Das Beste liegt dazwischen: Wie das Kremstal seine Vielfalt ausspielt

Kathi Moser (Vitikultur Moser), fotografiert von Marcus Johst (Captain Cork). Lennart Winterscheid

Zwischen linkem und rechtem Donauufer, zwischen Tradition und Aufbruch: Bei unserem KALK&KEGEL Bootcamp zeigte das Kremstal, wie stark die Mitte sein kann.

30 Top-Somms aus ganz Österreich waren mit dabei! Unter anderem Oskar Konrad (Silvio Nickol Gourmet Restaurant, 5 Hauben, 2 Sterne), Andrea Hofmann (Zimmerl, 4 Hauben, 1 Stern), Sascha Blümel (Taubenkobel, 4 Hauben, 2 Sterne), Markus Röster (Das Marent, 4 Hauben, 1 Stern), Annemarie Foidl (Sommelier Union Austria Präsidentin, Angerer Alm), Julia Gradinger (Gasthaus Nährer, 3 Hauben), Norbert Heneis (Landgasthaus Böhm, 2 Hauben), Timon Ömer (Zur Palme, 4 Hauben), Dominik Köppl-Pongracic (Puchegger-Wirt, 2 Hauben, Bib Gourmand), Jonas Große (Hotel Gasthof Adler Schoppernau), Jan Fenyö (Das Wolf Langenlebarn, 3 Hauben) und viele mehr.

Johannes Kitzler (Winzerhaus Kitzler) und Rudi Wrany (Weinrudi) bei der Ortswein-Masterclass. Lennart Winterscheid

Los ging es dort, wo sich aktuell besonders viel bewegt: bei den Ortsweinen. Das Kremstal war das erste Weinbaugebiet, das an das Nationale Weinkomitee mit Ortswein-Appellationen herangetreten ist – ein Jahr vor allen anderen – und neun Herkünfte gesetzlich verankern ließ: Krems, Stein, Stratzing, Senftenberg, Furth, Krustetten, Höbenbach, Gedersdorf und Rohrendorf. In einer kompakten Masterclass am Weingut Hermann Moser zeigte sich das Potenzial dieser Kategorie. „Die Kategorie der Ortsweine gibt es erst seit 2022. Für die Gastronomie ist sie extrem spannend, weil sie sich gut kalkulieren lässt und glasweise funktioniert. Gleichzeitig kann man die Region differenzierter erklären – und durch ihre Bandbreite begleiten Ortsweine ein Menü vom ersten bis zum kräftigeren Gang“, so Artur Toifl (Weingut Thiery-Weber). Martin Müller (Weingut Müller) ergänzte: „Im Ortswein stecken auch Chargen aus den Lagen – das sind keine einfachen Einstiegsweine. Und mehr noch: Sie haben Reifepotenzial. Wer ältere Flaschen öffnet, bekommt die Energie und Entwicklung direkt zu schmecken.“

Philipp Bründlmayer vom gleichnamigen Weingut in der Ried Schiefer in Hollenburg. Lennart Winterscheid

Nach dem Mittagessen im Wirtshaus Leindl folgte der Perspektivenwechsel: Mit dem Oldtimer-Traktor und Musikboxen ging es raus aus dem Verkostungsraum, hinein in die Weingärten. In der Ried Schiefer in Hollenburg, später in der Ried Eichbühel in Krustetten, wurde greifbar, was das Kremstal ausmacht: eine Vielfalt aus unterschiedlichen Böden, Expositionen und Mikroklimata. Linkes und rechtes Donauufer, kühler Norden, wärmerer Süden – und dazwischen eine stilistische Bandbreite, die sich nicht auf einen Nenner reduzieren lässt. Das unterstreicht auch der neue Claim: „Das Beste liegt dazwischen“. Oder, wie Martin Müller es formulierte: „Wie ein Sandwich – oben Brot, unten Brot, aber das Entscheidende ist in der Mitte.“

Sommelière Andrea Hofmann (Zimmerl) beim Verkosten der Kremstaler Ortsweine. Lennart Winterscheid

Diese Dynamik wird auch von einer Generation getragen, die gerade sichtbar nach vorne drängt. Die „Jungen Kremstaler“ stehen für Austausch und den gemeinsamen Willen, das Gebiet weiterzuentwickeln. Neue Formate, lockerere Verkostungssituationen, mehr Dialog im Weingarten statt klassischer Tischpräsentation – das Bootcamp selbst ist dafür das beste Beispiel. Gleichzeitig bleibt das Fundament klar: Nachhaltigkeit ist im Kremstal keine leere Floskel, sondern gelebte Praxis. Die Topografie mit ihren Böschungen, Sträuchern und Waldstücken verhindert Monokultur, seit Jahren wird auf Insektizide und Herbizide verzichtet. „Für viele Betriebe ist die ökologische Bewirtschaftung längst zur Selbstverständlichkeit geworden – und wird auch von den Kunden aktiv eingefordert“, so RWK Kremstal Obmann Leopold Müller (Weingut Müller).

Martin Müller (Weingut Müller) und Mark Lukaseder (Das Wolf). Lennart Winterscheid

Der Abschluss in der Ried Silberbichl brachte schließlich alles zusammen. Bei einer Grillerei mit Sekt, gereiften Weinen zurück bis zum Jahrgang 2011, Sortenvielfalt und Wein-Alternativen wie Co-Fermente und Alkoholfreiem im Glas, verdichtete sich das, worum es den ganzen Tag ging: eine Region, die ihre Vielfalt nicht vereinheitlichen will, sondern bewusst ausspielt. Martin Müller: „Wir wissen, wo wir stehen – und genau daraus entsteht unsere Stärke. Das Kremstal hat unglaublich viele Facetten, und jetzt geht es darum, das klar herauszuarbeiten und gemeinsam nach außen zu tragen. Denn eines steht fest: Das Kremstal hat richtig Power – und verdammt viel zu zeigen.“

Mehr Dialog im Weingarten statt klassischer Tischpräsentation. Lennart Winterscheid

Diese Kremstal-Weingüter waren beim Bootcamp mit dabei: Weingut Aigner, Weingut Erich und Michaela Berger, Weingut Philipp Bründlmayer, Winzerhof Dürauer, Winzerhof Ettenauer, Weingut Forstreiter, Weingut Heiderer, Winzer Krems, Weingut Ilkerl Luf, Winzerhaus Kitzler, Weingut Stadt Krems, Weingut Stift Göttweig, Weingut Hermann Moser, Vitikultur Moser, Weingut Müller, Weingut Müller-Grossmann, Weingut Nigl, Weinhof und Pension Parzer, Weingut Familie Proidl, Weingut Schmid, Weingut Thiery-Weber, Weingut Türk, Weingut Petra Unger, Weißweinmanufaktur Wandraschek, Weingut Zederbauer und Bioweingut Zöller.

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