Was können die neuen PIWIs von Umathum? Wir haben verkostet

Die Großmutter und die Jungen Wilden: Josef Umathum stellt seine neuen PIWI-Weine vor. www.zweischrittweiter.at

Winzer Josef Umathum launcht eine neue Weinserie aus fünf PIWI-Sorten und einem Wein aus der historischen Rebsorte „Lindenblättriger“. KALK&KEGEL hat die Weine vorab verkostet.

Die Großmutter und die jungen Wilden: So heißt die neue Weinserie von Winzer und Visionär Josef Umathum aus Frauenkirchen im burgenländischen Seewinkel. Die Serie besteht aus fünf PIWI-Weinen (Die jungen Wilden) sowie aus einem Wein aus der historischen, pannonischen Rebsorte „Lindenblättriger“ (Die Großmutter). Benannt sind die Weine ihren Eigenschaften entsprechend nach Planeten, Umathum selbst nennt sie sein Planetarium. Produziert werden sie aus Kleinstmengen mittels Mikrovinifizierung und anschließend unfiltriert und mit einem Alkoholgehalt von maximal 11,5% vol. gefüllt.

Die neue Umathum-Weinserie besteht aus fünf PIWI-Weinen (Die jungen Wilden) sowie aus einem Wein aus der historischen, pannonischen Rebsorte „Lindenblättriger“ (Die Großmutter). www.zweischrittweiter.at

Was die Namen der PIWI-Rebsorten betrifft, hält sich Josef Umathum bedeckt; sie scheinen auch am Etikett nicht auf. „Wir arbeiten mit PIWIs, die der Weinstilistik unseres Weinguts entsprechen. Unsere Ansprüche an die Sorten sind eine hohe Widerstandsfähigkeit, ein aufrechter Wuchs, eine lockere Laubwand und wenig Zucker. Es bringt nichts, Sorten zu nehmen, die dann wieder zu Weinen mit 15% vol. führen.“ Und weiter: „Namen sind vergänglich. Außerdem wollen wir den Konsumenten nicht überfordern. Darum liegt unser Fokus auf der Weinstilistik, nicht auf noch mehr Sorten.“ Erhältlich sind die Weine in einer limitierten Edition von 150 Kisten zu je sechs Flaschen inklusive Kunstdruck.

Visionär

Am Weingut Umathum beschäftigt man sich bereits seit 2012 mit neuen, resistenteren Sorten. Die erste Ernte erfolgte 2015. Mittlerweile sind zwei Prozent der derzeit 40 Hektar großen Rebfläche mit PIWIs bepflanzt. Die Rebstöcke stehen in Frauenkirchen und Jois. „Der Weinbau verlangt nach einer grundlegenden Erneuerung. Es braucht weniger Alkoholgehalt, es braucht einen unbeschwerten Zugang zum Thema Wein, es braucht auch andere Geschmackserlebnisse. Und vor allem braucht es Rebsorten mit mehr Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, Hitze und Pilzkrankheiten, um die zukünftigen Anforderungen in Bezug auf die Klimaveränderung zu meistern“, so Josef Umathum. „Es geht nicht darum zu ersetzen, was man hat, sondern darum, etwas komplett Neues zu entwickeln. Als einer der führenden Betriebe in der Region ist es unsere Verantwortung, voranzugehen und neue Impulse zu setzen. Wir verstehen uns allerdings nicht als Einzelkämpfer. Wichtig wäre, dass noch viel mehr Winzerinnen und Winzer nachziehen und ausprobieren. Entwicklungen im Weinbau dauern über Jahrzehnte, daher muss man früh anfangen.“

Inspiriert von Josef Umathums neuer Weinserie kreierte Sternekoch Vitus Winkler ein sechsgängiges Menü. www.zweischrittweiter.at

