Hopibauern: Raus aus dem Marktdruck

Hopibauern: Raus aus dem Marktdruck

Heiko Grohmann sieht die Naturwein-Revolution im Sand verlaufen. Man sei aufgestanden, um es anders zu machen. Aber: Warum beugt sich die Szene nun zusehends der Industrie?

Wir Naturweinwinzer und -winzerinnen haben einen Auftrag: Wir wollen zeigen, wie wir als Bauern ein hochwertiges und gesundes Produkt erzeugen und gleichzeitig ein gutes Leben leben können. Gut, nicht im Sinne von wohlhabend, sondern im Sinne von sinnstiftend und trotzdem stressfrei. Doch der Preisdruck und -kampf sind zu groß, im Inland wie im Export, auch für uns. Anstatt das Kollektiv und den Preis hochzuhalten, sind viele in der Szene von der Industrie und der Marktwirtschaft getrieben. Anstatt der eigenen Prinzipien gilt billiger, schneller, mehr. Die Gastronomie und der Handel sind davon nicht ausgenommen. Statt das Angebot in den Weinkarten und Regalen immer weiter und weiter auszudehnen, wäre es meiner Ansicht nach besser, sich über Kundenbindung Gedanken zu machen, sprich über einen direkten, engen Kontakt zu seinen Produzentinnen und Produzenten. Wein sollte mit Inbrunst, Leidenschaft und Liebe verkauft werden. Mir ist klar, dass jeder seinen Druck hat – aber wir gehen die falschen Wege.

Verbindungen schaffen

Landwirtschaft und Genuss prägen unsere Kultur, darum sehe ich Landwirtschaft als Kulturimpuls. Ich bin überzeugt, dass es da draußen eine Bubble junger Leute gibt, die bewusst ein gutes Leben leben wollen, die bewusst gute Lebensmittel kaufen wollen. Diese Bubble will ich zukünftig im Rahmen von Kulturevents ansprechen. Ich will sie sichtbar machen, ihr einen Raum geben und sie mit anderen Kunstformen wie Musik und darstellender Kunst verbinden. Und ich rufe jene Bäuerinnen und Bauern auf, die diese Kultur ebenfalls und wahrhaftig leben, und nicht der Industrie verfallen sind, sich mir anzuschließen, um eine Veränderung anzustoßen. Alleine schaffen wir es nicht, keiner von uns. Aber gemeinsam können wir unsere Lebenskultur zu Leuten bringen, die unser Handeln gutheißen, die es wertschätzen. Wir müssen diesen Leuten die Navigation erleichtern und sichtbar da sein. Wir müssen ihnen eine Alternative zur konventionellen und industriellen Landwirtschaft bieten. Wir Kulturbauern können das: Wir können uns gemeinsam alle in ein gutes Leben bringen.

Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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