Gross: Wir lassen uns das Tempo nicht aufzwingen

Gross: Wir lassen uns das Tempo nicht aufzwingen

Bei Martina und Johannes Gross gibt der Wein den Rhythmus vor, nicht der Markt. Der Weg dorthin war weit, die Auswirkungen enorm.

Als wir den Betrieb übernommen haben, haben wir uns überlegt: Was macht das Weingut Gross aus? Was wollen wir bewahren, was ändern? Schon damals war es uns wichtig, unserem Leben ein Tempo zu geben, dass wir selber wählen. Loszulassen von dem Gedanken, dass wir uns dieses Tempo von außen aufzwingen lassen müssen. Gerade in der Landwirtschaft gibt es etliche Vorgaben, wie Tempi zu sein haben. Der Rhythmus ist ein anderer, als in anderen Jobs und gerade das gefällt uns an der Landwirtschaft unglaublich gut. Vorausgesetzt, man richtet sich nicht nach Themen, die von außen vorgegeben sind wie der Zeitpunkt, wann was abgefüllt und am Markt zu sein hat. Das ist das Ergebnis der industriellen Revolution: Der Mensch hat genauso produktiv zu sein, wie eine Maschine. Wo bleibt denn da die Kreativität, wo bleiben die eigenen Bedürfnisse? Der Wein hat es uns ermöglicht, aus diesem Hamsterrad rauszukommen.

Qualitätssprung

Wir geben dem Wein die Zeit, die er braucht – ohne du musst, du sollst, du kannst. Das ist ein Prozess, der in seinem eigenen Rhythmus läuft, weil die Weine einmal langsamer, einmal schneller werden. Aber sie werden so, wie wir das wollen, nämlich zu Weinen mit möglichst hoher Natürlichkeit, ohne Prozessbeschleuniger, ohne Standardisierung. Der Weg dorthin war schwierig und komplex, aber jetzt merken wir, wie groß die Auswirkungen sind. Welchen Sprung die Weine in der Qualität gemacht haben. Wie wir nach und nach zurückkommen zu unseren Herzparzellen, die mit der Zeit am besten klarkommen und die Lage am deutlichsten zum Ausdruck bringen.

Der steirische Wein ist ein Erfolgsmodell, zu dem unser Weingut maßgeblich beigetragen hat. Doch der Erfolg hat auch dazu geführt, dass der Konsument den Wein in einen derart engen Rahmen gestellt hat, dass jegliche Freiheit verloren gegangen ist. Wir hatten keine Not, unseren Weg zu ändern. Vielmehr haben wir uns gefragt: Wie können wir wieder Herr über unsere Zeit werden, wie unseren Tag, unser Arbeitsleben selbst organisieren? Wir haben unsere Antwort gefunden.

Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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