Sommelière des Jahres: So ist die Arbeit in der Männerdomäne

Falstaff/Ian Ehm

Wichtig sind Mentoren und Vorbilder

Ganz ehrlich habe ich mir davor nie die großen Gedanken darüber gemacht: Ist es etwas Besonderes als Frau in einem Beruf Karriere zu machen, der als Männerdomäne wahrgenommen wird? Seit dem Moment, als mich das Magazin Falstaff zu Österreichs „Sommelière des Jahres“ ausgezeichnet hat, fragten mich das aber immer mehr Menschen. Hier mein Versuch eine Antwort zu geben.

Den Beruf habe ich gewählt, weil ich gern mit Menschen in Berührung komme. Ich mag den Austausch und ich liebe die Rolle als Gastgeberin. Die Leidenschaft zum Wein ist schon früh dazu gekommen. Egal ob Frau oder Mann – in jungen Jahren ist es gerade in diesem Beruf wichtig, einen Mentor zu haben, jemanden, der einen fordert und fördert. Bei mir war das Natalie Lumpp im Hotel Bareiss in Schwarzwald.

Wenn sie über Wein gesprochen hat, dann hatte man immer Bilder im Kopf und wollte mehr und mehr wissen. Sie eröffnete uns eine neue, spannende Welt. Im Bareiss umfasste die Weinkarte damals mehr als 1000 Positionen. Natalie übertrug uns viel Verantwortung, wir lernten und durften immer wieder mitverkosten. Das hat mich geprägt und diese Kompetenz als Führungskraft versuche ich auch meinen MitarbeiterInnen weiterzugeben.

Paula Bosch und Natalie Lumpp haben den Weg für Frauen in diesen Beruf geebnet

Es waren Frauen wie Paula Bosch oder eben Natalie Lumpp, die den Weg ebneten und der Sommelerie auch ein weibliches Gesicht gaben. Denn im Service mangelte es ja nie an weiblichen Kräften. Vorbilder und Leuchttürme in beiden Geschlechterrollen zu haben, ist sicher wichtig und kann ein Ansporn sein für Mädchen, die den Beruf in der Gastro ergreifen wollen.

Was mir aber schon auffällt: Als Frau muss man sich in diesem Beruf vielleicht manchmal etwas zurücknehmen, was den Auftritt gegenüber dem Gast betrifft. Ein selbstsicheres Auftreten wird uns schon mal als arrogant ausgelegt. Da ist Diplomatie und Einfühlungsvermögen gefragt.

Aber ich denke, der Weg heute ist frei für Sommelières. Die Grundregeln für einen Aufstieg in diesem Beruf sind nämlich für beide Geschlechter dieselben: Leidenschaft, Wissensdurst und ein Gespür für die Bedürfnisse der Gäste.

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