Das Geheimnis hinter der verrücktesten Pizza Hamburgs

Ein TikTok-Trend erobert die Stadt! Es ist die wahrscheinlich verrückteste Pizza Hamburgs. So sagen es zumindest die drei Besitzer des neu eröffneten Pizza-Sandwich-Containers bei den Messehallen unweit des Fernsehturms. Was es mit dem Hype auf sich hat, erzählen sie hier im Interview.
Es ist nicht irgendeine Pizza. Es handelt sich um einen TikTok-Trend, den man nun auch in Hamburg und vielleicht schon bald in Österreich probieren kann: Bei „Bolle“ gibt’s Pizza-Sandwiches, die vom Aussehen her einem Döner ähneln, definitiv aber keiner sind. Doch alles schön der Reihe nach. So cool der Trend auch ist, in Italien ist dieser Pizza-Sandwich schon länger bekannt, wurde er doch hier im Grunde „erfunden“. Panuozzo heißt diese italienische Spezialität, die ursprünglich aus der Region Kampanien stammt, insbesondere aus der Stadt Gragnano. Im Grunde handelt es sich um ein Sandwich, das aus einem speziellen Pizza ähnlichen Teig hergestellt wird. Der Teig wird in einem Holzofen gebacken, was ihm eine charakteristische knusprige Kruste verleiht. Und genau das gibt es nun in einem roten Container an den Messehallen in Hamburg. Der Pop-Up-Laden, der am 1. August eröffnete, nennt sich „Bolle“ und hat sich schon jetzt in die Herzen vieler Hamburger Foodies gebacken. Nach wenigen Stunden ist hier oft schon alles ausverkauft.

Wir haben bei dem Trio Christian Becke, Pegan Brettschneider und John Drewes nachgefragt, was es mit den getypten Pizza-Taschen auf sich hat, wie es zu diesem ungewöhnlichen Namen kam und was nach dem Pop-Up geplant ist.
Wie kam denn die Idee für dieses Trend-Sandwich?
John Drewes: Das Konzept bzw. die Idee hierfür kommt eigentlich von mir. Aber da ich aus der Werbung komme und das auch nach wie vor mein Brotjob ist, wusste ich, dass ich das so ein Konzept niemals alleine umsetzen könnte. Ich habe mich also an zwei Freunde gewandt, die Gastro-Erfahrung haben bzw. das nötige Know-how in Sachen Unternehmensführung und mich selbst um den Teig, die Kommunikation und das Marketing gekümmert.
Den Teig?
Ja. Der kommt zu 100 Prozent von mir. Ich habe mir während der Pandemie – wie so viele – ein Hobby gesucht und das war das Pizza backen. Und in weiterer Folge habe ich damit angefangen, mich mit dem Thema Teig so richtig zu beschäftigen. Wenn man so will – ich habe angefangen mich sehr nerdy und intensiv damit auseinander zu setzen.
Wie sah das aus?
Ich habe unter anderem 4 Tage in London bei einem renommierten Pizzabäcker einen Masterclass besucht und dann richtig guten, neapolitanischen Teig gebacken immer und immer wieder. So konnte ich ihn auch optimieren.

Wie kam dann die Idee, ein Pop-Up aufzumachen bzw. warum nicht gleich ein Lokal?
Natürlich habe ich schon während dieser Pizza-Back-Phase mit dem Gedanken gespielt, ein Lokal aufzumachen. Aber ich bin immer davor zurückgeschreckt, weil ich zum einen wie erwähnt keine Gastro-Erfahrung habe und zum anderen der Job in der Werbung wirklich gut läuft. Das ist schon eine ziemliche Investition, die man da tätigt und wenngleich ich da überhaupt keinen Druck verspürte, das damals umzusetzen, so schwirrte es dann doch immer im Kopf herum. Auf TikTok habe ich schließlich diesen Trend bzw. diese besondere Zubereitungsart der „Panuozzi“ entdeckt und wollte es mit meinem Teig ausprobieren. Und was soll ich sagen – es hat geklappt und ich war total begeistert. Dann kontaktierte ich Chris und Pegan und schlug ihnen meine Idee vor. Ein Vorteil bei diesem Gericht ist, dass es durch die Zubereitungsart zu einem Snack wird und somit kein Restaurant mit Tisch-Service von Nöten ist. Obwohl ich unbedingt festhalten möchte, dass es sich nicht um einen Snack sondern vielmehr um eine vollwertige Mahlzeit handelt. Die aber eben gerne und gut als Takeaway angeboten werden kann, weshalb die Investition deutlich überschaubarer schien. Ohne es abwerten zu wollen, aber eine Dönerbude ist leichter aufzumachen, als ein Restaurant.
Zum Pop-Up wurde es dann, weil ihr euch und das Konzept mal ausprobieren wolltet?
Genau. Wir wollten schauen, ob und wie das Konzept angenommen wird. Hierfür wollten wir nur eine kleine Fläche nutzen und so sind wir auf den Container gekommen. Das ganze geschah innerhalb von 2-3 Monaten. Und am 1. August haben wir eröffnet. Geplant sind mal 3 Monate mit Möglichkeit auf Verlängerung.
Und wie ist das Fazit bisher?
Ehrlich? Wir befinden uns gerade in einer total crazy Phase, weil wir so einen Hype erleben. Das Interesse an dem Konzept und dem Produkt hat uns nochmals mehr überrascht und wir sind jetzt irgendwie hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und kaufmännischer Nüchternheit. Ist das jetzt nur ein Hype oder ist das wirklich ein Produkt, das großartig ist und es so nirgendwo gibt. Wir haben überragendes Feedback und ich bin mal optimistisch. Wenn das Produkt angenommen wird, wie es derzeit den Anschein macht, dann können wir uns durchaus vorstellen, es auch in anderen Städten zu verkaufen oder es auch ins „Ausland“, also nach Österreich, zu expandieren.

