Coburg-Chef: Auch die Prunkräume werden neu bespielt

Palais Coburg Resident Manager Jochen Manninger. Tony Gigov

Das Palais Coburg erlebt den größten Umbau seit seiner Eröffnung als Luxushotel im Jahr 2003. Resident Manager Jochen Manninger über eine einzigartige Guest Journey, die Suche des Gastes nach dem Außergewöhnlichen und die zunehmende Reiselust der BRICS-Staaten.

Seit Anfang 2025 wird im Palais Coburg umgebaut; was wird neu?
JOCHEN MANNINGER: Ursprünglich haben wir mit der Renovierung unserer Suiten begonnen. Seit 2003 hat sich in der Luxushotellerie viel getan und es war notwendig, den Standard neu zu definieren. Die Suiten werden state-of-the-art: modern, zeitlos, stilvoll und praktisch durchdesignt. Im Laufe des Umbaus haben wir entschieden, zusätzlich die Guest Journey anzupassen – also adaptieren wir die Prunkräume. Es entsteht ein neuer Fitnessbereich, eine neue, 700 Quadratmeter große Suite on top des Palais und eine renovierte Fassade. Insgesamt investieren wir viel, um die luxury experience für den Gast noch mehr in den Vordergrund zu stellen.

Was genau passiert mit den Suiten?
JOCHEN MANNINGER: Bei der Eröffnung waren viele Suiten auf Langzeitgäste ausgelegt, alle mit volleingerichteten Küchen. Heute wünschen sich unsere Gäste großzügige Wohnbereiche, nicht unbedingt mehr eine Küche. Daher passen wir die Ausstattung entsprechend an. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Palais Coburg liegt übrigens bei 3,2 Nächten. Die Neugestaltung der Suiten ist auch eine bewusste Entscheidung, neue Gästesegmente zu gewinnen – Reisende, die noch stärker Wert auf zeitgemäßen Komfort und Großzügigkeit legen.

Der Hotelgast war von den historischen Prunkräumen wie dem Spiegelsaal bislang ausgeschlossen. Das ändert sich mit der neuen Guest Journey. Palais Coburg

Geht die Nachfrage nach Residenzen generell zurück?
JOCHEN MANNINGER: Ich beobachte, dass Hotels wieder vermehrt zu kleinen Kitchenettes zurückkommen. Aber in unserem Segment ist das nicht angestrebt. Mit unseren beiden Restaurants – dem 2-Hauben-Restaurant Clementine im Glashaus und dem 2-Sterne- und 5-Hauben-Gourmetrestaurant Silvio Nickol –, aber auch mit unserem Weinkeller mit fast 60.000 Flaschen sprechen wir eine andere Zielgruppe an. Der Gast, der bei uns wohnt, ist keiner, der selber kocht – er will genießen.

Du hast eingangs die Guest Journey erwähnt…
JOCHEN MANNINGER: Der Hotelgast war von den historischen Prunkräumen bislang ausgeschlossen: vom Spiegelsaal mit seinen Stuckmarmorsäulen, dem gelben Salon mit seinen Seidentapeten, dem blauen Salon mit seinem offenen Kamin. Diese Bereiche waren nur für Konferenz- und Eventgäste zugänglich. Eigentlich sollte das der Hotelgast erleben. Deshalb gehen wir weg von einem Hotel mit eigener Eventlocation und werden zu einem Hotel mit Luxusaufenthaltsräumen für unsere Hotelgäste – und die Events rücken in den Hintergrund. Das ist die größte Veränderung, die das Palais Coburg durchmacht. Der Hotelgast wird sein Frühstück in Zukunft nicht mehr in der Clementine einnehmen, sondern im gelben Salon oder im Spiegelsaal. Der blaue Salon wird zum Aufenthaltsraum. Guest Relations und die Hotellounge übersiedeln ebenfalls in die Prunkräume. Der Hotelgast erlebt das eigentliche Herz des Palais. Das ist eine Einzigartigkeit, die kein anderes Hotel in Wien bietet.

