Heinrich: Warum Blaufränkisch der Star

Blaufränkisch: Unterschätzt ihn nicht!

Will man Terroir abbilden, wird Blaufränkisch zum Role Model. Kaum eine andere Sorte ist sensibler, feinfühliger, wenn es um ihre Herkunft geht, schreibt Gernot Heinrich in seinem Kommentar.

Man braucht ein entsprechendes Bewusstsein, um die Feingliedrigkeit eines Blaufränkisch zu erkennen. Um zu sehen, zu schmecken, wie vielseitig die Sorte ist, die nach burgundischer Art oder mit deutlich mehr Struktur ausgebaut werden kann. Es ist schade, dass Blaufränkisch nach wie vor das uncharmante Image eines harten Knochens mit zu viel Säure und Gerbstoff anhaftet. Dabei gelingt es ihm wie kaum einer anderen Sorte, sein Terroir auf großartige Weise zu transportieren. In unserem Betrieb ist Blaufränkisch deshalb schon längst die Leitsorte – mit einem Anteil von 50 unserer insgesamt 85 Hektar Weingärten.

Nuancenreich

Blaufränkisch auf Kalk oder Schiefer? Ich sage ganz klar: beides! Das war auch der Grund, warum wir uns 2006 in Richtung Leithaberg bewegt haben. Seither sind es vor allem die Böden, die unsere Weine prägen: Der fossile Kalkstein der Lage Alter Berg im Norden, der die Wärme reflektiert, nicht speichert, und Blaufränkisch der kühleren Art hervorbringt, mit Finesse und mineralischer Ausdruckskraft, ohne in die Breite zu gehen. Und der Glimmerschiefer des Edelgraben hoch über Breitenbrunn; eine Lage, die durch den angrenzenden Wald eine langsame Endausreifung der Trauben begünstigt und in der Folge für farbintensive, kräftige – nicht opulente! – Weine sorgt.

Aufgezeichnet von Sonja Planeta