Kobatl: PIWIs sind nicht gemacht für „fast wine“

Kobatl: PIWIs sind nicht gemacht für „fast wine“

Mike Gangl lehnt den Vergleich von konventionellen Rebsorten mit PIWIs strikt ab. Letztere sollten sowohl in der Produktion als auch in der Vermarktung eigenständig behandelt werden.

PIWIs werden immer häufiger ausgepflanzt. Was ich jedoch schade finde, ist, dass mit diesen Sorten umgegangen wird, als hätte es sie schon immer gegeben; als wären es konventionelle Sorten. Doch gerade bei PIWIs darf man das Thema Zeit nicht aus den Augen lassen. Man muss seinen kapitalistischen Instinkt weglassen und sich mit PIWIs bewusst auseinandersetzen. Viele der Sorten sind extrem gerbstoffreich. Gehe ich mit Schönungsmittel rein, nehme ich ihnen die Substanz. Verwende ich Reinzuchthefen, können aromatische Sorten künstlich wirken. Stattdessen zeigt sich, dass den PIWIs Methoden der traditionellen Weinbereitung guttun: Mostoxidation, Spontangärung – und eben Zeit.

Nicht vergleichen

Auch die Verkostungen und Preise für PIWIs nehmen zu. Manchmal geht es schon fast in Richtung Landesweinbewertung. Die Krux bei der Sache: Es werden Kriterien vorgegeben, wie die Weine zu schmecken haben. Weinbauern, die mit PIWIs arbeiten, werden dadurch gedrängt, den Wein geschmacklich an Sachen anzulehnen, die man kennt, beispielsweise Muscaris an Muskateller. Mir kommt vor, dass Österreich in diesen Belangen streng konservativ ist. Was man nicht kennt, wird auch nicht gekauft. Wenn man allerdings genau darüber nachdenkt, trinken wir mit französischem oder italienischem Wein oft genug Rebsorten, die wir nicht kennen; das schreckt uns doch auch nicht ab. In dem Fall ist die Herkunft offenbar wichtiger. Wir arbeiten mit Fantasienamen, das nimmt den Kunden oft die Hemmschwelle. Dass es sich um PIWIs handelt, erklären wir erst beim zweiten Schluck. Da hat der Kunde aber schon entschieden, schmeckt oder schmeckt nicht – und nur darum geht es.

Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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