Schloss Litschau: Der Keiler bittet zum Tanz

Den Kreislauf verstehen und erleben, so nennen Amelie und Franziskus Seilern das Konzept ihrer kulinarischen Tänze. Jürgen Schmücking

Litschau, die nördlichste Stadt des Landes. Weiter hinauf geht es nicht mehr, dafür umso tiefer hinein in den Wald, in die Teiche. In den Wäldern rund ums Schloss wird getanzt. Kein Walzer, kein Boarischer. Diesmal der Keilertanz.

Geladen haben Amelie und Franziskus Seilern. Wer die beiden kennt, weiss, daß dieser Event anders ist, als andere. Seit 1763 bewirtschaftet die Familie die Wälder und Gewässer rund um Litschau, 2021 haben die beiden daraus die Marke Schloss Litschau geformt. Wild und Fisch, unverfälscht, ohne Zusatzstoffe, ohne doppelten Boden. Die Gastgeberrolle sitzt bei ihnen wie angegossen. Herzlich, unaufgeregt, mit feinem Gespür dafür, wann erklärt und wann eingeschenkt gehört.

Fleischermeister Florian Kreuzer zeigt, wie es geht und zerlegt den Keiler. Jürgen Schmücking

Der Keilertanz ist beides, Fest und Lehrstunde. Wusstet ihr etwa, dass ein Wildschwein fünfmal geprüft wird, ehe es in die Pfanne darf? Und zwar von fünf verschiedenen Personen. Vom weidgerechten Schuss bis zur letzten Beschau spannt sich eine Kette der Sorgfalt, die Franziskus Seilern mit der ruhigen Selbstverständlichkeit des Jägers erzählt (und die man als Jäger mit zustimmendem und stillem Wohlwollen quittiert). Den Kreislauf verstehen und erleben, so nennen die Seilerns das Konzept ihrer kulinarischen Tänze.

Nose to tail, vom Rücken bis zum Bauch, ohne falsche Scheu, mit der Wildbret andernorts zugedeckt wird. Jürgen Schmücking

Im Wald übernimmt die Küche. Alexander Thaler und sein Team vom Gasthaus Thaler in Großotten verarbeiten den Keiler zu einem spannenden Menü. Von der Keilerlebercreme mit Himbeeren über die glasierte Zunge mit Portwein-Kirsche und Estragon bis zur Krautroulade mit Gugumucks Schneckenragout und fermentiertem Knoblauch: Nose to tail, vom Rücken bis zum Bauch, ohne falsche Scheu, mit der Wildbret andernorts zugedeckt wird. Hier darf der Keiler schmecken, wonach er gelebt hat – nach Wald, nach Erde, nach Wild. Dazu schenkte Roland Velich vom Weingut Moric Blaufränkisch in allen Schattierungen ein, als Krönung den Jagini „Final Cut”, einen Verschnitt aus den Jahrgängen 2007 bis 2024. Und Kein & Low beweist Glas für Glas, dass auch die nüchterne Begleitung tanzen kann.

Roland Velich schenkte Blaufränkisch in allen Schattierungen ein. Jürgen Schmücking

Dazwischen wird gefragt, gefachsimpelt, gelacht. Die Tafel zum Tanzboden, die Gläser zu Taktgebern. Wer genau hinhört, lernt an so einem Nachmittag mehr über Wild als aus manchem Lehrbuch und genießt dabei auch noch prächtig. Geht das überhaupt, Wissen und Genuss in einem Aufwasch? Und wie das geht.

Wissen und Genuss? Hier tanzen beide zusammen. Jürgen Schmücking

Wer den Rhythmus einmal im Blut hat, kommt wieder. Die Gelegenheit folgt im September, wenn auf Schloss Litschau der Hirsch in den Mittelpunkt rückt: Hirschtanz, die königliche Disziplin unter den kulinarischen Tänzen. Man merke sich den Termin vor. Die Tanzschuhe dürfen daheimbleiben. Festes Schuhwerk genügt: 10. September 2026. Infos unter www.schlosslitschau.at.

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