Trinkgeld: Alle vereint gegen den Steuer-Wahnsinn

Jetzt Petition unterschreiben! Die Gastro ist vereint wie nie und auch die Gäste stehen hinter der Forderung: Trinkgeld darf nicht besteuert werden. Auch KALK&KEGEL unterstützt die Petition und hat mit jenen gesprochen, die sich hinter den Kulissen stark machen.

An vorderster Front gegen den Steuerwahnsinn kämpft aktuell der Kärntner Sternekoch Hubert Wallner. Er sagt: „Trinkgeld-Rückbesteuerungen sind eine Watschen für jeden Gastronomen und auch für alle Mitarbeiter.“ Er fordert die Branche auf, ihre Stimme zu erheben – ALLE, also nicht nur die Gastronom:innen, sondern auch die Mitarbeiter:innen. Die wesentliche Petition dafür läuft hier: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/steuer-und-abgabenfreies-trinkgeld-fuer-gastro-alle-dienstleistungsberufe

Hubert Wallner ist eine der lautesten Stimmen in der aktuellen Trinkgeld-Debatte. Daniel Waschnig

Seit Wochen schon gehen die Wogen in der Branche hoch. Der Grund: Gastronom:innen sehen sich nach Lohnabgabenprüfungen durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) mit saftigen, teils sechsstelligen Nachzahlungsforderungen konfrontiert – und zwar für das Trinkgeld ihrer Mitarbeiter:innen. Zum Hintergrund: Trinkgelder sind in Österreich prinzipiell sozialversicherungspflichtig. In jedem Bundesland gibt es dafür eigene, unterschiedlich hohe Trinkgeldpauschalen, die bislang von Wirtschaftskammer (WKÖ) und ÖGK festgesetzt wurden. Wird die Pauschale überschritten, werden Abgaben an die ÖGK fällig; was in Zeiten von Registrierkassenpflicht und vermehrten Kartenzahlungen, bei denen auch das Trinkgeld aufscheint, heute einfacher festzustellen ist als früher bei überwiegender Bargeldzahlung. Laut neuem Regierungsprogramm sollen Trinkgeldpauschalen nun evaluiert und bundesweit einheitlich geregelt, nicht aber abgeschafft werden.

Dass es in der Bevölkerung eine starke öffentliche Unterstützung gegen die Trinkgeldbesteuerung gibt, unterstreicht das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Market Instituts im Auftrag der WKÖ. Darin geben 92 % der Befragten an, regelmäßig Trinkgeld zu geben, 95 % tun dies als Ausdruck der Wertschätzung für guten Service. 88 % sprechen sich klar gegen eine Steuer- oder Abgabenbelastung von Trinkgeldern aus, 87 % sind dagegen, dass auch die Betriebe dafür zur Kasse gebeten werden. Die Hälfte der Befragten (50 %) würde sogar weniger Trinkgeld geben, wenn der Staat eingreifen würde.

In der Trinkgelddebatte übt Stefan Sternad scharfe Kritik an VIDA und ÖGK. Simone Attisani

Stefan Sternad, als Wirtesprecher der Wirtschaftskammer Kärnten und österreichweit immer einer der Vorreiter, reagiert mit scharfen Worten auf die jüngsten – laut WKO abgehobenen und weltfremden – Aussagen der Gewerkschaft VIDA, wonach Trinkgelder niedrige Löhne ausgleichen. „Solche Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht für jeden Mitarbeiter in der Gastronomie. Gerade erst wurden die Kollektivverträge neu verhandelt – mit Lohnanpassungen, die in den vergangenen drei Jahren um 30 % gestiegen sind. Diese Entwicklung ist nun auch auf jeder Speisekarte sichtbar geworden.“ Sternad appelliert auch an die AK: „Es ist die Aufgabe der AK, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Und die Mehrheit will ganz klar, dass Trinkgelder steuer- und abgabenfrei sind. Jetzt ist es an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen, endlich klar Stellung zu beziehen und auf ihre Mitglieder zu schauen!“

