Das ist Österreichs führende Bio-Weinbauregion

Das ist Österreichs führende Bio-Weinbauregion

Ein Bio-Weingarten in Carnuntum in voller Pracht – umweltbewusste Weinproduktion der Carnuntiner kann sich sehen lassen. Anna Stöcher

Das Rotweingebiet Carnuntum im Osten Niederösterreichs hat eine Vorreiterrolle in Sachen Bio eingenommen. Mit dem Jahrgang 2024 werden 64 % der Weingärten der Rubin Carnuntum Weingüter biologisch bewirtschaftet.

Eines der kleinsten, aber auch dynamischsten Weinbaugebiete Österreichs lässt mit einer neuen Rekordzahl aufhorchen: Mit dem Jahrgang 2024 bewirtschaften die Winzer:innen der Rubin Carnuntum Weingüter bereits 64 Prozent ihrer Gesamtrebfläche biologisch. Weitere 16 Hektar befinden sich derzeit in der Umstellung, wobei zehn Hektar im Jahr 2025 und sechs Hektar im Jahr 2026 als ökologisch zertifiziert werden sollen.

Die Vitalität in den Weinbergen nimmt zu, die Rebstöcke werden resilienter. Herbert Lehmann

Wie kommt’s? Es liegt wohl an der rasanten Gesamtentwicklung des Gebietes. Alles begann mit der groß angelegten geologischen Studie im Jahr 2006. Über vier Jahre hinweg wurden die Weinberge Carnuntums analysiert. Erkenntnisse über die unterschiedliche erdgeschichtliche Bodenentwicklung in den verschiedenen Rieden, Wasserbindungsfähigkeit, Kalkanteile und ähnliche Parameter halfen den Winzer:innen, ihre praktischen Erfahrungen mit den Rieden nun auch wissenschaftlich fundiert zu verstehen. Diese Arbeit führte zu einer Fokussierung auf Lagenweine, schließlich zur Klassifizierung der Weinbergsrieden und gleichzeitig zur Definition des Carnuntum DAC, das ebenfalls 2019 umgesetzt wurde. Von der intensiveren Auseinandersetzung mit den Weinbergslagen bis zur biologischen Bewirtschaftung war es nur noch ein kleiner und eigentlich selbstverständlicher Schritt. Auf diese Weise hat die Region Carnuntum in den vergangenen zwei Jahrzehnten unglaubliche Veränderungen umgesetzt und eigentlich das ganze Weinbaugebiet neu erfunden.

Zahlenvergleich

Im Jahr 2022 betrug der Anteil an Bio-Weingartenfläche an der österreichischen Gesamtrebfläche 22 Prozent. Im internationalen Vergleich zählt Österreich damit zu den Vorreitern der umweltbewussten Weinproduktion.* Von den 830 Hektar Gesamtrebfläche des Weinbaugebietes Carnuntum entfallen 504 Hektar auf die 34 Rubin Carnuntum Weingüter. Mit dem Jahrgang 2024 werden 324 Hektar davon biologisch bewirtschaftet, weitere 16 Hektar folgen 2025 und 2026.**

Der wahrscheinlich größte Erfolgsfaktor ist der Spirit der Winzer:innen, sich gemeinsam den Herausforderungen der biologischen Bewirtschaftung zu stellen. Anna Stöcher

Carnuntum ist mit einem geringen Niederschlag von teilweise weniger als 400 Millimeter im jährlichen Durchschnitt einer der trockensten Landstriche Österreichs. Darüber hinaus ist das Gebiet extrem windexponiert. Die starken Luftbewegungen durch die Brucker Pforte stemmen sich gegen die vom Atlantik hereinziehenden Schlechtwetterfronten, sodass die Regenwolken nur selten in Carnuntum ankommen. Grundsätzlich herausfordernde Bedingungen für den Weinbau – für die biologische Bewirtschaftung sind sie allerdings von Vorteil. Doch der wahrscheinlich größte Erfolgsfaktor ist der Spirit der Winzer:innen, sich gemeinsam und im engen Austausch miteinander, den Herausforderungen der biologischen Bewirtschaftung zu stellen.

