und auffallend sein. Das erfordert für mich eine Überwindung.

Schon als Kind war er Testimonial für das Getränk, das der Vater erfunden hatte. Almdudler

Da tanzt Du auch schon mal im rosaroten Tutu zu Jacques Offenbachs Can Can vor versammelter Presse auf, Marketing oder innere Überzeugung?
Es gibt selten ein Entweder-Oder, sondern es ist vielmehr ein Sowohl-Als Auch. Humor muss außerdem nicht immer einen Sinn ergeben. Ich hatte einfach spontan Lust auf diese Aktion. Die Message eines Unternehmens funktioniert nur dann, wenn diese auf einem Fundament aufgebaut ist, das ehrlich ist. Es geht um Liebe, Offenheit, Zusammengehörigkeit, Geselligkeit und um ein Miteinander. Ich glaube, es ist der Erfolg der Marke Almdudler, dass diese Werte authentisch gelebt werden. Wir zeigen unsere Position bei wichtigen gesellschaftlichen Themen – so wie zum Beispiel für die LGTBQ+ Community. Über unsere Stiftung setzen wir zudem eine Vielzahl sozialer Projekte um, ohne das aber an die große Glocke zu hängen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man mit Meinung schnell polarisieren kann. Gibt es auch Anfeindungen, wenn man sich wie Almdudler offen für Bewegungen wie LGBTQ+ einsetzt?
Wenn es diese Anfeindungen gibt, dann treffen sie uns zumindest nicht direkt. Aber das ist natürlich ein extrem sensibler Punkt. Eigentlich würde ich meinen Mund schon gerne öfter aufmachen zu Themen. Wir bewegen uns heute leider oft in extremen Positionen ohne zu reflektieren oder überhaupt genau Bescheid zu wissen, um was es geht. Ich halte es da mit Aristoteles: Der wahre Mensch wählt das Maß und entfernt sich von den Extremen, dem Zuviel und dem Zuwenig. Ich weiß, wo unsere Grenzen sind. Heute kann man mit einer unbedachten Aussage in einem Interview vieles, wenn nicht sogar alles, ruinieren. Als Eigentümer muss ich meine Firma vor einem möglichen Shitstorm schützen, somit auch die Mitarbeiter und letztendlich die Familie. Almdudler ist eine sympathische Marke, die Skurrilität hat, die Schrägheit hat und die alles mit einem Augenzwinkern sehen kann. Uns tut es heute mehr denn je gut, uns nicht so wichtig und ernst zu nehmen.

Wie mutig war es, mit 20 Jahren nach dem Tod Deines Vaters das Unternehmen zu übernehmen?
Das hatte nichts mit Mut zu tun. Ich sah mich hier vor allem auch in einer Verantwortung, ja vielleicht sogar in einer Pflicht, gemeinsam mit meiner älteren Schwester das Unternehmen zu führen. Mut brauchte es dann als sehr junger Chef, wenn ich Leuten gegenübersaß, die mich spüren ließen, dass ich nicht diese Erfahrung hatte. Aber sie sprachen das nicht offen aus, weil ich eben einer der beiden Eigentümer war. Da wird man umgarnt, erkennt aber genau, was läuft.

Mit dem Künstler Tom Lohner brachte Thomas Klein eine eigene Sonderedition seiner ikonischen Almdudler Flasche auf den Markt. Philipp Lipiarski / www.lipia

Wenn die kan Almdudler hab’n, geh i wieder ham – den berühmten Slogan hast Du im Alter von 23 Jahren trotz Gegenwind aus dem eigenen Unternehmen durchgesetzt. Selbst Werbeexperten rieten davon ab.
Wir haben diesen Spruch damals mit ausgewählten Konsumenten getestet. Aber das Ergebnis brachte keine Klarheit darüber, ob der Spruch seine gewünschte Wirkung entfaltet. So gesehen war es sicher mutig zu sagen, ich entscheide mich jetzt für die skurrilste und schrägste Werbelinie und wir schauen einmal was passiert. Lustigerweise haben sich dann alle gestritten, wer den Slogan erfunden hat. Ich war es jedenfalls nicht. Es war ein ganzes Team rund um unsere damalige Agentur. Mein Onkel war ebenso stark in diese Entscheidung miteingebunden. Von ihm habe ich gelernt, dass Arbeit nicht unbedingt etwas Ernstes bedeutet, sondern auch Spaß machen kann und soll.

Almdudler wird laufend als einer der besten Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet. Heute klagen viele Unternehmen über Mitarbeiterprobleme. Gibt es diese auch bei euch?
Wir sind davon nicht betroffen. Aber auch ich merke einen Wandel. Die jungen Leute gehen heute anders an den Job heran als wir früher. Die sind auch viel kritischer, was ich für eine sehr gute Entwicklung halte. Almdudler ist kein Thomas Klein Unternehmen und auch keines von Gerhard Schilling (Anm.: Almdudler Geschäftsführer) – es ist Teamarbeit. Und der Elan und Esprit, der in diesem Haus herrscht, ist wie pure Energie. Wir halten die Hierarchie flach und führen das Unternehmen auf Augenhöhe mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Thomas Klein: Meine Mutter wollte, dass ich einen anständigen Beruf erlerne und hat mir die Hotelfachschule vorgeschlagen. Almdudler

Du wolltest ursprünglich Schauspieler werden. Haderst Du mit der Entscheidung Dich gegen die Schauspielerei entschieden zu haben?
Meine Mutter wollte, dass ich einen anständigen Beruf erlerne und hat mir die Hotelfachschule vorgeschlagen. Das war so ein Instinkt, den nur eine Mutter für ihr Kind haben kann. Sie lag jedenfalls richtig, ich ging gerne in diese Schule. Nebenher habe ich mit der Schauspielausbildung begonnen. Meine Lehrmeisterin war eine ehemalige Burgschauspielerin und ich habe erfahren wie anstrengend und emotional das Schauspiel ist. Was ich heute mit Gewissheit sagen kann, ist, dass ich als Unternehmer Sachen erleben dufte, die wie aus einem Theaterstück oder Film waren. Da sind bei Besprechungen schon mal Würstel durch die Luft geflogen, weil mit den Leuten die Emotionen durchgegangen sind. In der Wirtschaft gibt es viel Schauspiel. Deshalb bin ich stolz darauf, diese wunderbare Gabe des Vaters, der ja auch als Schauspieler und Kaberettist erfolgreich war, heute noch in mir tragen zu dürfen.

www.almdudler.com

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