Wertschätzung

Wallner: „Österreich rühmt sich als Tourismusland und dennoch wird unsere Branche, die so werthaltig und nachhaltig agiert, immer wieder mit Füßen getreten. Trinkgeld ist eine Wertschätzung vom Gast an den Mitarbeiter. Das sind keine Einnahmen für den Betrieb. Wir fungieren als Treuhänder und bezahlen die Gelder tagesaktuell an die Mitarbeiter aus. Daher finde ich es eine Sauerei, dass die ÖGK die Gastro-Unternehmer zur Kasse bittet, um ihr Budgetloch zu stopfen. Es gibt auch andere Branchen, in denen Trinkgeld eingenommen wird, doch die sind komplett außen vor. Das ist eine Farce sondergleichen.“

Seitens der Arbeiterkammer findet es Wallner beschämend, dass es bis dato keine Stellungnahme gibt – im Gegenteil: Dort schiebt man die Zuständigkeit auf die Arbeitgeberseite, schließlich hätten auch die Unternehmer:innen für die Trinkgeld-Besteuerung aufzukommen. „Als Selbständiger ist das zwar nicht meine Fraktion, aber es geht um meine Mitarbeiter. Ich habe bereits mehrmals versucht, Kärntens Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach zu erreichen, aber er hat es bislang nicht der Mühe wert gefunden, mit mir darüber zu sprechen. Wofür brauchen wir eine Arbeiterkammer, wenn die Mitglieder keine Unterstützung erfahren?“ Und weiter: „Ich spreche vielen Gastronomen aus der Seele, wenn ich sage: Es ist in Österreich extrem unattraktiv geworden, in der Gastronomie selbständig zu sein und zu bleiben, weil die Bürokratie sowas von erdrückend ist.“

“Warum werden Betriebe bestraft, wenn die Mitarbeiter einen guten Job machen?”, fragt 2-Sternekoch Andreas Senn. Jürgen Schmücking

2-Sternekoch Andreas Senn aus Salzburg ist überzeugt, dass zahlreiche Gastronom:innen und Mitarbeiter:innen das Handtuch werfen werden, sollte die geplante bundesweite Anpassung der Trinkgeldpauschalen von der Regierung umgesetzt werden. „100.000 Euro Nachzahlung wie sie vom Sternbräu in Salzburg gefordert werden, sind der Ruin für jeden Betrieb. Trinkgeld ist bereits versteuertes Geld. Die Mitarbeiter reißen sich jeden Tag den Arsch auf, damit sie einen super Job machen, werden dafür von den Gästen quasi beschenkt und sollen das dann auch noch versteuern? Das wirklich Attraktive an der Gastronomie ist doch das Trinkgeld. Wenn das wegbricht, werden noch weniger in der Branche arbeiten wollen.“ Seine Forderung: „Wir müssen uns alle zusammen auf die Hinterbeine stellen. Es bringt nichts, wenn nur drei, vier Gastronomen zusammenhelfen, das müssen 300, 400 sein, die einen Wirbel machen. Denn warum sollen wir als Betriebe dafür bestraft werden, wenn unsere Mitarbeiter einen guten Job machen?“

Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, will, dass das Trinkgeld komplett von Steuern befreit wird. WKÖ

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer fordert: „Was Gäste freiwillig für guten Service den Kellnern geben, darf nicht länger vom Finanzamt mitkassiert werden.“ Untermauert wird seine Forderung von einer Market-Studie, wonach 88 Prozent der Österreicher:innen für abgabenfreie Trinkgelder sind. Und auch Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger schließt sich der Sache an: „Gute Arbeit und Leistung müssen sich lohnen. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um die Rahmenbedingungen für unsere Mitarbeiter zu verbessern. Eine steuerfreie Auszahlung von Trinkgeldern ist dabei ein unbürokratischer und wichtiger Schritt.“

Darum sagen auch wir von KALK&KEGEL: Lasst uns gemeinsam den Steuer-Irrsinn stoppen! Hier geht’s zur Petition für steuer- und abgabenfreies Trinkgeld – für Gastro & alle Dienstleistungsberufe, die auch wir unterstützen! Es geht um EUER TRINKGELD:

https://www.openpetition.eu/at/petition/online/steuer-und-abgabenfreies-trinkgeld-fuer-gastro-alle-dienstleistungsberufe

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