Domäne Wachau: Die Biodiversitäts-Pioniere in den Wachauer Rieden

Seit einigen Jahren setzt die Domäne Wachau neue Maßstäbe bei Biodiversität und Nachhaltigkeit. Die zahlreichen Initiativen und Maßnahmen prägen heute die gesamte Wachau. Währenddessen wird bei der innovativen Winzergenossenschaft bereits weiter in Richtung einer noch nachhaltigeren Zukunft gearbeitet.
Eine Winzergenossenschaft, federführend im nachhaltigen und biologischen Weinbau? Klingt paradox, ist bei der Domäne Wachau aber tatsächlich der Fall – und der regionale Impact ist enorm! Immerhin sind die 200 Weinhauer:innen der Domäne Wachau mit ihren mehr als 2000 Kleinstparzellen maßgeblich für die Landschaftspflege in der Wachau verantwortlich. Mit über 160 Hektar biologisch bewirtschafteter Weingärten ist die Domäne Wachau noch dazu das Weingut mit der größten Bio-Fläche in Österreich. Das Durchschnittsalter der Reben beträgt 50+ Jahre. Die Arbeit in den steilen Terrassenlagen ist herausfordernd, aufwendig und Großteils nicht mechanisierbar. Der Vorteil dabei: Aufgrund des geringen Maschineneinsatzes und der hundertprozentigen Handlese sind auch der CO2-Ausstoß, die Bodenverdichtung sowie generell die Belastung für Rebstock, Boden und Natur gering.

„Gute Weine und ein gewissenhafter Umgang mit seiner Umgebung sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Wir können nur dann immer besser werden, wenn sich unsere Böden und Reben im Gleichgewicht befinden, wir wirtschaftlich vernünftig agieren und sich alle wohlfühlen – kurz, wenn ein Rädchen ins andere greift“, erklärt Domäne Wachau Kellermeister und Weingarten-Verantwortlicher Heinz Frischengruber.
Visionäre
Gemeinsam mit Weingutsleiter Roman Horvath hat Frischengruber das Genossenschafts-Konzept in den vergangenen Jahren umgekrempelt und revolutioniert. Mit ihrer visionären Bewirtschaftungsweise basierend auf klaren, stringenten Qualitätsparametern und einer superkomplexen Prozesssteuerung, mit der Lesezeitpunkte, die Mikro-Vinifizierung und der Ausbau der Weine exakt definiert sind, steht die Domäne Wachau auf Augenhöhe mit deutlich kleineren Familienbetrieben (und oftmals darüber) und hat mit herkömmlichen Winzergenossenschaften nichts mehr gemein. Ökologische Maßnahmen gehen mit der Umstrukturierung seit jeher Hand in Hand. So wurde bereits vor 20 Jahren auf Initiative der Domäne Wachau die erste Wachauer Begrünungsmischung aus Wildblumen und Pflanzen wie zum Beispiel Serradella, Weiß-, Gelb- und Inkarnatklee, Phacelia, Ölrettich und Buchweizen entwickelt. Mittlerweile gibt es von dieser Mischung verschiedene Versionen, angepasst an die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten der Wachau (tiefgründig, karg, steinig, sauer, basisch). Die Begrünungsmischungen sind nicht nur für Domäne Wachau-Weinhauer:innen, sondern für jede Winzerin und jeden Winzer zugänglich und damit prägend für das Erscheinungsbild der Wachauer Weingärten.

