Duval-Leroy: Die Feministin der Champagne

Carol Duval-Leroy, Grande Dame der Champagne und Kämpfernatur in einer männlich-dominierten Branche.

Über Carol Duval-Leroy wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel geschrieben. Sie gilt als Champagner-Lady durch und durch, im Auftritt, in ihrer Wirkungskraft und ihrem Durchsetzungsvermögen. KALK&KEGEL-Autor Alexander Rabl traf sie bei einem exklusiven Champagnerdinner im Landhaus Bacher (2 Guide MICHELIN-Sterne, 5 Gault&Millau-Hauben), bei dem Duval-Leroy ihre Weltklasse-Champagner aus 2008 - einem der besten Jahrgänge der Geschichte - präsentierte.

Champagne Duval-Leroy, das ist Carol Duval-Leroy, das sind ihre Weine, ihre Schöpfungen, vom klassischen Duval Leroy Black Label bis zum berühmten Vintage Champagne, der Femme de Champagne, der enormes Reifungspotenzial besitzt, und zum Besten gehört, was aus der Region kommt. Vor fünfzehn Jahren traf ich sie in Wien zum Interview, es gab nur Mineralwasser, aber ein paar schöne Antworten zum Thema Champagner. Zum Beispiel auf die Frage, die offenbar jedem deutschsprachigen Journalisten einfällt, wenn es um die Weine der Champagne geht, ob denn Champagner eigentlich Luxus sei.

Gebratene Jakobsmuscheln, in Nussbutter confierte Artischocken, Kartoffel-Spitzkrautmousseline, Guanciale, Kernöl & Kaviar-Beurre Blanc, dazu Premier Cru Brut Blanc de Blancs 2008. Alexander Rabl

Eine lachhafte Frage, wenn man sie jemanden aus einer Region stellt, für den der Genuss von Champagner zum Alltag gehört, wie in den Cafés und Bars von Reims und Epernay. „Natürlich ist Champagner kein Luxus, es ist einfach ein besonderer Wein“, so in der Art antwortete Carol Duval-Leroy, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Weine aus der Burgund und aus Bordeaux stets zu ungleich höheren Preisen gehandelt werden als die Spitzenchampagner der kleinen und größeren Häuser in Epernay und Reims. Damit hat sie einen Punkt.

Perlhuhn gespickt mit weißem Alba Trüffel, Wirsingkohl, Kürbis-Speck-Karamell, Maronen & Sauce Albufeira, dazu Grand Cru Brut Femme de Champagne. Alexander Rabl

Das Haus Duval-Leroy ist übrigens ein Familienbetrieb. (In der Champagne sagt man nicht Chateau wie in Bordeaux und auch nicht Domaine wie im Burgund, sondern Maison, also Haus.) Und gemeinsam mit ihren Kindern besuchte Madame Duval-Leroy kürzlich wieder einmal Österreich, wo sie einige starke Fans hat, unter anderem Willi Klinger, der keiner weiteren Vorstellung bedarf. Bei einem Essen im gerade mit fünf Gault&Millau-Hauben ausgezeichneten Landhaus Bacher kam die Frage dann wieder auf den Begriff Luxus und prompt lieferte Madame ihre Definition ab: „Das hier ist Luxus, nämlich dass Monsieur Dorfer sich extra für unsere Champagner ein eigenes Menü ausgedacht hat. Bei uns in Frankreich ist es so, dass sich der Winzer mit seinen Weinen der Küche unterordnen muss. Hier hat sich die Küche den Weinen untergeordnet.“

Carol Duval-Leroy: “Das hier ist Luxus, nämlich dass Monsieur Dorfer sich extra für unsere Champagner ein eigenes Menü ausgedacht hat.” Jörg Lehmann

Tatsächlich ist das Landhaus Bacher immerhin seit zwei Generationen dafür bekannt, dass man bei den Wein-Dinners küchenmäßig zur Höchstform aufläuft. Und ein solches Dinner choreografisch zu begleiten gehört ebenso schon lange zu den Grundfertigkeiten des Hauses. Zu solchen Anlässen ist das Landhaus ein Weinhaus Bacher. Zum ersten Champagner, einem Premier Cru „Fleur de Champagne“ gibt es fast rohen, nur kurz gegrillten Kaisergranat (Thomas Dorfers eigentliches Signature Product) und gelierte, kurz gerührte Essenz aus Krustentieren (man denkt kurz an Alain Ducasse).

