JRE Sommeliertage: Verbindung zwischen Weinbau und Sommellerie entscheidet über Servicequalität

Die JRE Sommeliertage zeigen, wie gezielte Nachwuchsförderung in der Praxis aussehen kann. Im Zentrum steht neben der Vermittlung von Weinwissen vor allem das Verständnis für Zusammenhänge zwischen Herkunft, Produktion und Service. Wir waren bei der dritten Ausgabe 2026 mit den STK-Winzer:innen in der Südsteiermark dabei.
Mit den JRE Sommeliertagen setzen die Jeunes Restaurateurs Österreich ein klares Zeichen für die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter:innen und die langfristige Stärkung der Servicekultur. Mit dabei bei der STK-Edition in der Südsteiermark waren unter anderem Eva und Dominik Utassy (Geiger Alm), Marina Kühlinger (Geschwister Rauch), Vuk Jovanovic (Herzig), Marcel Zirngast (Haus Zirngast), Fernando Fanaro (Riederalm), Florian Luftensteiner (Döllerer), Bérénice Leonforte-Pitzl und Thomas Ferrand (Sattlerhof), Vicky Amodio und Teresa Schossleitner (Die Forelle), Hannes Pretz (Krainer) sowie Nina Pichler und Gabor Szeplabi (Molzbachhof).

Mitarbeiterwohl und -entwicklung sowie die Nachwuchsförderung sind zentrale Themen innerhalb von JRE. Das zeigt sich unter anderem in Initiativen wie den jährlich verliehenen JRE Service Awards sowie in der Zusammenarbeit mit der Tourismusschule Bad Hofgastein. Die Sommeliertage erweitern diesen Zugang um eine entscheidende Perspektive: den direkten Austausch mit den Winzer:innen. Mit den Betrieben der STK-Winzervereinigung trafen die Teilnehmer:innen dabei auf eine Gruppe, die wie JRE stark von der gemeinsamen Entwicklung geprägt ist. Die STK selbst entstand vor rund 40 Jahren aus einer Kooperation junger Winzerfamilien, die sich durch Austausch, gemeinsame Investitionen und kontinuierliches Lernen weiterentwickelt haben. Dieses Prinzip des Miteinanders ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit.

Die JRE Sommeliertage führten direkt in die Rieden großer Namen der Steiermark: Polz, Tement, Gross, Maitz, Sattlerhof, Lackner Tinnacher, Hannes Sabathi, Erwin Sabathi, Wohlmuth, Neumeister, Frauwallner und Winkler–Hermaden. Die Teilnehmer:innen erhielten Einblicke in Böden, Lagen und Arbeitsweisen, ergänzt durch Verkostungen direkt auf den Weingütern. Im Wirtshaus Wolfgang Maitz (Ehrenhausen), in der Weinkehr (Gamlitz) und im Lieperts (Leutschach) wurden die STK-Weine zudem gezielt als Speisenbegleiter eingesetzt und diskutiert.

Ein zentraler Aspekt dabei ist die Rolle der Sommellerie als Vermittler zwischen Winzer:in und Gast. „Wir sind Weinbauern. Wir stehen im Weinberg. Oft fehlt die Zeit, nach außen zu gehen. Darum brauchen wir die Sommellerie, um unsere Idee an den Gast zu bringen“, erklärt Armin Tement. Diese Schnittstelle gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere im internationalen Kontext. Bei Katharina Tinnacher sind 80 Prozent der Weine, die in den Export gehen, Sauvignon Blanc. Sommellerie und Weinhandel schätzen die Einzigartigkeit der Rebsorte. „Unsere Weine funktionieren dort am besten, wo jemand ist, der unsere Geschichten erzählt – von der Südsteiermark, den Weinbergen, unserer Familie“, sagt sie – und ergänzt: „Unsere Weine sind der Gastronomie gewidmet – sie reüssieren als Speisenbegleiter.“

Inhaltlich lag ein weiterer Fokus auf dem Thema Herkunft. Der Ansatz, Weine stärker über ihre Lagen und weniger über Rebsorten zu definieren, zieht sich seit Jahren durch die Arbeit der STK und wurde auch im Rahmen der Sommeliertage diskutiert. „Weg von Weinkarten, die auf Sorte aufbauen, hin zu Herkunft“, formuliert es Erich Polz jun.. „Mein Traum: Dass der Gast in Zukunft beim Wort Morillon sofort weiß, das kommt von hier und steht für eine eigenständige Stilistik.“ Alexander Sattler vertiefte das Thema bei der Verkostung seiner Cuvée Ried Pfarrweingarten aus Morillon und Weißburgunder: „Uns ist bewusst, dass am Gast nicht immer ausreichend Zeit ist, um viel zu erklären. Darum starten wir mit dem Thema dort, wo sich der Gast einen Wein nicht im Vorbeigehen bestellt, sondern eine Idee von Herkunft hat.“

Seitens der Sommellerie braucht es dazu Wissen und Erfahrung. „Zuerst lernen, wo die Lage liegt. Dann schmecken lernen und das miteinander verknüpfen“, beschreibt Johannes Gross den Zugang. Die Fähigkeit, Herkunft sensorisch einzuordnen, entwickelt sich schrittweise und basiert auf kontinuierlicher Auseinandersetzung. „Wir wollen Verständnis für unsere Weine erzeugen. Dass man Geschmack auf einen Ort übertragen kann. Dazu brauchen wir die Sommellerie“, so Gross.

Fazit: Die Sommeliertage verdeutlichen, dass fundiertes Weinwissen nicht isoliert entsteht, sondern im Zusammenspiel von Praxis, Austausch und Erfahrung. Für die JRE-Betriebe ist das ein wichtiger Baustein in der Ausbildung ihrer Mitarbeiter:innen. Für die STK-Winzer:innen bietet sich gleichzeitig die Möglichkeit, ihre Arbeit differenziert zu vermitteln und langfristig in der Gastronomie zu verankern. Außerdem zeigt die Veranstaltung, wie eng Weinbau und Service miteinander verbunden sind – und dass die Qualität dieser Verbindung entscheidend dafür ist, wie Wein letztlich beim Gast ankommt.
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Copyright: Rene Strasser
















