Mit regelmäßigen Fachseminaren, Weiterbildungen und Weingartenbegehungen von und mit nationalen und internationalen Expert:innen sorgt die Domäne Wachau außerdem dafür, dass die Weinhauer:innen in puncto effiziente Begrünung und Bodengesundheit, aber auch zu Themen wie biologischer Weinbau und sanfter Rebschnitt up to date bleiben. „All unser Tun ist in ein Landschaftsschutzgebiet und in Natura 2000 eingebettet. Die Region Wachau ist UNESCO Kultur- und Naturerbe, Fauna-Flora-Habitatsgebiet und Vogelschutzgebiet. Unsere Weinhauer:innen sind sich ihrer generationenübergreifenden Verantwortung bewusst und arbeiten in jeder Parzelle maximal handwerklich, extrem präzise, detailliert und akribisch. Unsere Aufgabe in den vergangenen Jahren war es, ihrem wertvollen, traditionellen landwirtschaftlichen Denken und Arbeiten eine moderne strategische Ausrichtung zu geben“, so Roman Horvath.
Ökosystem
Die Weingärten der Domäne Wachau sind kleinteilig strukturiert. Viele sind von Mischwäldern umgeben oder reihen sich neben Trockenrasen, Marillen- und Obstgärten. Vielerorts stehen Mandel- und Pfirsichbäume direkt in den Weingärten. Trockensteinmauern, von denen es Wachau-weit zirka zwei Millionen Quadratmeter gibt (ein Drittel davon in den Weingärten der Domäne Wachau, die von den Weinhauer:innen gepflegt und instandgehalten werden), bieten Lebensraum für unterschiedlichste Insekten, Kleinstlebewesen und Pflanzen. Vogelstangen, Nistkästen und Insektenhotels in den Weingärten fördern den Schutz von gefährdeten Arten wie Wiedehopf und Wendehals. All das und noch mehr begünstigt ein spezielles und einzigartiges Ökosystem, das es zu bewahren gilt. Sämtliche Maßnahmen, die die Domäne Wachau setzt, stehen daher immer unter den Gesichtspunkten einer nachhaltigen, ökologischen Weingartenbewirtschaftung.

Auch was den absoluten Herbizidverzicht betrifft, hat die Domäne Wachau in der Region die Nase vorn. Anstatt auf Insektizide setzt die Winzergenossenschaft auf Pheromonfallen. Die Verwirrungstechnik kommt auf Initiative der Domäne Wachau heute Wachau-flächendeckend zum Einsatz. Darüber hinaus betreibt das Weingut ein einzigartiges und Österreichs größtes biodynamisch aufbereitetes Dauerkompost-Projekt aus hauseigenem Trester, Traubenkämmen und Strauchschnitt, um den Humusaufbau in den insgesamt 400 Hektar Weingärten kontinuierlich zu steigern – dieser Kompost wird teils ausschließlich händisch in den Weingärten ausgebracht. Ein optimiertes Laubwandmanagement, das für ausreichend Schatten und Belüftung sorgt und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise von Kupfer und Schwefel reduziert, eine durchdachte Böschungsbewirtschaftung zum richtigen Zeitpunkt sowie geschlossene Böden mit vielfältiger Begrünung sind ebenfalls selbstverständlich.
Respekt
Aktuell läuft ein innovatives Unterstock-Begrünungsprojekt mit dem Ziel, das Ökosystem im Weingarten weiter zu stärken und Pflanzen zu finden, die dem Unterstockbereich auf natürliche Weise „Bodendeckung“ bieten. Dazu braucht es Pflanzen mit zügigem Auflaufen, geringer Wurzeltiefe und geringer Wuchshöhe, geringem Wasser- und Nährstoffbedarf und Beikraut-regulierender Wirkung, wie es beispielweise bei Thymian, Klee- und Schwingel-Arten der Fall ist. Horvath: „Die Verbindung zur Natur, zum Wein und zum Team ist Teil unserer Identität und Kultur. Für uns sind die laufende Förderung der Biodiversität und der Erhalt eines ökologischen Gleichgewichts selbstverständlich – sowohl zum Zwecke einer Qualitätssteigerung als auch aus Respekt gegenüber Natur und Rebstock.“

Seit dem Jahrgang 2018 ist die Domäne Wachau nachhaltig zertifiziert. Auch hierbei mussten neue Wege beschritten werden, denn so war die Zertifizierung ursprünglich für eine Struktur wie die der Domäne Wachau nicht entwickelt. In Zusammenarbeit mit der BOKU in Wien wurde ein Konzept für die Nachhaltigkeitszertifizierung einer Genossenschaft in Steillagen erarbeitet (nach der jede/r einzelne Domäne Wachau-Weinhauer:in zertifiziert werden muss), das später von der Vinea Wachau aufgegriffen wurde. Heinz Frischengruber: „Die zahlreichen Maßnahmen sind allesamt Teil der akribischen, detaillierten und agilen Arbeit der Domäne Wachau-Weinhauer:innen. Neben einer authentischen Weinproduktion geht es schließlich auch um die Landschaftspflege in einer einzigartigen Kultur- und Tourismus-Region. Wir kommen dieser doppelten Verantwortung mit viel Herz, Idealismus und unermüdlichem Einsatz nach.“
