Buchmayer: Lagenklassifikation auch für Naturweine

Buchmayer: Lagenklassifikation auch für Naturweine

„Warum soll es nicht möglich sein, Erste Lage Naturals zu produzieren?“, fragt Thomas Buchmayer in seinem Kommentar und fordert, den Kriterienkatalog zu überdenken.

Über die nationale Lagenklassifikation wird derzeit viel diskutiert. Doch das Thema geht an uns Naturweinwinzern vorbei. Das ist Diskriminierung. Denn wenn ich mir den Kriterienkatalog anschaue und ausblende, dass man mit dem „Nachhaltig Austria“-Siegel synthetische Spritzmittel ausbringen darf und trotzdem für eine Erste Lage qualifiziert ist, erfülle oder übertreffe ich alle anderen Voraussetzungen. Wir produzieren also nach den höchsten Kriterien, die möglich sind, und dennoch wird es uns verwehrt, unsere Herkunft auszuweisen, weil wir laut Weingesetz keine Qualitätsweine machen dürfen. Diese Bestimmungen gehören sofort beseitigt. Das ist kein Wunsch, sondern eine Forderung.

Terroir kommt aus dem Weingarten

Es ist eine Grundsatzentscheidung und jedem Betrieb selbst überlassen, wie er sich positionieren will. Aber wenn ich die Kriterien zur Lagenklassifikation lese, frage ich mich, was nachhaltiger und auf das Terroir bezogen die bessere Bewirtschaftungsform ist? Nach meiner Definition wird die Lage durch Boden, Rebe und Winzer bestimmt. Der Winzer hat die Aufgabe, durch seine Bewirtschaftungsmaßnahmen für einen lebendigen Boden im Weingarten zu sorgen, damit die für die Reben essentiellen Mineralien vorhanden sind. Das ist für mich Erste Lage. Denn wenn du das schaffst, bringst du Terroir zum Ausdruck. Dann schaffst du eine Eigenständigkeit.

Null Einfluss hat hingegen, ob die Lage geschichtliche Relevanz hat. Wenn ich die Lage schlecht bewirtschafte und synthetische Pflanzenschutzmittel und -dünger verwende, dann hat das meiner Ansicht nach nichts mit einer Ersten Lage zu tun. Daher sollte man überdenken, ob das in dieser Form der richtige Weg ist. Und ich rufe auch die Sommelerie auf zu hinterfragen, was wichtiger ist: ein ausreichend hohes Marketingbudget, um seinen Wein nach vorne zu pushen oder die Bewirtschaftung im Hintergrund?

Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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