Gebeshuber: Ich liebe das Unübliche

Eine gute Weinkarte hat immer auch Überraschungen parat

Bei einem Restaurantbesuch sind Weinklassiker für Johannes Gebeshuber völlig in Ordnung, sehr gerne probiert er aber auch brillante Newcomer. Weinbewertungen sind für ihn sinnvoll. 

Flasche oder glasweise Begleitung?
JOHANNES GEBESHUBER: Prinzipiell beides. Wenn man einen Wein kennt und das Gefühl hat, dass er zum Menü passen könnte, immer gerne eine Flasche. Wenn ich aber bei einem Sommelier zu Gast bin, dem ich vertraue, dann ist es immer wieder ein Erlebnis, sich auf eine Weinbegleitung einzulassen. 

Was erwartest du von einem Sommelier?
Im besten Fall, dass er oder sie mich überrascht. Das Schöne am Job des Sommeliers ist, dass er sich immer wieder mit neuen Dingen beschäftigen kann und darf und nicht immer die üblichen Wellen absurfen muss. Mich freut es, wenn sich eine wunderbare Harmonie mit dem Essen ergibt und man Weine probieren kann, die man noch nicht kennt.

Eine spannende Weinkarte hat…?
JOHANNES GEBESHUBER: …einen guten Mix aus neuen Weinen und den Fixpunkten, die wir alle so gerne trinken: deutscher Riesling, weißer Burgunder und wie sie alle heißen. Auch neue Weinbauländer, über die man noch kein sehr großes Weinwissen hat, mag ich. Wenn man junge Talente auf einer guten Weinkarte findet, ist es immer wieder erfreulich und wert sie zu probieren. In Österreich hat für mich zum Beispiel das Steirereck in Wien eine wirklich spannende Weinkarte, die eine gute Mischung bietet. Auch Mraz und Sohn hat einen sehr frischen Zugang zum Wein. Natürlich fehlen auch die großen Weine in diesen Restaurants nicht, aber sie werden immer ergänzt durch Entdeckungen und neue Strömungen. Was mich in New York fasziniert hat, ist das Wallsé von Kurt Gutenbrunner. Das internationale Angebot ist bestens, aber auch die österreichischen Weine hat er immer promotet. In meiner Region würde ich auch gerne zwei nennen, die herausragen: Georg Stocker vom Stockerwirt in Sulz und Florian Fritz vom Klostergasthaus Thallern. Beide haben wirklich bemerkenswerte Weinkarten, auch internationalen Standards genügend.

Wo hattest du ein Perfect Match?
JOHANNES GEBESHUBER: Ich bin seit 30 Jahren Vegetarier und liebe das TIAN in Wien. Dort habe ich mehrmals Perfect Matches gehabt. Die Küche ist wirklich hervorragend und auch die Sommeliers sind immer ausgezeichnet.  

Weinbewertungen sind Pflicht/Kür

Über welchen Winzer freust du dich besonders, wenn du seinen Namen in einer Weinkarte entdeckst?
JOHANNES GEBESHUBER: Ich freue mich immer, wenn ich einen Corton Charlemagne von der Domaine Bonneau du Martray auf der Karte sehe, weil der Wein die perfekte Balance aus Vielschichtigkeit, Mittelkräftigkeit und Eleganz hat und zu jeder Speise passt.

Weinbewertungen bedeuten für mich …?
JOHANNES GEBESHUBER: Als Gast sind sie ein Anhaltspunkt, aber ich empfinde keine Hörigkeit, weil ein Wein eine hohe Punkteanzahl hat. Wenn man von Weingüterratings spricht, kann man davon ausgehen, dass in einem Betrieb gut gearbeitet wird, wenn er über Jahre hinweg eine gute Bewertung hat. Als Winzer sind die Weinbewertungen die Pflicht und Kür. Bei einigen muss man dabei sein, rund um die großen Fünf gibt es aber relativ viele, wo man von Jahr zu Jahr entscheidet, ob man mitmacht. 

Schnaps oder Kaffee zum Abschluss?
JOHANNES GEBESHUBER: Espresso. Er muss halt die Struktur und Cremigkeit haben, die man sich von einem tollen Espresso erwartet. 

weingut-gebeshuber.at