Michlits: Mehr Mut zur individuellen Freiheit

Michlits: Mehr Mut zur individuellen Freiheit

Weder wir, noch die Natur können wirklich selbst sein. Regelwerke hemmen uns in der Freiheit und in der Entwicklung. Es braucht daher mehr Bewusstseinsbildung – auf vielen Ebenen. 

Ich weiß, dass ich als Einzelner Verantwortung trage und ich weiß auch, dass ich als Einzelner vieles bewirken kann. Dieses Gefühl ist leider allgemein abhanden gekommen, beim Menschen und in der Natur. Anstatt rein technischer Wissensvermittlung sollte daher auch ethisch-moralisches Denken gelehrt werden. So kann ich mich selbst als Individuum entwickeln und so kann ich auch der Natur helfen, wieder ganz selbst zu werden. 

Im vergangenen Jahrhundert ist die Natur abgestumpft, auch der Weinbau ist erkrankt. Der Weingarten ist kein Garten mehr, sondern eine Monokultur. Weinstöcke stehen oft gestriegelt in Reih’ und Glied, ohne jeglichen Austausch mit anderen Pflanzen und Tieren. Da diese Kommunikation für eine gesunde Natur jedoch wichtig ist, setzen wir am Hof bewusst Maßnahmen, sie wieder herzustellen. Unser Graupert-Weingarten ist ein Beispiel für den „Nicht-Schnitt“: Hier wachsen Grauburgunder-Reben in kompletter Freiheit, dem Urtrieb der rankenden Reben folgend. Durch völlig freien Stoffwechsel regelt die Pflanze ihren Ertrag selbst. Es entstehen aromatische, extraktreiche und komplexe Weine. 

Ein anderes Beispiel sind unsere Ökoinseln, die wir mitten im Weingarten geschaffen haben: Unterschiedliche Obstbäume bilden die Zentren jeder Insel, ergänzt werden sie von mehreren hundert Gehölzen, Sträuchern, Kräutern, Gemüse, Blumen, etc. Darüber freuen sich besonders die zahlreichen Vögel, Insekten und Kleintiere, die sich hier mittlerweile eingefunden haben. Endlich wieder ein richtiger Garten! 

Das macht auch uns Freude und das macht auch uns gesünder. Traut euch und nehmt eure Verantwortung wahr!  

* Aufgezeichnet von unserer Autorin Judith Mehofer