Tinhof: Potential reifer Weißweine wird unterschätzt

Erwin Tinhof, Trausdorf an der Wulka

Tinhof: Potential reifer Weißweine wird unterschätzt

Erwin Tinhof ortet bei gereiften Weißweinen ein klassisches Henne-Ei-Problem: Werden sie nicht aktiv angeboten, fragt auch keiner nach – und umgekehrt. Hier sein Kommentar für KALK&KEGEL.

Das Potential reifer Weißweine ist wesentlich höher, als es im Moment noch wertgeschätzt wird. Natürlich gibt es in der gehobenen Gastronomie ein gesteigertes Verständnis dafür und durchaus auch Gäste, die sich darauf einlassen würden – doch Gereiftes muss aktiv angeboten werden.

Freiwillig greifen nur Kenner:innen zu einem Leithaberg 2012. Daher ist es die Aufgabe von uns Winzer:innen und Gastronom:innen, den Gästen zu zeigen, was möglich ist: nämlich, dass gereifte Weißweine weder matt noch müde sind, sondern eine Finesse, Eleganz und dem Weinstil entsprechenden Säure haben können, die man ihnen gar nicht zutrauen würde.

Stille Reserven heben

Wir haben zuletzt einen Neuburger Privat 2017 freigegeben, den wir bewusst zurückgehalten haben. Neuburger ist grundsätzlich eine Rebsorte mit hohem Reifepotential. Der Wein steht da wie eine Eins. Da wir damals komplett Botrytis-frei gelesen haben, hat er auch keinen Spätlese-Charakter bekommen.

Mir ist wichtig, dass solche Weine für den Gast zugänglich sind, auch glasweise. Mit Systemen wie Coravin ist das problemlos möglich. Man kann dadurch Weine öffnen, an die der Gast sonst nie kommt. Das bringt nicht nur degustatorische Vorzüge mit sich, sondern zahlt auch in die Weinkompetenz des Hauses ein. Und: Man hebt stille Reserven in den Weinkellern – was auch aus ökonomischer Sicht von Vorteil ist.

Aufgezeichnet von Sonja Planeta

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