Sebastian Gabriel: Wir dürfen uns nie zu wichtig nehmen

“Neugier ist das Wichtigste für unseren Beruf”, schreibt Spitzensomm Sebastian Gabriel. Palais Coburg

Was zeichnet einen guten Somm aus? Was sind die größten Herausforderungen und welche Tipps gibt man jungen Nachfolger:innen? Da gibt es so einiges, weiß Sebastian Gabriel aus dem 2-Sterne- und 5-Hauben Restaurant Silvio Nickol (Palais Coburg) in Wien.

Ich habe mir eine goldene Regel zu eigen gemacht: Egal, wie tief man schon im Weinkeller steckt – es gibt immer noch eine weitere Tür zu entdecken. Wer glaubt, mit der Ausbildung oder dem Diplom-Sommelier sei die Reise beendet, hat gerade erst das erste Glas eingeschenkt. Ich komme aus der Pfalz, wo Wein zur DNA gehört. In unserer Familiengastronomie war er allgegenwärtig – und für mich irgendwann nicht mehr nur Begleitung, sondern Hauptakteur. Klar, Kellnern kann man lernen, aber ich wollte mich spezialisieren, ein echter Profi werden, nicht nur Wein servieren, sondern ihn verstehen. Deshalb bin ich in die High-End-Gastronomie gegangen – und jetzt stehe ich hier, im Palais Coburg, mit einem Keller, in dem wahre Schätze schlummern.

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Neugier ist das Wichtigste für unseren Beruf. Wer aufhört, Fragen zu stellen, kann gleich austrinken und gehen. Die Weinwelt dreht sich ständig weiter, und das bedeutet, immer weiter zu verkosten und sich weiterzuentwickeln. Ein Top-Sommelier kann nicht nur einen 500-Euro-Wein perfekt verkaufen – das ist einfach. Die Kunst besteht darin, einen Gast mit einem 5-Euro-Glas genauso glücklich zu machen. Die größte Falle ist nämlich, sich selbst zu wichtig zu nehmen. Wir stehen nicht im Mittelpunkt – der Gast tut es. Davon bin ich überzeugt. Unser Job ist es, ihm ein Erlebnis zu schenken, nicht unsere eigene Bühne zu bespielen.

Weiterentwicklung

Fehler passieren jedem. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern aus Fehlern zu lernen. Dranbleiben ist essenziell und – so viel wie möglich verkosten, offen für Neues bleiben und sich stetig weiterentwickeln. Und man sollte sich über die Zukunft der Sommellerie Gedanken machen, denn die liegt auch in alkoholfreien Alternativen. Wenngleich ich persönlich noch nicht zu hundert Prozent überzeugt bin, führt kein Weg daran vorbei. Ein guter Sommelier muss sich auch mit nichtalkoholischen Pairings auseinandersetzen. Die Nachfrage ist da, und sie wird wachsen. Denn am Ende geht es doch nur um eins: den perfekten Moment im Glas.