Klaus Lechner: Das Comeback der autochthonen Rebsorten

Klaus Lechner: “Gerade heute, wo Herkunft wieder wichtiger wird, sind autochthone Rebsorten aktueller denn je.” Lukas Kirchgasser

Die Wiederentdeckung alter Klassiker: von Blauer Wildbacher über Zierfandler und Furmint bis Roter Veltliner. Ein Plädoyer für mehr Herkunft im Glas von Sommelier Klaus Lechner.

Österreich hat eine beeindruckende Vielfalt autochthoner Rebsorten. Gemessen an unserer Rebfläche gibt es kaum ein anderes Weinland, das so viele eigene Sorten hervorgebracht hat. Und genau darin liegt eine Verantwortung – für Winzer:innen genauso wie für uns Sommeliers und Sommelièren. Autochthone Rebsorten stehen für Identität, nicht für Mainstream. Natürlich ist Chardonnay großartig. Aber braucht es wirklich noch einen weiteren auf der Karte, wenn wir Sorten haben, die Geschichten erzählen, Ecken und Kanten zeigen und unverwechselbar sind? Gerade heute, wo Herkunft wieder wichtiger wird, sind autochthone Rebsorten aktueller denn je.

Ein gutes Beispiel ist Blauer Wildbacher. Oder Neuburger aus der Wachau: historisch tief verwurzelt, lange prägend, später verdrängt. Nicht wegen seiner Qualität, sondern wegen des Aufwands im Weingarten. Geschmacklich zeigt er sich ausgewogen und strukturiert, in der Speisebegleitung ist er erstaunlich vielseitig. Zierfandler und Rotgipfler ebenso. Beide bringen Substanz mit, oft auch etwas Holz. Zierfandler wirkt dabei feingliedriger, mit mehr Säure und Spannung. Rotgipfler ist kraftvoller, dichter, mit mehr Fülle. Genau deshalb passen sie gut zu üppigeren Gerichten, bei denen man sonst reflexartig zu Chardonnay greifen würde, wie zu einem kräftigen Fischgang mit Beurre Blanc. Rotgipfler zum Schnitzel? Perfekt! Roter Veltliner steht bei meinen Gästen ebenfalls hoch im Kurs. Er ist geschmeidig, subtil und nie laut. Weniger Säure als Riesling, weniger Drang nach vorne – das macht ihn zu einem angenehmen Begleiter. Kräftige Vertreter zeigen belüftet sehr schnell ihre Balance. Zudem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis top. Immer cool auch Furmint – vor allem aus dem Burgenland!

Autochthone Rebsorten brauchen Erklärung, Zeit und Begeisterung. Aber sie geben viel zurück. Sie erzählen, woher wir kommen und zeigen, wie abwechslungsreich Wein sein kann – wir müssen ihnen nur viel öfter die Möglichkeit dazu geben.