Daniel Schicker: Warum lebendige Weine die besseren sind

Er sprudelt vor Energie, erzählt Geschichten aus der Erde und tanzt am Gaumen – lebendiger Wein ist mehr als nur ein Getränk. Er ist Ausdruck von Handwerk, Terroir und der Leidenschaft der Winzer, die ihn ohne Zusätze oder Konventionen entstehen lassen. Das schreibt Daniel Schicker aus dem Gasthaus Mathe in Etzen.
Als Sommelier werde ich oft gefragt, was einen Wein lebendig macht. Ist es die Säure? Die Frische? Die Struktur? Ich sage: Es ist mehr als das. Ein lebendiger Wein ist nicht einfach nur ein handwerklich gut gemachter Wein – er hat Charakter. Gerade in Österreich geht der Trend dahin, mehr Terroir und damit Lebendigkeit in den Wein zu bringen.
Früher wurde oft mit Holz und Technik gearbeitet, um Weine zu formen. Heute geht es vielmehr darum, den Wein aus seiner Herkunft heraus entstehen zu lassen. Winzer wie die Tements oder der Sattlerhof in der Südsteiermark setzen genau hier an: Sie geben ihren Parzellen Raum, um sich zu entfalten. Jeder Boden, jedes Terroir hat eine eigene Geschichte, die im Wein spürbar sein soll. Nachhaltige Bewirtschaftung und eine respektvolle Arbeit im Weingarten sind der Schlüssel.
Ein lebendiger Wein legt sich nicht schwer auf die Zunge, sondern bleibt frisch und animierend – verspielt. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen unbewusst solche Weine bevorzugen. Wenn Balance und Lebendigkeit stimmen, dann ist es fast egal, wie viel Alkohol ein Wein hat oder aus welcher Weinregion er kommt.
Aber natürlich spielen Geographie und Klima eine Rolle. In der Südsteiermark oder an der Loire fällt es leichter, lebendige Weine zu machen als etwa am Neusiedlersee, wo die Sommer oft heißer und trockener sind. Aber es gibt immer Ausnahmen – das sind die Winzerinnen und Winzer, die es verstanden haben, das Beste aus ihrem Terroir herauszuholen.
Auch die Temperatur und das Glas beeinflussen, wie lebendig ein Wein wirkt. In meiner Zeit im Mühltalhof haben wir Rotwein immer leicht gekühlt serviert – Sommer wie Winter. Wenn ich drei lebendige Weine empfehlen müsste? Harkamp Schaumweine aus der Südsteiermark – der macht sofort wach und Lust auf mehr. Johannes Hirsch aus dem Kamptal – immer balanciert, leicht und trinkfreudig. Und Heinrich-Weine aus dem Burgenland – Gernot und Heike zeigen, dass auch in wärmeren Regionen großartige, lebendige Weine entstehen können.

Lisi Brandlmaier wurde 1989 in Thalheim bei Wels geboren und studierte Bildungswissenschaften, Germanistik, Französisch und Italienisch an der Universität Wien. 2011 startete sie ihre journalistische Karriere beim Portal typischich.at der Styria Media Group. 2013 wechselte sie zur VGN Medien Holding in die Onlineredaktion des Magazins Woman. 2015 übernahm sie die Leitung des Gourmet-Ressorts sowie im Anschluss zusätzlich die Leitung des Lifestyle-Ressorts für die Print- und Onlineausgabe des größten österreichischen Frauenmagazins. Zusätzlich engagierte sie sich beim Aufbau von Woman TV, entwickelte eine eigene Kochsendung und produzierte zahlreiche Shows mit namhaften Köchinnen und Köchen. Von 2021 bis Ende 2023 war sie Chefredakteurin und Digital-Chefredakteurin (ab 2022) bei Falstaff, dem größten Magazin für kulinarischen Lifestyle.