Natürliche Entwicklung

Die positiven Veränderungen in Weinbergen und Vinifizierung sind enorm. Das Hauptaugenmerk gilt dem Boden – um der zunehmenden Trockenheit entgegenzuwirken, ist der Aufbau von Humus durch intensive Kompostarbeit erforderlich. Auf diese Art kann die Feuchtigkeit besser im Boden gehalten werden: ein Gamechanger im niederschlagsarmen Gebiet. Die Vitalität in den Weinbergen nimmt zu, die Rebstöcke werden resilienter. Gleichzeitig geht der Wuchs zurück, die Trauben werden kleiner und lockerbeeriger. Die Reben beginnen, sich zunehmend selbst zu regulieren. Und das vielfältige Leben im Boden wächst. Auch in der Kellerarbeit hat das gesamtheitliche Denken Auswirkungen: Die Trauben sind harmonischer in ihrer Reife und brauchen daher meist weniger Eingriffe. Die Vergärung erfolgt spontan durch wilde Hefen und man kann mit bedeutend weniger Schwefel arbeiten.

Der Gesamteindruck des Weines wird von Jahr zu Jahr harmonischer. Herbert Lehmann

Schmeckt man den Unterschied? JA, sind sich die Winzer:innen einig. Natürlich nicht vom ersten Tag an, aber über die Jahre merkt man deutlich, dass die Säure etwas höher ist und sich in natürlicher Balance mit Tanninen und Gerbstoffen befindet. Der Gesamteindruck des Weines wird von Jahr zu Jahr harmonischer. Man braucht weniger Schwefel in der Vinifizierung und die Haltbarkeit der Weine steigt. Wichtigstes Ziel aber – das bestätigen alle Weingüter – ist eine langfristige Sicherung eines vitalen Bodens mit möglichst resilienten Pflanzen, um den Herausforderungen der Klimaveränderung mit immer mehr Wetterextremen gewachsen zu sein.

Rubin Carnuntum Weingüter mit biologischer oder nachhaltiger Bewirtschaftung:

  •  Weingut Artner, Höflein (Bio zertifiziert)
  • Weingut Auer, Höflein (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
  • Weingut Böheim, Arbesthal (Nachhaltig Austria zertifiziert)
  • Weingut Manfred Edelmann, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Jahrgang 2025)
  • Weingut Glatzer, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weingut Gottschuly-Grassl, Höflein (Bio zertifiziert)
  • Weingut Philipp Grassl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weingut Grassl Nepomukhof, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weinbau Gratzer-Sandriester, Prellenkirchen (Bio zertifiziert)
  • Weingut Lager, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weingut Lukas Markowitsch, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
  • Weingut Gerhard Markowitsch, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weingut Dorli Muhr, Prellenkirchen (Bio zertifiziert)
  • Weingut Franz & Christine Netzl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
  • Weingut Martin Netzl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
  • Weingut Oppelmayer, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
  • Weingut Robert Payr, Höflein (Bio zertifiziert)
  • Weingut Gerhard Pimpel, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
  • Weingut Pitnauer, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
  • Weingut Michaela Riedmüller, Hainburg (Bio zertifiziert ab 2026)
  • Weingut Taferner, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)

*Quelle:  https://www.oesterreichwein.at/unser-wein/umweltbewusstsein/biologischer-weinbau

** Die 34 Rubin Carnuntum Weingüter bewirtschaften 60% der Weinbergsflächen in Carnuntum. Weitere biologisch zertifizierte Betriebe in substantieller Größe – Flaschenfüller wie auch Traubenproduzenten – arbeiten in Carnuntum, ohne Mitglied der Vereinigung zu sein. Über die Gesamtheit des Gebietes sind geschätzte 40% der Fläche biologisch zertifiziert. Öffentlich zugänglich Zahlen dazu sind nicht verfügbar.

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