DOUX HEROS Finalistin Lisa Franziska Strehler im Interview: „Die junge Patisserie hat viel zu zeigen“

Lisa Franziska Strehler arbeitet in der Patisserie des Red Bull Hangar-7 in Salzburg. beigestellt

Am 9. November steht sie im Finale des KALK&KEGEL Patisserie-Wettbewerbs DOUX HEROS by Confis Express auf der „Alles für den Gast“ in Salzburg! Lisa Franziska Strehler aus dem Restaurant Ikarus im Red Bull Hangar-7 (2 Michelin-Sterne, 5 Gault&Millau-Hauben) über ihren Weg von der Musik in die Patisserie, Instagram als Inspiration und welches Learning ihr DOUX HEROS schon jetzt beschert hat.

Was bedeutet dir der Einzug ins Finale?
LISA FRANZISKA STREHLER: Ich habe mich erst einmal riesig gefreut und dann gedacht: Aus Spaß wird Ernst. DOUX HEROS ist ein ziemlich cooler Wettbewerb und gerade für eine junge Patisserie eine tolle Chance, sich zu zeigen.

Wie definierst du die junge Patisserie? Geht es ums Alter oder um den Zugang zum Beruf?
Damit meine ich natürlich einerseits das Alter und den frischen Wind, aber vor allem auch den Zugang. Wir nehmen heutzutage unglaublich viel auf, sehen jeden Tag neue Dinge auf Social Media und lassen uns davon beeinflussen. Ich glaube, dass wir als junge Generation diese vielen Eindrücke sehr gut bündeln und in unsere Desserts oder generell in die Kulinarik einbringen können. Ich sehe natürlich durch meine Arbeit im Hangar-7 sehr viel aus der ganzen Welt, aber auch Instagram ist für mich eine große Inspirationsquelle.

Hat deine Generation durch Social Media auch die Möglichkeit, schneller zu lernen?
Ich glaube nicht unbedingt, dass man schneller lernt. Aber man kommt viel schneller an Informationen, egal ob man konkret danach sucht oder zufällig darüber stolpert. Ich erwische mich oft dabei, wie ich einfach durchscrolle und plötzlich die wildesten Sachen entdecke, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass ich noch nicht die ganze Welt gesehen habe. Aber man stößt dadurch auf ganz andere Dinge und bekommt viel Inspiration.

Mandarine, Vanille, Punsch: das Pre-Dessert von Lisa Franziska Strehler. beigestellt

Du hast vor deiner Konditor-Ausbildung Klarinette studiert. Wie kommt man von der Musik in die Patisserie?
Das war bei mir ein ziemlich harter Cut. Ich musste aus gesundheitlichen Gründen mit dem Musikstudium aufhören. Klarinette habe ich weiterhin gespielt, aber nicht mehr auf professionellem Niveau. In diesem halben Jahr habe ich zu Hause sehr viel gebacken, mich im Internet inspirieren lassen und einfach unglaublich viel ausprobiert. Ich habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, in der Küche zu stehen, und anschließend mehrere Praktika absolviert. Beim Hotel Sacher in Wien habe ich mich dann eigentlich mehr oder weniger aus Spaß für einen Ausbildungsplatz beworben. Wien hat mir schon immer gefallen und ich dachte mir: Probiere es beim Sacher, das ist eine der besten Adressen, da kannst du nichts verlieren. Dass es tatsächlich geklappt hat, war ein bisschen Glück und Zufall.

Gibt es Parallelen zwischen Musik und Küche?
In der Küche habe ich ungefähr den gleichen Schlag Menschen gefunden wie zuvor im Studium und generell in der Musik: Menschen, die für ihren Beruf oder ihre Leidenschaft brennen. Ich habe mich deshalb sofort wiedergefunden. Auch das Familiäre war für mich vom ersten Tag an da.

Lisa Franziska Strehler: “Ich sehe durch meine Arbeit im Hangar-7 sehr viel aus der ganzen Welt.” beigestellt

Vom Sacher ging es für dich in die Sternegastronomie. War Fine Dining von Anfang an dein Ziel?
Das Sacher war eine super Grundlage. Ich habe dort sehr viel gesehen und schon während meiner Ausbildung gemerkt, dass ich ehrgeizig bin. Fine Dining hat mich eigentlich von Anfang an interessiert, und nach meiner Ausbildung habe ich zusätzlich entdeckt, wie gerne ich kreativ arbeite. Danach habe ich mich tatsächlich auf der ganzen Welt beworben. Ich hatte dieses Gefühl: Jetzt steht mir alles offen. Das war vielleicht ein bisschen naiv, aber warum eigentlich nicht? So bin ich schließlich bei Matthias Diether in Estland gelandet. Das war für mich ein Glücksgriff; das 180° ist das beste Restaurant in den baltischen Staaten. Nach ungefähr eineinhalb Jahren wollte ich wieder zurück in ein deutschsprachiges Land. Der Wunsch, irgendwann noch einmal meine Fühler ins Ausland auszustrecken, ist aber definitiv noch da.

Warum wolltest du bei DOUX HEROS dabei sein?
Gleiche Vorgaben, ganz unterschiedliche Ideen – genau das macht für mich den Reiz aus.

