Prieler: Zeit der plakativen Weine ist vorbei

Prieler: Zeit der plakativen Weine ist vorbei

Georg Prieler fordert in seinem KALK&KEGEL-Kommentar mehr delikate anstatt plakativer Weine: „Das Augenmerk muss auf Struktur liegen.“

Wie viel Struktur braucht ein Wein? Für mich muss ein Wein Länge bis zum Schluss haben; ohne aufdringlich oder sättigend zu sein. Gerbstoffe spielen dabei eine wichtige Rolle, vor allem bei uns im Burgenland. Maischestandzeiten sind in unserer Region zur Selbstverständlichkeit geworden, auch bei Weißwein, der bis dato immer frisch und knackig sein musste. Gerbstoffe ersetzen die Säure, bringen Frische und geben dem Wein Wertigkeit. Sie schaffen es, die Herkunft noch ein Stück mehr herauszukitzeln. Voraussetzung sind reife Schalen – und dass man mit Gerbstoff vertraut ist.

Vielzahl an Aromen

Neutrale Sorten wie Weißburgunder und Neuburger sind für Maischestandzeiten besser geeignet. Generell braucht es ein gewisses Rebenalter. Ich vergleiche Rebstöcke gerne mit Menschen: Je älter sie sind, desto erfahrener sind sie, desto tiefer gehen die Gespräche. Sie kennen ihre Herkunft und wissen, wo ihre Talente liegen. Außerdem muss man den Weinen Zeit geben. Unser Leithaberg Pinot Blanc Alte Reben 2021 wurde nach zweitägiger Maischestandzeit abgepresst und im Edelstahltank vergoren. Danach habe ich zwei Drittel in Stückfässer und größere Fässer und ein Drittel in die Tonamphore gezogen, in denen der Wein reifen und eine konzentrierte und saftige Textur aufbauen konnte. Ein wunderbares Beispiel für einen delikaten, harmonischen Wein!

*Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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