Simone Andreoli: Eine gute Weinbeschreibung lebt vom Storytelling

Der Gast liebt Geschichten. Also hören wir auf, ihn mit technischen Daten zu langweilen. Wein ist Emotion – präsentieren wir ihn auch so, fordert Simone Andreoli vom Sternerestaurant Pramerl & the Wolf in Wien.
Für mich ist Storytelling kein nettes Add-on, sondern der Kern dessen, was wir tun. Ein Wein wirkt anders, wenn man weiß, wer dahintersteht. Wenn man versteht, wie der Winzer, die Winzerin arbeitet, wofür er oder sie brennt und warum dieser Wein genau so schmeckt. Nur technische Daten runterzubeten berührt niemanden.
Große Etiketten sind oft groß geworden, weil viel Investition und Business dahintersteckt. Manche aber auch, weil sie echte Geschichten haben. Und genau dort setze ich an: bei den Menschen. Bei kleinen Winzer:innen genauso wie bei großen Betrieben, die vielleicht viel Fläche haben, aber trotzdem mit Haltung, biologisch oder biodynamisch arbeiten und großartige Qualität liefern. Ein Glas Wein soll die gleiche Emotion auslösen wie das Gericht dazu. Erst dann entsteht eine echte Experience. Essen, Wein und Geschichte gehören zusammen. Wenn ich einem Gast nur sage: „Dieser Wein passt gut dazu“, bleibt nichts hängen. Wenn ich ihm erzähle, wie ich das erste Mal im Keller stand, den Wein direkt aus dem Fass probiert habe, den Menschen kennengelernt habe – dann passiert etwas. Dann wird aus Wein ein Erlebnis.
Leidenschaft
Social Media hat hier viel verändert. Vor allem die neue Winzergeneration kann sich zeigen, erzählen, erklären. Das hilft uns Sommeliers und Sommelièren enorm, diese Geschichten weiterzutragen. Und ja, das ist Arbeit. Es hört nie auf. Aber genau das macht den Job aus. Ohne Leidenschaft funktioniert das nicht. Am Ende geht es darum, die Emotionen aus den Weingärten und -kellern weiterzugeben. Der Gast soll spüren, warum uns dieser Wein bewegt. Und wenn das gelingt, schmeckt er automatisch besser. Ein kleiner psychologischer Trick vielleicht – aber vor allem ehrliche Begeisterung. Wein ausschenken können viele. Erinnerungen schaffen nicht.