Woher kommt denn eigentlich dieser Trend?
Das Panuozzo ist nichts Neues. Die Italiener backen die Art von Pizza schon länger. Wir haben das also nicht erfunden. Wir haben einfach als erstes das Konzept nach Deutschland gebracht und bieten es als Takeaway und in dieser hochwertigen Qualität an. Die Idee ist, die beste Pizza der Welt direkt auf die Hand zu servieren. So, wie es in Neapel Gang und gäbe ist. Hier ist Pizza nicht fancy und es gibt sie an jeder Straßenecke. Aber sie ist einfach unglaublich gut.
Ihr macht die Pizza frisch. Was sind denn die Bestseller derzeit?
Ja, wir bereiten jeden Teigling frisch zu, backen ihn einzeln im Ofen eher wir ihn füllen. Die frischen Zutaten, wie Burrata, Pfirsichsalat, Tomatensalat etc. machen die Sandwiches zu echten Highlight-Gerichten. Die beiden Verkaufsschlager sind derzeit der Caprese Lemon und der Pastrami, der mit Scamorza, Cheddar, Emmentaler, Pastrami und hausgemachtem Coleslaw gefüllt wird. Der schmeckt auch wirklich super und all jene, die mit Pizza rechnen werden hier total überrascht. Was vielleicht auch wichtig ist: Wir haben zwar Öffnungszeiten, aber wenn wir ausverkauft sind, ist das Geschäft vorbei. Wir verarbeiten täglich 150-180 Teiglinge. Mehr ist aufgrund der Platzmangels einfach nicht möglich. Und die Qualität stimmt so für uns auch noch.
Bläschen
Und der Name kam, weil Bolle auf italienisch Bläschen bedeutet?
Ja und Nein. Also ich bin Texter und daher war mir – logischerweise – der Name des Pop-Ups enorm wichtig. Bolle heißt auf italienisch Bläschen, genauer gesagt ist es die Mehrzahl von Bläschen. Das passt zu uns insofern, als der Teig so luftig ist und beim Gehen und Backen auch Blasen wirft. Es gibt aber auch eine Doppeldeutigkeit in der deutschen Sprache. Denn bei uns sagt man „ich freue mich wie bolle“ was eine Art überschwängliche Freude bedeutet. So entstand diese schöne Doppeldeutigkeit.
Bolle Pizza Sandwiches
Karolinenstraße 45, 20357 Hamburg, U2 Messehallen
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 12-15 und 17-20 Uhr
Freitag und Samstag 17-22 Uhr
www.bolle-pizza.de

Lisi Brandlmaier wurde 1989 in Thalheim bei Wels geboren und studierte Bildungswissenschaften, Germanistik, Französisch und Italienisch an der Universität Wien. 2011 startete sie ihre journalistische Karriere beim Portal typischich.at der Styria Media Group. 2013 wechselte sie zur VGN Medien Holding in die Onlineredaktion des Magazins Woman. 2015 übernahm sie die Leitung des Gourmet-Ressorts sowie im Anschluss zusätzlich die Leitung des Lifestyle-Ressorts für die Print- und Onlineausgabe des größten österreichischen Frauenmagazins. Zusätzlich engagierte sie sich beim Aufbau von Woman TV, entwickelte eine eigene Kochsendung und produzierte zahlreiche Shows mit namhaften Köchinnen und Köchen. Von 2021 bis Ende 2023 war sie Chefredakteurin und Digital-Chefredakteurin (ab 2022) bei Falstaff, dem größten Magazin für kulinarischen Lifestyle.
