Anja Weber: Die Chancen in diesem Beruf sind riesig

Anja Weber: Die Chancen in diesem Beruf sind riesig

NEXT GENERATION! Die Steirerin Anja Weber zählt schon jetzt zu den besten Nachwuchskräften der Branche. Für den Beruf braucht es neben der Ausbildung auch viel Gespür, sagt sie.

Der Gasthof Unterberger ist ein Saisonbetrieb. Genießt du die Winterruhe?
ANJA WEBER: Im Sommer ist bei uns tatsächlich viel los, aber selbst im Winter, wo es tageweise gemütlicher zugeht, ist immer etwas zu tun. Ich wüsste keinen Job, der so abwechslungsreich ist. Gäste und Aufgaben sind jeden Tag andere.

Wolltest du immer in die Gastro gehen?
ANJA WEBER: Wir haben zuhause eine Landwirtschaft, ursprünglich habe ich mich darin gesehen. Dann sind wir eines Tages nach Mariazell gegangen, der Gasthof Unterberger liegt direkt am Weg. Bei einem Stopp habe ich auf der Damentoilette einen Aushang gesehen, dass Lehrlinge gesucht werden. Meine Eltern kennen die Chefleute sehr gut, also sind wir in die Küche rein und ich habe mich vorgestellt. Mittlerweile bin ich seit vier Jahren hier. Die Familie Unterberger ist wie eine zweite Familie für mich.

Was macht ihren Führungsstil besonders?
ANJA WEBER: Es ist ein kleiner Familienbetrieb, man kennt sich richtig gut und es gibt einen starken Zusammenhalt. Die Senior- und Junior-Chefs führen das Haus gemeinsam – ich mag diese Mischung aus bewährter Erfahrung und junger Innovation. Die Stimmung ist sehr herzlich und man spürt die Begeisterung für den Beruf.

Erfolg bei den Junior Skills Austria 2022 mit Silber in Kategorie Restaurantservice. Redaktion

Du bist die Jüngste im Team, das hat vermutlich seine Vor- und Nachteile?
ANJA WEBER: Für mich hat das nur Vorteile. Ein paar meiner Kolleg:innen im Service sind um die 70 Jahre alt und noch immer voll dabei. Von ihnen habe ich unglaublich viel gelernt. Vor allem, wie man selbst im größten Stress Ruhe bewahrt und sich seinen Humor behält. Wenn etwas Blödes oder Lustiges passiert, dann lachen wir darüber und weiter geht’s. Es bringt ja auch nichts, wenn man deswegen zwider wird, das macht die Situation nicht besser.

Was macht einen guten Gastgeber, eine gute Gastgeberin aus?
ANJA WEBER: Ein Gespür für den Gast. Wenn jemand bei der Tür hereinkommt, versuche ich zuerst abzuschätzen, was das für ein Typ ist. Kann ich den mit einem Schmäh nehmen oder nicht? Sowas kommt mit der Erfahrung. Wir haben aber auch viele Stammgäste, man kennt sich also mit der Zeit. Natürlich kann es vorkommen, dass ich mich irre und jemandem am falschen Fuß erwische. In dem Fall ist es gut, wenn man sich seinen Fehler eingesteht und so schnell wie möglich wieder ausbügelt.

Du hast bei den Junior Skills 2022 Silber geholt. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
ANJA WEBER: Die Teilnahme war eine recht spontane Aktion und eine unglaubliche Erfahrung. Ich konnte für mich persönlich sehr viel mitnehmen. Die Branche wird durch solche Wettbewerbe in ein positives Licht gerückt – vorausgesetzt, dass unsere Erfolge auch medial aufgegriffen werden.

Das Gasthaus “Unterberger – Jagawirt” in St. Kathrein/Offenegg. Anja Weber: “Es ist ein kleiner Familienbetrieb, man kennt sich richtig gut und es gibt einen starken Zusammenhalt.”

Es heißt, junge Leute würden die Gastro aufgrund der Arbeitsbedingungen eher meiden. Wie ist deine Erfahrung?
ANJA WEBER: Die Gastro ist ein Job, bei dem man anpacken muss. Man muss belastbar und stressresistent sein. Daran muss man sich anfangs vielleicht erst gewöhnen, aber das geht schnell. Ich komme aus einer Landwirtschaft, mir macht das Arbeiten nichts aus. Was ich nicht verstehe, sind die Kolleg:innen in der Berufsschule, die sich über die Arbeitszeiten aufregen. Wenn man in die Gastro geht, weiß man doch vorher, dass die Zeiten sehr unregelmäßig sein können. Aber das ist bei Bäcker:innen oder Ärzt:innen nicht anders, die haben auch Nachtschichten. Ist es nur in der Gastro so offensichtlich? Ich sehe die Arbeitszeiten positiv. Wenn ich Termine habe, bin ich wesentlich flexibler und kann es mir mit meinen Chefs viel besser ausreden, als in anderen Branchen. Auch meine älteren Kolleg:innen haben in Wochenenddiensten immer nur Vorteile gesehen, weil unter der Woche weniger los ist und sich Dinge einfacher und angenehmer erledigen lassen.

Möchtest du später einmal ins Ausland gehen?
ANJA WEBER: Ich arbeite lieber dort, wo man meinen Dialekt versteht. Aber wenn man die Welt sehen möchte, dann ist die Gastro eine super Branche dafür. Das liegt auch an der Ausbildung. Als Gastronomiefachfrau bin ich eine Allrounderin und damit überall einsetzbar. Ich habe damals in der Küche angefangen und immer, wenn ich eine Position konnte, kam meine Chefin mit den Worten: „So Anja, neues Thema, neue Aufgabe.“ So habe ich in zwei Jahren in der Küche alles gesehen. Dann kam der Service, aber auch so Sachen wie Lagerhaltung. Es gibt immer etwas zu lernen. Heute kenne ich mich überall soweit aus, dass ich jederzeit für Kolleg:innen einspringen kann.

Was sind deine nächsten Ziele?
ANJA WEBER: Im Herbst 2023 werde ich die Matura abschließen. Danach möchte ich auf Saison gehen, aber in Österreich. Und danach wäre mein Ziel, eine Familie zu gründen. Das lässt sich mit dem Job gut vereinbaren. Und selbst wenn ich aufgrund von Kindern ein paar Jahre Pause machen sollte, ist das auch ok. Wenn man diesen Job wirklich möchte, dann findet sich immer eine Möglichkeit.

  • Name: Anja Weber
    Geburtsdatum: 8. Februar 2003
    Arbeitgeber: Gasthaus Unterberger – Jagawirt
    Ort: St. Kathrein/Offenegg (Steiermark)
    Aktuelle Position: Service, bei Bedarf in der Küche
    Ausbildung: Lehre (mit Matura) zur Gastronomiefachfrau
    Auszeichnungen: Junior Skills Austria 2022 (Silber, Kategorie Restaurantservice)

WIR SIND STOLZ AUF DIE UNTERSTÜTZUNG DER NEXT GENERATION DURCH DIE WKO STEIERMARK.

Tags : Steiermark

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