Alexander Koblinger: Wer nur Trends hinterherläuft, verliert den eigenen Stil

Alexander Koblinger: Sommeliers sind Gastgeber, Berater und Verwalter.© Selina Flasch Photography

Die Welt des Weins dreht sich schnell – aber wer ruhig bleibt, den eigenen Weg geht und sich nicht von jedem Trend ablenken lässt, hat am Ende die Nase vorn. Hier schreibt Alexander Koblinger aus dem 2-Sterne und 5-Haubenrestaurant Dollerer in Golling über die Rolle des Sommeliers zwischen Trends, Handwerk und Authentizität. 

Der Beruf des Sommeliers bzw. der Sommelière hat sich stark gewandelt. Wer glaubt, wir öffnen nur Flaschen und polieren Gläser, liegt falsch. Heute sind wir Gastgeber, Berater und Verwalter – denn ein gut sortierter Keller kann ein Vermögen wert sein. Die wahre Kunst der Sommellerie? Sich selbst nicht wichtiger nehmen als das Produkt. Glückliche Gäste machen glückliche Chefs – und dann sind auch wir glücklich. Was der Schlüssel dazu ist? Meiner Ansicht nach Konstanz, Enthusiasmus und ein Funkeln in den Augen. Während KI mit Fakten punktet, begeistern wir mit Emotionen. Ein guter Sommelier probiert viele Weine – nicht nur aus Neugier, sondern um eine breite sensorische Datenbank aufzubauen – im Kopf und am Gaumen. Die Klassiker wie Bordeaux, Chianti oder Brunello bleiben. Trends sind spannend, aber am Ende zählt der eigene Geschmack und was wir damit machen. Deshalb verkosten wir im Team einmal die Woche blind. Jeder kann mitmachen und das tun die jungen Somms auch.

Meiko Snipped

Raus aus der Komfortzone! Verkosten, lesen, reisen, in Weingärten stehen, mit Köch:innen sprechen. Das machen die modernen Sommelièren und Sommeliers von heute. Auch wenn es um einen südafrikanischen Pinotage geht, den ich liebe und hasse – probieren muss sein. Und: Wissen zu teilen ist essenziell. Somms, die sich hinter Fachbegriffen verstecken, bauen eine unsichtbare Mauer. Wein muss ehrlich und einfach kommuniziert werden – professionell, aber verständlich. 

Authenzität

Heute ist das Angebot größer als je zuvor. Globalisierung bringt Weine aus aller Welt auf den Tisch. Doch muss man alles bespielen? Wer nur Trends hinterherläuft, verliert seinen eigenen Stil. Der gute Sommelier bzw. die gute Sommelière von heute sollte filtern: handwerkliche Weine in den Vordergrund stellen, echte Geschichten erzählen. Und nicht nur an Wine & Food Pairing denken – sondern an „Wine & Guest Pairing“. Der perfekte Wein ist nicht der, der am besten zum Essen passt, sondern der, der den Gast begeistert.

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