Sie heben Riesling auf ein neues Level

Weinbau Deidesheim 23.07.2022 Weingut Seckinger Foto: Tilo Wiedensohler/camera4

Seckinger: Sie heben Riesling auf ein neues Level

Die Seckingers, das sind die beiden Oenologen und Geisenheim-Absolventen Jonas und Phillip, sowie der jüngste im Bunde, Lukas. Tilo Wiedensohler/camera4

Das Weingut Seckinger hat sich nach gerade einmal 10-jährigem Bestehen zu einem der Besten etabliert. Jung, innovativ und mit großer Affinität zur Avantgarde im Wein.

2012! Das ist das Jahr, von dem an deutscher Riesling neu gedacht werden muss. Gleichzeitig der Beginn eines Prozesses, sich der apodiktischen Ideologie eines Genres zu entledigen, diese zu evolvieren und somit die Katharsis des sogenannten Naturweins einzuläuten – zurück zur Klassik, einer progressiven Klassik auf unkonventionellen Wegen. Weine, die längst ihren Weg in die globale Spitzengastronomie gefunden haben, um dort einen nicht zu ignorierenden Stellenwert für sich zu beanspruchen.

Verantwortlich für dieses neue Denken zeichnen unter anderem maßgeblich die Gebrüder Seckinger vom gleichnamigen Familienweingut aus Niederkirchen, gelegen in der Pfalz, Deutschlands wohl aufstrebendster Weinbauregion inmitten des Mittelhaardt-Gebirges. Die Pfalz teilt sich im Wesentlichen grob umfasst in zwei Teile – zum einen in die nördlich gelegene Deutsche Weinstraße-Mittelhaardt, beginnend an der Grenzregion zu Rheinhessen. Namensgeberin ist die Haardt, ein knapp 700 Meter hohes Mittelgebirge am östlichen Rand des Pfälzer Waldes und zum anderen in die Südliche Weinstraße, endend an der Grenze zu Frankreich. Vornehmlich der nördliche Teil ist bekannt für seine Prestige-Lagen und renommierten Weingüter.

Visionär mit großer Expertise auf ein Ziel zustrebend. Tilo Wiedensohler/camera4

Zu einem dieser bedeutsamen Betriebe jener Region hat sich das Weingut Seckinger nach gerade einmal 10-jährigem Bestehen etabliert. Jung, innovativ und mit großer Affinität zur Avantgarde im Wein. Die Seckingers, das sind die beiden Oenologen und Geisenheim-Absolventen Jonas und Phillip, sowie der jüngste im Bunde, Lukas.  Nicht unwesentlich für deren Erfolg steht eine Idee, die leider vielen im Heute abhanden gekommen zu sein scheint: Dinge nicht einfach irgendwie laufen zu lassen, sondern sukzessive und visionär mit großer Expertise auf ein Ziel zustrebend, umzusetzen – Jahrgang für Jahrgang, Flasche für Flasche, bis die Zielvorgabe erreicht scheint. Dieses Ziel steht von Beginn an im Zentrum der Seckinger’schen Philosophie.

Getrieben vom Streben nach Qualität und einer genauen Vorstellung von der eigenen individuellen Stilistik im Wein, vornehmlich im Riesling, um präzise zu sein, denn dieser soll die Hauptrolle spielen im Schaffen der Seckingers.  Mit dem ersten Jahrgang 2012 begann eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte, angetrieben von Mastermind und Taktgeber Jonas mit besagter richtungsweisender und auch gelebter Idee von Weinbereitung. Im Fokus steht die ökologische Bewirtschaftung der Weingärten,  die unweigerlich mit der gewünschten Stilistik der eigenen Weine einhergeht. Seit 2018 biozertifiziert und nun in Umstellung auf Biodynamie, ohne sich jedoch bestimmten Ideologien anzudienen.

Dogmen

Im Keller setzen die Brüder weitgehend auf natürliche Weinbereitung, befreit von verkrampften Dogmen, dafür stehen Winzerhandwerk und der hohe Qualitätsanspruch stets im Fokus. Dem Zufall wird nichts überlassen, was schließlich einem finalen Kontrollverlust gleichkäme. Gearbeitet wird ohne technische oder önologische Hilfsmittel aus dem Chemiebaukasten. Die Weine werden, je nach Bedarf, direkt gepresst oder verbleiben zuvor einige Stunden in Kontakt mit den Schalen für strukturgebende Phenolik und Textur, werden im Anschluss spontan mit Hilfe eigener Hefen vergoren und im grossen und kleinen alten Holz ausgebaut, worin die Weine lange Zeit auf der Vollhefe ruhen. Filtriert wird, wenn nötig, sanft unter Zuhilfenahme eines Papierschichtfilters. Zur Stabilisierung gibt ma den fertigen Weine die notwendige Dosis Schwefel mit auf den Weg.

