Schluss mit den Missverständnissen in der Gastro

Nach dem vermeintlichen Skandal rund um die 8-Euro-Gebühr für einen leeren Teller in einem Restaurant am Wörthersee wird wieder einmal viel diskutiert. Allerdings völlig am Thema vorbei, schreibt KALK&KEGEL Herausgeber Michael Pöcheim-Pech in seinem Kommentar.

Bloß eine Sommerloch-Story? Die Wogen gehen hoch in ganz Österreich, nachdem die Gastronomen in der Villa Miralago am Wörthersee eine „Gebühr“ von acht Euro für ein geteiltes Gericht kassierten – und damit für den zusätzlichen Teller lediglich den Preis verlangten, über den die Gäste auf Seite 1 der Speisekarte vorab sowieso informiert wurden. Ein publikumswirksames Thema, das bei den jeweiligen Medien für tausende Kommentare sorgt – die Gastronomie kommt dabei denkbar schlecht weg.

Neu ist das alles freilich nicht. Stornogebühren, Mindestkonsumationen, Schnitzelpreis oder Preisvergleiche beim Bier – die Gastronomie darf immer dann herhalten, wenn gerade wieder einmal eine neue Sau durch das Dorf getrieben werden muss. Keine andere Branche gerät jedesmal derart in Erklärungsnot. Und genau das ist das Problem. Anstatt jetzt darüber zu diskutieren, ob – wie im aktuellen Fall – die verrechneten acht Euro gerechtfertigt oder unverhältnismäßig über das Ziel hinaus geschossen sind, müssen wir in der Gastronomie endlich eine Antwort finden auf das ewige Missverständnis, das der Branche von (zu) vielen Menschen entgegenschlägt.

Geschäftsmodell

Denn eines ist klar: Noch nie ist es der Gastronomie gelungen, ihr Geschäftsmodell klar verständlich zu machen. Zum Beispiel, dass Preise in bester Lage andere sind als am Land, wo Mieten vergleichsweise günstig sind. Zum Beispiel, dass ein Service mit ausgebildeten Menschen mehr kostet als in Selbstbedienung. Zum Beispiel, dass Leitungswasser zwar gratis sein kann, aber alles rundherum seinen Preis hat. Zum Beispiel, dass die Geschäftsidee der Gastronomie in einem Möbelhaus oder die Geschäftsidee eines Sternerestaurants in einem Hotel eine diametral andere ist, als die eines Lokals, das ganz allein für sich funktionieren muss. Oder ganz banal: Dass Gastronomie einfach kostet – egal ob bei den Produkten, beim Handwerk, der Energie, den Mitarbeiter:innen oder in der Ausstattung. Und das sogar unabhängig eines Qualitätsanspruchs.

Die aktuelle Geschichte vom Wörthersee ist nämlich alles andere als eine Sommerloch-Story. Sie ist das Ergebnis von Missverständnissen und auch von viel zu günstigen Preisen in der Vergangenheit (und selbst in der Gegenwart). Diese Diskussionen, die am Ende dem gesamten Tourismus schaden, werden uns immer wieder begegnen, wenn wir nicht etwas ändern.

Mit Stolz und aus Überzeugung – aber ohne Überheblichkeit – muss die Branche das Produkt „Gastronomie“ in die Auslage stellen und den Preis verständlich machen. Gelingen kann das nur mit einer beständigen, ja wahrscheinlich sogar gebetsmühlenartigen Kommunikation mit den Gästen. In persönlichen Gesprächen, indirekt über die jeweiligen Onlineauftritte der Restaurants und am besten gestärkt mit einer gemeinsamen Stimme der Interessenvertreter (was in Kärnten hervorragend funktioniert). Das alles erfordert Zeit, Mühe und gute Nerven. Auf beiden Seiten übrigens. Wer in der Branche arbeitet, kennt es nur zu gut: Dasselbe Unverständnis, das Gäste für die Gastronomie haben, hat die Gastronomie manchmal auch für ihre Gäste. Missverständnisse aber können immer nur im gegenseitigen Austausch aufgeklärt werden. Und am Ende geht es genau darum.