Das Hauptdessert kombiniert Alpenkaviar – Zitrone – Champagner und wird am Tisch mit einem Sud aufgegossen. beigestellt

Dein Portfolio war eines der umfangreichsten, die uns erreicht haben. Arbeitest du bei der Entwicklung neuer Desserts immer so strukturiert?
Das Gestalten solcher Unterlagen macht mir tatsächlich unglaublich viel Spaß. Schon für meine Lehrabschlussprüfung habe ich ein kleines Buch gemacht. Ich mag diese kreative Medienarbeit, weil man auch dort seinen eigenen Touch einbringen kann. Damit könnte ich mich stundenlang beschäftigen. Aber Struktur ist mir auch bei der Entwicklung selbst sehr wichtig. Am Anfang mache ich mir eine Skizze davon, wie ich mir ein Dessert vorstelle. Im Laufe der Entwicklung verändert sich natürlich einiges, aber am Ende brauche ich noch einmal eine Visualisierung mit allen Komponenten. Das gibt mir Sicherheit, bevor ich überhaupt in der Küche anfange. Es kann natürlich auch ein Nachteil sein, wenn man sich vorher schon sehr genau festlegt, wie etwas aussehen soll, und es am Ende ganz anders wird. Gerade in einem Sternerestaurant braucht man aus meiner Sicht aber diese Struktur. Wenn man Dinge völlig unstrukturiert angeht, hat man irgendwann keine Chance mehr, mitzukommen.

Was war bei der Ausarbeitung deines Wettbewerbsmenüs das größte Learning?
Die Kalkulation war definitiv der aufwendigste Teil, vor allem die Recherche der ganzen Zahlen. Der größere Lerneffekt war für mich aber die Arbeit mit Produkten, die ich vorher noch nicht oder kaum verwendet hatte. Man macht sich im Vorfeld Gedanken darüber, wie etwas schmecken und funktionieren wird. Dann probiert man beispielsweise den Alpenkaviar oder eine Amalfi-Zitrone und merkt: Das habe ich mir doch anders vorgestellt. Mein Learning daraus war, die Produkte zuerst wirklich kennenzulernen und erst danach festzulegen, wo man damit hinwill.

Beim Finale bewertet eine hochkarätige Jury unter dem Vorsitz von Jan Eggers. Michael Kink

Du hast bereits Wettbewerbserfahrung. Hilft dir das beim Finale?
Eher nicht. Ich bin ein ziemlich nervöser Typ. Live zu kochen habe ich bei einem Wettbewerb noch nie gemacht. Bisher waren es immer Arbeiten, die man vorbereiten und einschicken konnte oder die anschließend vor Ort bewertet wurden. Jetzt direkt vor der Jury zu arbeiten, ist für mich etwas komplett Neues. Ich bin jetzt schon extrem nervös, aber gleichzeitig gespannt darauf, wie sich das anfühlen wird.

Wer steht dir im Finale als Commis zur Seite?
Zu 99,9 Prozent Robert Weinrich. Er war bis vor Kurzem Junior-Sous-Chef im Hangar-7 und ist ein super Allrounder. Wir haben zwar nie gemeinsam in der Patisserie gearbeitet, aber er kann Situationen unglaublich schnell einschätzen. Bei uns reicht oft schon ein Blickkontakt und er weiß, was gemeint ist. Wir verstehen uns auch menschlich super. Deshalb glaube ich, dass er eine sehr gute Wahl ist.

Worauf freust du dich beim Finale am meisten?
Auf alte und neue Gesichter, auf den Austausch und vor allem auf dieses ganz besondere Feeling. Wenn so viele spannende Menschen aus der Patisserie-Szene an einem Ort zusammenkommen, ist das schon etwas Besonderes.

Wer gewinnt, reist mit Original Beans ins Ursprungsland der Schokolade. Michael Kink

KALK&KEGEL DOUX HEROS by Confis Express

Montag, 9. November 2026
Salzburg Arena – Masterclass Bühne / KALK&KEGEL Area
9 bis 13 Uhr: Wettbewerb mit Live-Kommentation
13 Uhr: Finale mit den Star-Patissiers in der Jury
14 Uhr: KALK&KEGEL 50 Best Patissiers by Les vergers Boiron
15 Uhr: DOUX HEROS Siegerehrung

Im Finale:

Lisa Franziska Strehler, Red Bull Hangar-7 – 2 Michelin Sterne (Österreich)
Franca Sauer, Restaurant Auerhahn (Deutschland)
Philipp Pfattner, Castel Fragsburg – 1 Michelin Stern (Südtirol)

Moderation:

Lisi Brandlmaier, Journalistin, Moderatorin, TV-Host
Thomas Brejla, Confis-Express
Stefan Howells, Red Bull Hangar-7

Jury:

Julia A. Leitner, Patissière des Jahres 2014, CODA, Berlin
Kay Baumgardt, Gault&Millau Schweiz Patissier des Jahres 2020, Gourmetrestaurant Mamesa, Burgeis
Thomas Scheiblhofer, Gault&Millau Österreich Patissier des Jahres 2016, TIAN, Wien
Luise Grottenthaler, DOUX HEROS Siegerin 2024, Aura by Alexander Herrmann & Tobias Bätz
Sabrina Schanz, Gault&Millau Deutschland Patissière des Jahres 2015, Original Beans
Ian Baker, Patissier des Jahres Schlemmer Atlas, Vier Jahreszeiten Kempinski, München
Sebastian Kraus, Patissier des Jahres 2019 und Brand Ambassador Les Vergers Boiron
Jan Eggers, Gault&Millau Österreich Patissier des Jahres 2024, Zur Goldenen Birn, Graz

doux-heros.com