Die Zusammensetzung reicht von rotem, gelbem oder weißem Bundsandstein, Kalksteingeröll und Kalkmergel oder Löss bis hin zu Lehm und Kiesel. Tilo Wiedensohler/camera4

Das übergeordnete Thema ist natürlich der Riesling, auch wenn man ganz besonderes Augenmerk auf die beiden sehr jurassisch anmutenden Lagen-Chardonnay Linsenbusch und Kapellenberg richten sollte, ebenso auf den wahrlich exzellenten Weißburgunder (sic!) aus dem Paradiesgarten, so geht es dennoch primär um die Leitsorte Riesling. Bemerkenswerte Weine schon in der Einstiegslinie „Pure“, den Guts- und Ortsweinen, aber ganz besonders jenen aus den Ersten und Großen Lagen der Mittelhaard. Authentizität anstelle von trendigem Marketing, heute leider oft mehr Modeerscheinung denn Überzeugung. Gelebte Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit gegebenen Ressourcen sind elementare Bausteine dieser Idee. Zu einem davon zählt auch die akribische Rekultivierung der eigenen Weinberge, in der Mehrzahl Pfälzer Spitzenlagen. Rund um Deidesheim befinden sich die renommierten Ersten und Großen Lagen Herrgottsacker, Am Kirchenberg und Maushöhle, sowie die Grand Crus In der oberen Petershöhle, Kieselberg, Langenmorgen oder der mit Weißburgunder bestückte Paradiesgarten. Zu Ruppertsberg zählt die Erste Lage Reiterpfad oder Linsenbusch, um Königsbach gelegen findet sich der Ölberg. Eine Besonderheit stellt der Kapellenberg in Maikammer dar – die einzige in der Südpfalz gelegene Cru-Lage der Seckingers – ein Örtchen, das ein wenig an das französische Jura erinnert, mit Blick auf das historische Hambacher Schloß.

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Sämtliche Weinberge prägen dank ihren mannigfaltigen Bodenformationen massiv die Charaktere der jeweiligen Weine. Herkunft wird somit spür- und erlebbar gemacht. Die Zusammensetzung reicht von rotem, gelbem oder weißem Bundsandstein, Kalksteingeröll und Kalkmergel oder Löss bis hin zu Lehm und Kiesel. Häufig findet man auch Mischformationen diverser Unterlagen vor. Rieslinge, die sehnsüchtig mit der Klassik der großen Pfälzer Schule flirten, sich ihr hingeben, mit Herkunftscharakter, Finesse, Eleganz, Kraft und Tiefe beeindrucken, ihr avantgardistisches Streben mit eben jener Klassik vereinen, ohne dabei auch nur ein Fünkchen an Eigenständigkeit missen zu lassen. Weine, die für Lagentypizität und höchsten Anspruch an die Qualität im naturbelassenen Wein stehen. Herkunft auf die Spitze getrieben, jedoch völlig neu und singulär interpretiert. Jede einzelne Riede fein herausgestellt, fokussiert mit ganz besonderer Betonung der Böden und des Terroirs. Weine mit Handschrift, basierend auf besagter Idee, deren Ziel die Brüder Jahr für Jahr ein Stück weit näher kommen.

Progressive Klassik

Avantgarde, ohne jedoch gekünstelt anders sein zu wollen. Als progressive Klassik könnte man sie bezeichnen, stets die Tradition und das versierte Winzerhandwerk im Blick. Als ganz besonders auffälliges Merkmal dieser Weine wird deutlich, dass sich insbesondere die Rieslinge aus den Spitzenlagen stilistisch und mit einigen Jahren Flaschenreife sukzessive der Größe und Klasse jener des Weinguts Bürklin-Wolf annähern, dem Vorzeigebetrieb schlechthin, Vorreiter der biodynamischen Bewirtschaftung und Aushängeschild der Weinbauregion Pfalz. Denn sie nehmen ihren in der Juvenilität reduktiven, phenolischen und „natürlichen“ Charakter nahezu gänzlich zurück, um sich erst dann in ihrer ganzen Schönheit und Vollendung sehr klassisch im Glas zu präsentieren.

Wem das Glück zuteil wurde, jeweils eine der 125 Flaschen „In der oberen Petershöhle“ aus den Jahren 2012 und 2013, die anlässlich des 10-jährigen Beteiebsjubiläums zurückgelegt und aktuell streng limitiert released wurden, zu verkosten, wird unweigerlich umhin kommen, dieser Theorie beizupflichten. Zwei Weine für die Ewigkeit, noch längst nicht am Zenit angelangt, gekennzeichnet von purer Eleganz mit viel zartem Karamell, klitzekleiner Hauch von Bienenwachs und reifem Weinbergpfirsich in der Nase, fast samtig am Gaumen, saftig und frisch mit einer sehr fein eingewobenen Säureader und dezenter Adstringenz im Finish.

„In der oberen Petershöhle“ aus den Jahren 2012 und 2013 wurde anlässlich des 10-jährigen Beteiebsjubiläums zurückgelegt und sind aktuell streng limitiert. Tilo Wiedensohler/camera4

Wenn man Riesling als die deutsche Leitrebsorte begreift, die sie zweifelsohne ist und als jene, die dem deutschen Wein mit Fug und Recht zu weltweitem Ansehen und Ruhm verholfen hat, muss spätestens mit der aktuellen 2022er Kollektion zwingend der Name Seckinger fallen, als Protagonisten im Wein, die sich von alten Normen und Zwängen befreit, aber sich nicht in das hippe Korsett sogenannter Naturals schnüren ließen, sondern sich und diese Rebsorte vollumfänglich eigenständig definiert und auf ein gänzlich neues Level gehoben haben.

www.seckinger-weine.de

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