Fine Dining im Après-Ski-Tempel: „Wie viele Hände hat der Oktopus?“

Erst zum Lunch, dann zum Tanzen auf die Tische: Im Arlicious am Arlberg beweist Spitzenkoch Gustav Jantscher, dass Fine Dining und Après-Ski kein Widerspruch ist.
Das ARL ONE in St. Anton am Arlberg ist ein Partytempel direkt an der Piste unterhalb der Galzig-Bahn. Die DJs haben einen eigenen Kobel, die Tänzerinnen eine eigene Bühne und die Tische sind so stabil, dass man mit Skischuhen locker darauf abtanzen kann. Laute Musik, Halli Galli und Aperol Spritz in rauen Mengen. Mario Matt, Ski-As und Gastronom, hat ein Händchen dafür.

Jetzt gibt es im ARL ONE in der oberen Etage aber auch ein Restaurant. Das Arlicious. Und das ist einzigartig. Gustav Jantscher ist Küchenchef, an seiner Seite ein bewährtes Team. Wo immer Jantscher bislang in Erscheinung trat, erkochte er mit traumwandlerischer Sicherheit 4 Hauben, und die Stationen können sich sehen lassen. Etwa die Schlossherrenstube in Ischgl oder der Tannenhof in St. Anton. Jantscher ist leidenschaftlicher Jäger und Züchter. Und ein Freigeist. Das heisst, seine Küche ist wild, kompromisslos alpin und von den Produkten her einzigartig.

Ein Blick aufs Menü gefällig? Ein Raviolo mit Murmeltier und Zwiebel macht den Start. Dann folgt schon die Zunge vom Kahlwild. Mit Trüffelvinaigrette und Kartoffelbisquit. Vom Steinbock gibt es eine unfassbar intensive Essenz mit Milzschnitte. Ein Gericht, das Jantscher über Jahre hinweg perfektioniert und das mittlerweile schon Signature Dish-Charakter hat. Beim nächsten Gang, dem gebackenen Schnittlauch-Ei mit Bittersalat, Quitte, Hirschhirn und N25-Kaviar hat man längst vergessen, dass man in einer Skihütte sitzt. Als Hauptgang kommt die Gams, und man ist hin- und hergerissen zwischen perfekt gebratenem Rücken und den gerösteten Gams-Nieren rundherum. Das Menü schließt standesgemäß mit Bergkäsecreme auf einem Milchhautchip und einer Enziancrème in weißer Schokolade und Grantensorbet (Preiselbeer, für unsere deutschen Gäste).

Gustav Jantscher ist Handwerker. Es gibt auch Bodenständiges im Arlicious. Steinbockbratwurst etwa. Mit Wacholdersenf. Und frisch gemacht. Was in der Arlicious-Küche bedeutet, dass der Wurstfüller aus dem Lager geholt wird, und das Steinbockbrät per Hand in den Darm gekurbelt wird.

Das Menü wird als Lunch angeboten. Ab etwa 16.00 Uhr übernehmen die Partytigerinnen und -tiger. Ein kulinarischer Widerspruch? Überhaupt nicht. Einzig: bis zum Hauptgang, der Gams, sollte man etwaige Gespräche und Dialoge abgeschlossen haben. Danach kann man nur noch im Takt headbangen. In diesem Sinn: „Aufi aufn Berg und owi mit die Ski. Eine in di Hüttn und die Händ in die Höh!“
ARLICIOUS im ARL ONE
Dengertstraße 625, 6580 St. Anton am Arlberg (direkt an der Hauptpiste Nr. 50)
Öffnungszeiten: jeden Tag von 11 bis 18 Uhr
www.arl-one.com
Fotogalerie
Copyright: Jürgen Schmücking




















