Jetzt kommen die jungen Bordeaux!

Bordeaux ist zurecht weltberühmt für seine gereiften Rotweine. Doch nicht jeder Wein aus der Region ist auf eine hohe Lagerfähigkeit ausgelegt. Artiste Associe Photographes

Wir lieben gereifte Rotweine aus Bordeaux. Doch es gibt auch Bordelaiser Weine, die bereits in ihrer Jugend unglaublich viel Spaß machen. Hier sind unsere Empfehlungen!

Bordeaux ist zurecht weltberühmt für seine gereiften Rotweine: Komplexe Tertiäraromen wie Tabak, Zedernholz und Pilze, die sich nach 20 bis 50 Jahren – oft auch nach deutlich längerer – Fass- und Flaschenreife entwickeln, lassen die Herzen von Weinliebhaber:innen regelmäßig höherschlagen. Doch Bordeaux ist bekanntlich nicht gleich Bordeaux und nicht jeder Wein aus der Region ist auf eine hohe Lagerfähigkeit ausgelegt, gibt Kracher Fine Wine Portfolio Manager Hans Martin Gesellmann zu bedenken: „Gereifte Bordeaux sind einzigartige, große Erlebnisse. Es gibt aber auch Rotweine, die mehr auf Primäraromen und Frucht gebaut sind, dadurch zugänglicher und schon nach drei, vier oder fünf Jahren gut antrinkbar sind.“ Eine neue Generation an Winzer:innen, die Folgen der Klimaerwärmung und veränderte Produktionsmethoden seien an der Stiländerung nicht ganz unschuldig: „Historisch waren Bordeaux Weine in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren viel Tannin-betonter, viel härter und stilistisch so angelegt, dass eine längere Reifezeit im Keller notwendig war. Auf Weine, die seit den 2000ern am Markt sind, trifft das nur noch bedingt zu.“

Château L’Hêtre: Jacques Thienpont mit seiner Frau Fiona Morrison und seinem Neffen Alexander De Raeymaeker. Thienpont Wine

Bordeaux, die bereits in der Jugend zugänglich sind, zeichnen sich oftmals durch einen höheren Merlot-Anteil aus, der die Weine runder und charmanter macht. Sie stammen aus Satelliten-Appellationen wie Côtes de Castillon oder Lalande-de-Pomerol, die am rechten Ufer der Dordogne liegen. Am linken Ufer entlang der Garonne dominiert bekanntlich Cabernet Sauvignon, doch auch hier finden sich immer öfter Weine, die bereits jung Spaß machen. „Bei Weingütern vom linken Ufer ist es tendenziell so, dass die lagerfähigen Weine einen hohen Cabernet Sauvignon-Anteil haben. In den Zweitweinen, die früh trinkbar sein sollen, ist hingegen der Merlot-Anteil höher“, erklärt Bordeaux-Experte Gesellmann. Bestes Beispiel dafür sei der Les Hauts de Smith Rouge, der Zweitwein von Château Smith Haut Lafitte aus der Appellation Pessac-Léognan, „der vor allem in der französischen Gastronomie eine hohe Nachfrage genießt.“

Junge Bordeaux findet man auch bei Château Branas Grand Poujeaux in Moulis-en-Médoc. Château Branas Grand Poujeaux

Weitere empfehlenswerte junge Bordeaux finden sich unter anderem bei Château Montlandrie von Denis Durantou aus dem Castillon-Gebiet („Ein Wein, der jung trinkbar ist, aber auch eine tolle Lagerfähigkeit hat.“), bei Château Branas Grand Poujeaux aus Moulis-en-Médoc und bei Château Capbern aus der Appellation Saint-Estèphe. Auch der 2018er Château L’Hêtre – eine biodynamische Cuvée aus 90% Merlot und 10% Cabernet Franc aus der Côtes de Castillon – „ist von der Stilistik so aufgebaut, dass er noch zehn Jahre hält, aber auch schon jetzt Spaß macht.“

Hans Martin Gesellmann: “Natürlich gibt es Premier Crus, die eine gewisse Flaschenreife brauchen, aber das betrifft eben nicht alle Bordeaux.“ Kracher Fine Wine

Weißweine aus Bordeaux betrifft das Thema Lagerfähigkeit in der Regel übrigens nicht. Diese sind für gewöhnlich vom Release an schön zu trinken, wie Hans Martin Gesellmann betont: „Es heißt zwar immer, dass Weißweine gut lagerfähig sind; tatsächlich sind das aber nur vereinzelte. Die Mehrheit der Weißweine präsentiert sich in den ersten fünf bis zehn Jahren deutlich besser als nach 20 Jahren.“

Les Hauts de Smith Rouge, der Zweitwein von Florence und Daniel Cathiard (Château Smith Haut Lafitte) genießt in der französischen Gastronomie eine hohe Nachfrage. Château Smith Haut Lafitte

Mit den jungen, roten Bordeaux jedenfalls erschließt man auch eine neue, jüngere Zielgruppe. „Ich denke, dass Bordeaux viele abschreckt, weil ihnen nach wie vor erklärt wird, dass jeder Bordeaux alt sein muss. Natürlich gibt es Premier Crus wie Lafite, Mouton und andere, die eine gewisse Flaschenreife brauchen, aber das betrifft eben nicht alle Bordeaux.“ Wichtig ist zu unterscheiden, was das Ziel des Weines ist. Und dafür lohnt sich, wie wir nun wissen, ein Blick auf die Geschichte des Weinguts und dessen Herkunft, die Art der Weinbereitung und Stilistik des Weins.

In Partnerschaft mit Kracher Fine Wine

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