Glaskultur? Komplett überbewertet!

Der Wiener Weinbauer Alexander Zahel ist vor allem bekannt für seinen Gemischten Satz. Wenn er selbst zu Gast in einem Restaurant ist, dann wählt er aber lieber andere Weine. Welche genau, erzählt er hier…


Flasche oder glasweise Begleitung?
ALEXANDER ZAHEL: Wenn ich in einer größeren Runde mit weinkundigen Menschen oder Winzerkollegen unterwegs bin, dann wählen wir meistens Flaschen aus der Weinkarte. Und dazwischen drin haben wir auch immer ein offenes Ohr für die Empfehlung des Sommeliers.

Eine spannende Weinkarte hat…?
ALEXANDER ZAHEL: … Jahrgangstiefe, viele spannende Regionen und natürlich einen hohen Anteil und biologischen und biodynamischen Weinen. In Österreich fallen mir viele ein, zum Beispiel das Heunisch&Erben, selbstverständlich auch die Coburg. Herausragend und vielleicht ein Geheimtipp ist auch die Weinkarte im Landgasthaus Stockerwirt in Sulz im Wienerwald (Weinkarte: https://stockerwirt.com/_files/karten/Weinkarte.pdf). Diese Weinkarte ist spannendend aufgrund der Champagner, der Naturweine und auch der Tiefe bei den Einzellagen. International hat mich die Weinkarte im „The Slanted Door“ in San Francisco beeindruckt – ein vietnamesisches Restaurant mit viele österreichischen Weinen auf der Karte und einem Sommelier, der den Mut hatte, viele Flaschen auch nur für zwei Gläser zu öffnen.

Ein Perfect Match hatte ich…?
ALEXANDER ZAHEL: Ich hatte gleich einige in Tokio und zwar im „Ozaki Yukitaka“ (www.ozaki-yukitaka.com/), da gibt es zum Sushi entweder Wein oder Sake und jedes Mal trifft es dich am Gaumen wie eine Bombe.

Gibt es ein perfektes Glas für Wein?
ALEXANDER ZAHEL: Aus meiner Sicht ist dieses Thema überbewertet. Ein guter Wein wird in jedem Glas gut sein. Einen schlechten will ich auch aus dem besten Glas nicht trinken.


Terroir und Ursprünglichkeit

Über welchen Winzer freust du dich besonders, wenn du den Namen in einer Weinkarte entdeckst?
ALEXANDER ZAHEL: Wenn ich Roberto Santana vom Weingut Envínate in Teneriffa in einer Weinkarte entdecke, dann muss ich zugreifen. Das Hauptaugenmerk dieses Weinguts liegt in der Suche nach kleinen Einzellagen, um darauf mittels perfekter Weinbergspflege das jeweilige Terroir und die Ursprünglichkeit der Rebsorte herauszuarbeiten.

Weinbewertungen bedeuten für mich…?
ALEXANDER ZAHEL:… überhaupt nichts. Ich habe den Hype darum nie verstanden. Was wirklich zählt, das sind Tipps von Kolleginnen und Kollegen oder von fachkundigen Mitarbeiterinnen aus der Sommelerie.

Schnaps oder Kaffee zum Abschluss?
ALEXANDER ZAHEL: Weder noch! Nach einem langen Essen am Abend gerne noch ein Glas Champagner. Oder noch lieber etwas Süßes von den Kollegen aus Deutschland Clemens Busch, Fritz Haag oder Markus Molitor!

www.zahel.at