Lammrücken “Cafe de Paris”, Schwarzwurzel-Topinambur-Gemüse & Black Pearl Austernpilze, dazu Grand Cru Brut Rosé de Saignée Femme de Champagne 2008. Alexander Rabl

Die Kombination aus Kaviar, Artischocken, Jakobsmuscheln, Kartoffel-Spitzkrautmousseline, Guanciale und Kernöl gerät etwas mächtig, erweist sich aber auch als ideale Begleitung zum delikaten Premier Cru Brut Blanc de Blancs 2008. Wie gut diese Champagner reifen! Zur großartigen Femme de Champagne Grand Cru hat sich das Küchenteam Perlhuhn einfallen lassen, das mit weißem Alba-Trüffel gespickt wurde. Speck gibt es dazu auch, in Form eines Kürbis-Speck-Karamell, dazu Maronen und eine bei Thomas Dorfer gerne anzutreffende Sauce Albufeira.

Brut Femme de Champagne 2008 zum Vorarlberger Bergkäse, “Red Ambosta” Zwiebel, Vadouvan & Weintrauben. Alexander Rabl

Die Klarheit, die Note nach Rosen und Rhabarber beim Rosé de Saignée Femmes de Champagne begeistert, sie passt hervorragend zum Lammrücken „Café de Paris“, dieser köstliche Lammrücken mit dem leichten Fettrand, wie es das nur beim Lamm der Familie Gnigler aus Rutzenmoos gibt. Dieser Rosé wird wie Rotwein hergestellt, es ist nicht der übliche Verschnitt aus Mosten aus Rotwein und Weißwein. Das verleiht ihm den eleganten, ernsthaften Auftritt, den er als Begleiter eines ernsthaften Hauptgangs auch braucht. Noch einmal wunderschön gereifter Champagner ohne den geringsten Alterston in Form des Grand Cru Femmes de Champagne 2008 zu einer Kombination aus Vorarlberger Bergkäse und Red-Ambosta-Zwiebel, Vadouvan und Weintrauben.

“Tatsächlich ist das Landhaus Bacher immerhin seit zwei Generationen dafür bekannt, dass man bei den Wein-Dinners küchenmäßig zur Höchstform aufläuft”, schreibt Alexander Rabl. Jörg Lehmann

Die besten Trauben, die bewährteste Methodik, dazu eine der besten Küchen des Landes, an solchen Abenden, die leider selten sind, kann wenig schiefgehen. Und warum eigentlich Feministin? Carol Duval-Leroy war das Kämpfen für den Status der Frauen sozusagen verordnet worden, durch den frühen Tod ihres Mannes und eine Phalanx von rein männlichen Kollegen und Mitbewerbern, die es der einzigen Frau der Branche anfänglich schwer machten, ihre Position zu halten oder gar zu verbessern.

Krönender Abschluss: “Jamaïque”-Schokolade, geschmorte Feige & Haselnuss. Im Glas: Premier Cru Brut Rosé Prestige. Alexander Rabl

Der Kampf war wohl erfolgreich und kostete Carol eine Menge Energie. Doch davon scheint sie genug in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Noch heute birst Duval-Leroy, obwohl bereits in ihren Siebzigern, gänzlich ohne Alterstöne, wie ihre Weine, geradezu vor Kraft und Energie, sitzt unruhig am Tisch, jederzeit bereit, für ihr Werk, ihren Champagner, das Wort zu ergreifen. Thomas Dorfer fungiert als Gastgeber, er ist der logische Nachfolger seiner Schwiegermutter (ebenfalls unter den Gästen) und seines Schwiegerpapas (leider im Frühjahr verstorben). Eine Rolle, in die er souverän und mit Tempo hineingewachsen ist. Mag auch gut sein, dass die fünfte Haube, die ihm die Gault&Millau-Leute letztens aufgesetzt haben, den souveränen Auftritt noch befördert hat.

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