Loimer: Herkunft ist die einzige Konstante

Loimer: Herkunft ist die einzige Konstante

Rebsorten und Ausbaustile kommen und gehen, doch der Boden bleibt, schreibt Fred Loimer, der im Herkunftsmarketing eine große Chance und Zukunft sieht.

„Bacchus amat colles“, Bacchus liebt die Hügel, das wussten bereits die alten Römer. Seit Jahrhunderten arbeiten Weinbäuerinnen und Weinbauern nach einem System, das die Lage in den Mittelpunkt stellt, und es ist unbestritten, dass es für Wein bessere und weniger gute Plätze gibt. Das hat weniger mit den Klimaveränderungen zu tun, als vielmehr mit dem Boden auf dem der Weingarten wächst. Welche Sorte gedeiht hier am besten? Die Antwort auf diese Frage wird sich in Zukunft womöglich mancherorts ändern. Ich halte es daher für richtig, in der aktuellen Lagendiskussion die Herkunft erneut in den Mittelpunkt zu rücken. Denn sie ist es, die Bestand hat. Stil und Geschmack eines Weines sind dem Zeitgeist unterworfen. Wir erinnern uns: Es gab Phasen, da waren die Weine sehr holzig, dann wieder süßer, dann trockener. Das sollten wir bedenken, bevor wir den heutigen Status als den einzig richten darstellen; bevor wir den Wein nach Stil vermarkten, oder nach Sorte. Denn das Klima wird die Sorte treffen, nicht die Herkunft.

Beständigkeit

Mir ist klar, dass ein Herkunftssystem nicht demokratisch ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass Lagen unterschiedlich verteilt sind. Doch es ist wichtig, ein Herkunftssystem so aufzubauen, dass die Spitze rar ist. Nicht, um für erste Lagen und ihre Weine teures Geld zu verlangen, das ist mit dem Markt, mit der Realität, nicht kompatibel. Sondern um die Basisweine, die Gebietsweine, besser verkaufen zu können, als es im Moment der Fall ist. Dafür braucht es die Spitze. Ein Weinbaugebiet ohne Spitze wird für die Basis keine höheren Preise abrufen können. Dabei wäre das gerade in Österreich, wo das Preisniveau für viele Betriebe nicht rentabel ist, notwendig.

Wir sind in der aktuellen Diskussion gefordert, alle mit ins Boot zu holen; auch diejenigen, die keinen Mainstream verfolgen. Gemeinsam sollte es möglich sein, Herkunft und ein entsprechendes Vermarktungssystem ernsthaft zu diskutieren – und das ohne große Emotion.

*Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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