Dealer des Vertrauens

Dealer des Vertrauens

Philipp Schäffer-Veith: Bevor wir mit einem Winzer oder einer Winzerin eine Partnerschaft eingehen, geht oft jahrelanges Verkosten und Kennenlernen voraus. Redaktion

Er beliefert die österreichische Kulinarikszene mit Spitzenweingütern, seine Partner in der Gastronomie sind handverlesen, so etwas wie eine Preisliste gibt es nicht. Wer ist der Weinhändler Philipp Schäffer-Veith?

„Du bist falsch bei mir. Du meinst sicher den anderen Muster.“ Philipp- Schäffer-Veith aber war genau richtig. Am Schloßberg über dem südsteirischen Gamlitz klopfte er an einem Nachmittag im Frühling bei Sepp Muster an. Muster war damals noch ein Nobody in der Weinwelt, eher sogar verlacht bei den Kollegen, denn geschätzt – oder gar gefeiert, so wie es heute der Fall ist. Schäffer-Veith hatte wenige Wochen zuvor Musters Sauvignon Blanc Gräfin getrunken.

Wein hat mich berührt

„Dieser Wein hat mich nachhaltig berührt und ich wollte unbedingt den Winzer dazu kennenlernen“, erinnert er sich. Skeptisch nahm Muster den jungen Grazer Weinhändler – dieser war gerade in 4. Generation in das Business seiner Mutter eingestiegen – in den Keller mit und verkostete mit ihm. „Die Weine waren fantastisch und Sepps Philosophie rund um Natur und Biodynamik beeindruckend. Mit diesem Winzer wollte ich unbedingt zusammenarbeiten.“ Eine Liaison, die sich für beide als zukunftsweisend herausstellen sollte.

Philipp Schäffer mit Florence Lamy und Sébastien Caillat bei einer exklusiven KALK&LKEGEL Verkostung 2023 bei Konstantin Filippou (im Bild mit Manuela Filippou). Rainer Fehringer

Sepp Muster zählt heute zu den internationalen Wein-Superstars und der junge Schäffer-Veith ist gereift zu einem der angesehensten Weinhändler im deutschsprachigen Raum. Sein Portfolio umfasst an die 50 handverlesene Winzerinnen und Winzer – die meisten aus Frankreich gefolgt von Österreich, Italien, Deutschland, Spanien und Slowenien. Darunter klingende Namen wie Arnaud und Benoît Ente, Lamy-Caillat, Ulysse Collin, Bernard-Bonin, Jacques-Frédéric Mugnier oder auch Julian Haart oder Andreas Tscheppe.

Weltstars

Die ganze Welt lechzt nach ihren Weinen und wer in der österreichischen Gastronomie an diesen Stoff will, der kommt an Philipp Schäffer-Veith eigentlich nicht vorbei. Denn viele der Ausnahmewinzer vertrauen dem steirischen Weinhändler exklusiv ihre Österreich-Vertretung an. „Diese Partnerschaften beruhen auf Vertrauen und auf absoluter Qualitätsarbeit“, erklärt er. Ein Vertrauen, das sich der ausgebildete Weinakademiker (2011 war er einer der jüngsten Absolventen in der Geschichte der Akademie) natürlich erst erarbeiten musste.

„Heute kennt jeder die Winzer in unserem Portfolio. Viele haben wir aber zu einer Zeit aufgenommen, in der sie noch Geheimtipps gewesen sind. Wenn überhaupt.“ Nicht selten braucht es eine jahrelange Vorarbeit, um an die begehrten Zuteilungen zu kommen. Zu Beginn sind das manchmal gerade einmal ein paar Kisten. Schäffer-Veith: „Wir besuchen die Winzer regelmäßig. Die wollen uns kennenlernen und wir natürlich auch sie. Nur wenn wir sehen, wie die Winzer arbeiten und wenn auch gegenseitig ein gutes Gefühl entsteht, kommt es zu einer Zusammenarbeit.“

Mit Eric Rodez in der Champagne.

Dazu muss man die Hintergründe des Handels mit diesen raren Weinen verstehen: Die Winzer wollen ihre Weine an Plätzen sehen, wo es eine Passion für Weine aus höchstem Winzerhandwerk gibt. Möglichst sollen die Weine auch tatsächlich ausgeschenkt werden und nicht als gewinnbringende Aktie im Keller lagern. Schäffer-Veith garantiert den Winzern genau diesen Deal für Österreich. Zu seinen Kunden zählen die Sterne- und Haubenrestaurants der obersten Liga – aber nicht nur die. „Wir beliefern auch einfache Wirtshäuser, wenn wir wissen, dass die Weine dort verstanden und geschätzt werden.“ Spannend: Während Weine von Benoit Ente oder etwa von Lamy-Caillat am Sekundärmarkt (der für Endkunden) Preise im sogar vierstelligen Bereich erzielen, sind diese in der Gastronomie um einen Bruchteil zu bekommen.

So läuft der Deal

Die Preistreiberei wird geschickt durchbrochen. „Der Winzer verkauft an uns zu einem fairen Preis, wir verkaufen an den Gastronomen zu einem fairen Preis und dieser wiederum soll für seine Gäste einen fairen Preis kalkulieren. Nur so funktioniert es.“ Taucht einer dieser raren Weine, die an die Gastronomie verkauft wurden, etwa in einer Online-Auktion auf, so ist dies ein Grund, um Partnerschaften aufzulösen. Und da spielt es keine Rolle mit wie vielen Sternen oder Hauben sich ein Restaurant schmückt. „Deshalb wählen wir genau aus, mit welchen Gastronomen wir zusammen arbeiten. Wir kennen die Besitzer, kennen ihre Philosophie und kennen auch die Mitarbeiter. Diese Arbeit zählt zu unserem Handwerk.“ Wie die Winzer selbst, so will auch Schäffer-Veith mit seinem Unternehmen nicht zwangsläufig wachsen. „Meine Mutter, ein Freund als wertvoller Mitarbeiter und ich. So wird es auch in Zukunft bleiben. Unsere Arbeit lebt von Qualität und nicht von Masse.“

Mit dem deutschen Weltklassewinzern Nadine und Julian Haart. Michael Kink

So ist Philipp Schäffer-Veith auch der einzige Weinhändler Österreichs, der ohne eine Preisliste auskommt. „Weil es letztendlich keine Frage des Preises ist. Es geht um die Wertschätzung für das Kulturgut Wein und eben um Vertrauen.“ Die Sommelières und Sommeliers hören heute genau hin, wenn ihnen Schäffer-Veith eine Neuentdeckung vorstellt. Das war nicht immer so. „Der verkauft nur kaputte Weine, hat es geheißen als ich mit Sepp Muster begonnen habe. Es war ein langer und nicht immer einfacher Weg.“ Sepp Muster hatte dem jungen Weinhändler damals zunächst von einer Zusammenarbeit abgeraten. „Bist du dir bewusst, was du dir damit antust?“, hatte er Schäffer gefragt. Der war allerdings unbeirrt. Eine Überzeugung, die ihn bis heute antreibt.

0
    0
    Bestellung
    Der Warenkorb ist leer.zurück zum Shop