Der Weinkeller des Palais Coburg ist mit fast 60.000 Flaschen eine Brand für sich. Palais Coburg

Mit welchem Anspruch reist der Luxusgast von heute?
JOCHEN MANNINGER: Der Gast, egal ob in einem Luxushotel oder in einem Dreisternehaus, sucht das Außergewöhnliche. Er will etwas erleben. Das schaffe ich durch Details und indem ich mich mit dem Gast auseinandersetze. In unserem Segment ist Service das Wichtigste: kontinuierlich zu erkennen, was der Gast möchte, noch bevor er es ausspricht. Du musst das Unmögliche möglich machen. Und wenn es unmöglich ist, gibt es eine Alternative. Aber es gibt kein Nein. Das ist Luxushotellerie und das, was mir persönlich so viel Spaß macht: diese daily challenges.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit im Luxussegment?
JOCHEN MANNINGER: Extrem wichtig. Die Gäste verlangen es. Bist du nachhaltig zertifiziert, hast du auch bessere Chancen, weitere Gästegruppen anzusprechen. Früher wurde oft behauptet, dass Luxus und Nachhaltigkeit nur schwer zusammengehen, aber man kann und muss seinen Beitrag leisten. The Leading Hotels of the World sind dahingehend Vorreiter. Bis 2026 müssen wir als Mitglied Umwelt-zertifiziert sein. Darum arbeiten wir daran, bis zur Wiedereröffnung im Frühjahr 2026 das österreichische Umweltzeichen zu erhalten.

Die Gastronomie war im Palais Coburg immer ein wichtiger Kennwert. Silvio Nickol (2 Sterne, 5 Hauben) ist in dem Sinn auch ein Magnet, der dem Hotel sehr guttut. Lukas Kirchgasser

Man hört von Teuerungen und sparsamen Gästen, gleichzeitig nimmt der weltweite Luxushotel-Boom kein Ende. Wie lässt sich das erklären?
JOCHEN MANNINGER: Der Gast im Luxussegment ist weniger preisempfindlich. Das siehst du auch an der Nachfrage in Wien: Mitbewerber bauen um und neue kommen hinzu. Davon abgesehen glaube ich, dass Luxus etwas ist, dass man sich in Zukunft bewusst leisten möchte. Dass man beispielsweise von 14 Tagen Urlaub zehn Tage in einem Mittelklassehotel eincheckt, und vier Tage in einem Luxushotel – dort möchte ich dann aber auch, dass mir jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird.

Merkst du Veränderungen in der Gästestruktur?
JOCHEN MANNINGER: Der amerikanische Markt gilt nach wie vor als der wichtigste Markt in der Luxusindustrie, es ist aber schwer einzuschätzen, ob er politisch und wirtschaftlich stabil bleibt. Kollegen berichten außerdem von Rücklaufen bei arabischen Gästen. Warum das so ist, müsste man untersuchen. Das ist vermutlich mehr eine Destinationsfrage, als etwas, das ich aus meiner Sicht als Hoteldirektor beantworten kann. Ein wachsender Markt sind die BRICS-Länder; auf sie sollten wir uns in Zukunft stärker fokussieren. Wien als Destination ist sehr reizvoll: Wir sind weltweit als Kongress- und Kulturstadt etabliert. Wo Wien hingegen noch Nachholbedarf hat, sind Sportveranstaltungen und Konzerte-Tourismus. Andere europäische Städte wie London und Prag bauen riesige Veranstaltungshallen und sind hier sicherlich auf dem Vormarsch.

Die Speisekarte in der Clementine wird erwachsen werden – so formuliert es Küchenchef Fabian Philler. Palais Coburg

Die Gastronomie spielt im Palais Coburg eine große Rolle. Wie sehr hilft sie euch, Gäste anzusprechen und euch von anderen Häusern abzuheben?
JOCHEN MANNINGER: Die Gastronomie war immer ein wichtiger Kennwert bei uns im Hotel. Silvio Nickol ist in dem Sinn auch ein Magnet, der dem Hotel sehr guttut. Wer mir noch fehlt, ist der Wiener Gast. In seine Richtung müssen wir uns wieder mehr öffnen. Wir sind ein Wiener Haus und der Wiener Gast ist für uns sehr wichtig. Diese Mentalität müssen wir nach außen bringen. Brauche ich dazu ein Kaffeehaus? Nein. Davon gibt es in Wien genug. Wir haben die Clementine, Silvio Nickol und ein Weinarchiv – allesamt für sich schon eigene Brands. Deshalb rücken wir den Wine Connaisseur in Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt.

Wird sich die Küchenlinie ändern?
JOCHEN MANNINGER: Die Speisekarte in der Clementine wird erwachsen werden – so formuliert es Küchenchef Fabian Philler. Die französischen Anklänge und österreichischen Einflüsse bleiben. Was wir stärker forcieren wollen, ist der Tableside-Service – als weiteres Erlebnis für den Gast.