Triebaumer: Warum wir unser Schönheitsideal anpassen müssen

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Triebaumer: Warum wir unser Schönheitsideal anpassen müssen

Monokultur ist Gerhard Triebaumer seit jeher ein Dorn im Auge. Was Landschaftsästhetik und Artenreichtum miteinander verbindet, erklärt er in seinem Kommentar.

Artenreichtum bedingt Stabilität. Das ist ein Naturgesetz. Stabilität in einem biologischen Gefüge. Die Natur arbeitet mit einer hohen Biodiversität. Dadurch reguliert sie sich selbst. Der Mensch muss nicht eingreifen. Macht er aber. Österreich hat die höchste Pro-Kopf-Versiegelung in der EU und das Burgenland die höchste in Österreich. Wir bauen Bundesstraßen so breit wie Autobahnen. Böschungsbereiche werden dreimal im Jahr gemulcht, Wegrandbiotope zerstört. Bäume werden sukzessive gefällt und nicht nachgepflanzt. Photovoltaik-Anlagen werden statt dezentralisiert auf versiegelten Flächen auf tausenden Hektar Ackerflächen gebaut – und das in einer Zeit, in der wir vom Welthunger reden.

Wir müssen uns der Natur wieder zuwenden. Wir sind ein Teil von ihr. Das Schönheitsideal sollte nicht ein makelloser Asphalt sein, sondern ein alter, gepflasterter, wo zwischen den Steinen Königskerzen, Stockrosen und Lavendel wachsen. Begrünung ist der Grundstock. Bereits vor 20 Jahren haben wir damit begonnen, artenreiche Mischungen mit heimischen Pflanzen zu säen. Dadurch haben wir den Artenreichtum auf unseren Flächen massiv gesteigert. Jetzt setzen wir nach und nach Hecken und Bäume, um den sogenannten kleinen Wasserkreislauf – das Wechselspiel aus Pflanze, Verdunstung, Wolken, Regen – wiederherzustellen, um die Landschaft zu strukturieren und die einzelnen Biotope zu verbinden; ansonsten sind sie wie alleinstehende Oasen in einer Wüste, ohne Einfluss auf das Gesamtsystem.

Klimafit

Wir haben die Möglichkeit, ein wirklich zukunftsfähiges, enkeltaugliches System aufzubauen, in dem die Landwirtschaft ein zentraler Teil der Lösung ist. Unsere Böden müssen klimafit gemacht und der Artenreichtum gesteigert werden. Gerade ein Jahr wie das heurige muss uns ins Bewusstsein führen, dass wir nicht umhinkommen werden, ausgeräumte Landschaften zu regenerieren. Wir haben auf unseren Flächen längst damit begonnen; und es ist schön zu sehen, dass die ersten bereits nachziehen.

* Aufgezeichnet von Sonja Planeta