Tement: Wir mussten die Grenzgänge erst lernen

Tement: Wir mussten die Grenzgänge erst lernen

Grenzgänge sind gefährlich und reizvoll zugleich. Die Lagen Zieregg und Ciringa zeigen vor, wie man grenzübergreifend arbeitet und Feinheiten und Finessen herausarbeitet, schreibt Armin Tement.

Bei uns gibt es Grenzgänge in verschiedene Richtungen. Erst einmal in geografisch-klimatischer Hinsicht: Aufgrund unserer Steillagen und des kühlen Klimas, aber auch wegen des manchmal grenzenlosen Niederschlags müssen wir schon sehr intensiv arbeiten. Was diese Bedingungen reizvoll macht, ist, dass man dadurch ganz andere Feinheiten, Finessen und Bekömmlichkeiten in den Wein bringt. Der topografische Grenzgang liegt darin, dass wir direkt an der slowenischen Grenze liegen. In der Lage Zieregg geht die Grenze quer durch den Weinberg. Über Jahrzehnte konnten wir den benachbarten Teil durch die politische Situation gar nicht sehen, seit dem EU-Beitritt wächst die Region aber wieder zusammen. Sehr speziell ist es, grenzübergreifend zu arbeiten, in jedem Land auszureizen, was man produziert. 

Der Urboden ist in beiden Lagen der gleiche, aber Zieregg ist noch ein bisschen steiler, karger und komplett offen nach Slowenien. Bei der Lage Ciringa macht der Südhang zu, entwickelt sich zu einem Kessel und hat dadurch ein etwas anderes Mikroklima. Es ist eine Spur wärmer, die Böden eine Spur mineralischer, nicht so karg und man hat von Haus aus einen erdigeren Wein. Wenn die Reben älter werden, kann der Wein aber dieselbe Größe haben. Obwohl wir die Grenze heute nicht mehr sehen, wollen wir sie trotzdem mit unseren zwei Weingütern Weingut Tement und Domaine Ciringa zeigen. Den geschmacklichen Grenzgang mussten wir lernen. Man muss es zulassen, dass die Ausprägung der Säure, der Gerbstoffe, der Frucht manchmal sehr reduziert sein kann und trotzdem Größe mit sich bringt.

 

Gefühl für den Weinberg

Der handwerkliche Grenzgang verbindet die vorher gesagten Dinge. Du brauchst das Handwerk und das Gefühl für den Weinberg, dass man einen gesunden Rebstock hat. Um diese topografischen und geografischen Hürden zu überwinden, muss man mit seiner Erfahrung und mit punktuellem Fleiß zu jeder Tages- und Nachtzeit handwerklich im Weinberg arbeiten, damit man diese Grenzen voll ausschöpfen kann.

 

*Aufgezeichnet von unserem Autor Werner Ringhofer