Anton Karlhuber: Im Pairing spielt Orangewine seine Stärke aus

Das einstige Enfant terrible ist erwachsen geworden: Statt für Aufregung sorgen Orangewine und Maischevergorenes heute als Speisenbegleiter für ganz großes Kino, schreibt Anton Karlhuber vom 2-Sterne- und 4-Hauben-Restaurant OIS im Mühltalhof.
Orangewine war oft ein Stück weit Provokation. Ein bewusstes Gegenmodell zum Konventionellen, laut, kantig, anders. Zusammen mit Naturwein entstand eine eigene Bubble – wer auffallen wollte, war dabei. Doch wie so oft hat sich der erste Lärm gelegt. Heute ist es ruhiger geworden um Orangewine. Und genau das tut ihm gut.
Denn am Ende setzt sich auch hier die Qualität durch. Orangewine funktioniert für mich nur dann, wenn er sauber gemacht ist, Stil hat und Finesse zeigt. Alles andere war kurzfristige Effekthascherei. Der Grundgedanke war ja immer spannend: Weißwein auf der Maische vergoren, mehr Struktur, mehr Spannung, irgendwo zwischen Weiß- und Rotwein. Grenzen aufheben, nicht neue Dogmen schaffen. Genau das ist aber passiert. Begriffe wie Orange, Natural oder Bio haben Schubladen erzeugt. Die einen wollen nichts anderes mehr, die anderen blocken sofort ab. Dabei wäre es oft leichter, einfach den Wein sprechen zu lassen. Ohne Etikett, ohne Vorurteil. Die Kunst liegt darin, ihn richtig einzusetzen – und richtig zu erklären.
Qualität
Durch den Gerbstoff gewinnt Orangewine an Frische, Struktur und Aromatik. Ein Gewürztraminer mit Maischekontakt kann plötzlich leichtfüßig und spannend wirken, statt ölig und schwer. Orange kann provokante Gänge auffangen – wie in unserem Fall eine spicy Fisch-Bosna mit einem Gewürztraminer von Pranzegg –, Kontraste bauen, neue Türen öffnen. Aber nur mit dem richtigen Gast. Zwang funktioniert hier nicht.
Heute geht es nicht mehr darum, Orangewine auszuschenken, weil er Orange ist. Sondern darum, guten Wein ins Glas zu bringen. Herkunft, Stil, Idee – das zählt. Ob das Ergebnis dann Orange heißt oder nicht, ist nebensächlich. Entscheidend ist, dass der Wein passt: zum Essen, zum Moment und zum Menschen am Tisch. Mit den richtigen Gästen zum richtigen Essen kann Orangewine ganz groß sein.
