Zöller: Österreichs Weingesetz hat sich selbst überholt

Zöller: Österreichs Weingesetz hat sich selbst überholt

Die fortschreitende Uniformität im Weinbau stößt Alexander Zöller sauer auf. Wie sich der Kremstaler Winzer seine Individualität bewahrt, erklärt er auf KALK&KEGEL.

Unser Leben wird entindividualisiert. So ist derzeit zumindest meine Wahrnehmung. Alles und jeder geht weg von klein und individuell, weil die Gesetzgebung einen Riegel vorschiebt. Im Weinbau und in vielen anderen Branchen auch. Diese gemeinschaftliche Gesetzgebung ist anstrengend. Egal ob beim Thema Prüfnummer für Orangeweine oder der Lagenklassifizierung: Die Gesetze werden von einigen wenigen an einem Bürotisch aus gemacht, ohne jene dazuzuholen, die es tatsächlich betrifft.

Österreich hat das strengste Weingesetz der Welt. Es hat erreicht, was es erreichen sollte, denn dadurch haben wir in Österreich hochwertige Weine. Mittlerweile ist das Gesetz aber in vielen Bereichen nicht mehr zeitgemäß. In Wahrheit gehört es durchgestrichen und ein komplett neues aufgesetzt; eines, in dem alle Platz haben.

Alex Koblinger hat es bei einer Podiumsdiskussion auf den Punkt gebracht: Keinen interessiert die Prüfnummer. Viel spannender ist doch, woher der Wein kommt, welchen Boden, welche Lage und kleinklimatische Voraussetzungen mitspielen. Aber aktuell wird es immer schwieriger, die Wahrheit aufs Etikett zu schreiben. Ich will eine echte Herkunft auch kommunizieren dürfen und nicht jegliche Individualität hinter einem Markennamen verstecken müssen.

Glasinhalt zählt

Unsere Gesellschaft wird wie in unserem Beispiel des Weinbaus in ein Korsett gepresst das mit jeder Novelle ein wenig enger geschnürt wird. Individuelle Arbeitsweisen fallen durch immer engstirnigere Vorschriften durch den Rost. Großindustrielle Vorschriften sind in Kleinbetrieben nicht mehr kostendeckend umzusetzen, damit wird der Betrieb aufgegeben. Politik und Medien reden von Regionalität, der Stärkung von Klein- und Mittelbetrieben, während in Wahrheit das Weiterbestehen genau dieser Betriebe sehr schwer bis unmöglich gemacht wird.

Die Sommelerie kann den Individualisten helfen, indem sie auch kleinere Mengen auf die Karte nimmt. Mit dem Wissen, dass es nur ein paar Flaschen gibt und sie hoffentlich schon lange vor der nächsten Anpassung der Weinkarte ausgetrunken sind; nach dem Motto: Ist aus! War gut! Wir freuen uns auf den nächsten.

Ich habe wenig auf die Lehrmeinung zum Stand der Technik in Weinbau und Kellerwirtschaft gegeben und deshalb viele Experimente am Laufen. Nicht alles geht gut, aber ich will dennoch alles ausprobieren. Es gibt nicht die eine Lösung, die für alles passt. Viele Entscheidungen werden nach Bauchgefühl und tagesaktuellem Kostvermögen getroffen. Die sind mal richtig, mal falsch. Diese Individualität will ich mir bewahren. Ich will mein Ding machen, und das schaut jedes Jahr ein bisschen anders aus. Uniformität gibt es bei mir nicht. Nicht im Weingarten, nicht im Keller, nicht im Geschmack.

*Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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