Prieler: Was den Rebschnitt so wichtig macht

Prieler: Was den Rebschnitt so wichtig macht

Für Georg Prieler ist jeder Stock ein Individuum, das es sich verdient hat, entsprechend behandelt zu werden. Warum der Rebschnitt hier eine wichtige Rolle spielt – auch im Hinblick auf den Klimawandel – verrät er in seinem Kommentar.

Unsere Grundsätze sind bekannt: keine Cuvées, sondern nur die reine Riede. Für uns ist primär nicht Kellerarbeit entscheidend – da soll der Wein nur reifen – sondern die Landwirtschaft, also der Rebschnitt. Auf jede Lage, aber auch innerhalb jeder Lage wird er Rebschnitt angepasst. Das möchte ich kurz erklären: Wir bevorzugen den sanften Rebschnitt, wundarmen Rebschnitt, wo so wenige Pilzerkrankungen und Schadstoffe eindringen wie möglich. Dadurch ergibt sich andererseits eine natürliche Ertragsminimierung. Für mich ist jeder einzelne Stock ein Individuum. Die schwachen stärke ich, die starken gleiche ich aus.

Prinzipiell gibt es den Rebschnitt mit Zapfenstrecker System, einen reinen Zapfenschnitt, oder zwei kurze Strecker. Je nach Rebe und Lage kann sich dieser Schnitt auch innerhalb der jeweiligen Lage ändern. Nicht nur die Einzellage ist also zu beachten, sondern die einzelnen Stöcke. Ist zum Beispiel die Rebe sehr kräftig, wenden wir den Zapfenrebschnitt (immer auf dem Altholz) an. Das bringt mehr Gleichgewicht. Beim Strecker nimmt man immer junges Holz. Wenn die Rebe schwach wächst, schneide ich nur fünf statt zehn Augen. Dann kann sie wieder Kraft entwickeln. Besonders wichtig ist das, wenn es wie bei uns immer trockener wird. Zwei kurze Stecker bieten sich an, wenn die Rebsorte dazu tendiert, dass viele Augen ausfallen, wie es manchmal beim Weißburgunder der Fall ist.

Diese Art des Rebschnitts ist auch ein Vorspiel auf den Klimawandel und das Wetter der Zukunft. Das alte System lautete: viele Trauben, dann schneidet man weg. Heute nehme ich von Haus aus weniger Trauben. Das ist natürlich riskant. Beim Rebschnitt denkt man nämlich nicht nur an das nächste Jahr, sondern viele Jahre voraus. 

Fazit: jede Lage, jeder Stock ist einzeln zu beachten, um ein Gleichgewicht im Wein zu schaffen. Dafür stehen wir mit unserem Stil.

*Aufgezeichnet von unserem Autor Marko Locatin