Dass die neuen Weine nach Planeten benannt sind, rührt aus dem Selbstverständnis des Weinguts, das seit 2006 nach biodynamischen Richtlinien arbeitet. „Der Einfluss der Planeten auf alles Leben auf der Erde ist seit dem Altertum bekannt“, erklärt Josef Umthum. „Dabei geht es nicht nur um rein mathematische Zusammenhänge, sondern um ein tiefergehendes Wissen über die Wirkung auf Wachstum und Eigenschaften von Kräutern, Früchten, auf Mensch, Tier und Umwelt. Heiler und Kräuterkundige wie Paracelsius oder Hildegard von Bingen wussten noch über diese Zusammenhänge und wir sind dabei, einiges von diesem Naturwissen wieder freizulegen.“ Wie die Planeten wirken hat auch der Anthroposoph Rudolf Steiner in seinen Vorträgen des Landwirtschaftlichen Kurses dargelegt. Seine Erkenntnisse bilden die Grundlage der Biodynamie. „Für uns als Landwirte ist es wichtig, dass wir uns von den Maschinen lösen und uns an der Natur orientieren, um in der Folge die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Food-Pairing

Wie aber schmecken nun die Großmutter und die jungen Wilden? KALK&KEGEL Chefin vom Dienst Sonja Planeta konnte ihm Rahmen einer Weinverkostung mit Menübegleitung des Zweisternekochs Vitus Winkler (Kräuterreich by Vitus Winkler, St. Veit im Pongau) vorab probieren. Jeder Wein präsentiert sich eigenständig, den roten Faden bildet Umathums Weinstilistik, die von Leichtigkeit und Trinkfluss geprägt ist.

  • VENUS: Weißwein aus einer widerstandsfähigen Rebsorte, Jahrgang 2023, 11,5% vol. Helles Strohgelb, in der Nase eine feine Würze, reife Äpfel und Heublumen. Rauchig, pfeffrig, zart metallische Anklänge, mit spürbarer Tannin-Struktur und belebender Frische.

1. Gang: „Frühlingssalat“: Salatherz gebraten · Rollgerstl · Schafskäse · Birne · Schafgarbe · Birke

Im Glas “Venus” und dazu ein gebratenes Salatherz mit Rollgerstl, Schafskäse und Birkendressing. www.zweischrittweiter.at
  • SATURN: Weißwein aus einer widerstandsfähigen Rebsorte, Jahrgang 2022, 11,5% vol. In der Nase zart blumige Aromen und Anklänge von gelber Paprika. Vollmundig und zart bitter am Gaumen, milder, leicht cremiger Geschmack, frische Säure, harmonisch.

2. Gang: „Frischfeld“: Saibling · Mais-Beurre Blanc · Popcorn · Blaukrautstaub · Tanne

Zu “Saturn” kombiniert Vitus Winkler Saibling mit Mais-Beurre Blanc, Popcorn und Blaukrautstaub. www.zweischrittweiter.at
  • MERKUR: Weißwein aus der historischen Rebsorte „Lindenblättriger“, Jahrgang 2022, 11,5% vol. Kräftiges Strohgelb, Aromen von Lindenblüten, Quitte, Apfel, Honig und ein wenig Heu, kraftvoll, vollmundig, mineralisch, würzig.

3. Gang; „Frühlingswiese“: Lachsforelle · Gelbe Rübe · Kren · Kamille

Lachsforelle mit gelber Rübe und Kamillenblütensauce harmoniert mit dem Wein “Merkur”. www.zweischrittweiter.at
  • JUPITER: Weißwein aus einer widerstandsfähigen Rebsorte, Jahrgang 2023, 11% vol. Strahlendes helles Strohgelb, duftig, mit Anklängen nach Holunder und Muskat, sanftes Tannin im Geschmack, animierend.

4. Gang: „Tauernhendl“: Roggen-Backhenderl · Kartoffel · Brunnenkresse · Orangen-Joghurt · Löwenzahn

“Jupiter” zum Roggen-Backhenderl mit Kartoffelsalat und Orangen-Joghurt. www.zweischrittweiter.at
  • MARS: Rotwein aus einer widerstandsfähigen Rebsorte, Jahrgang 2022, 11,5% vol. Tiefdunkles Rubinrot mit violetten Anklängen, ein wenig wilde Nase mit einer feinen Würze und dunkler Fruchtnote. Saftig, zart rauchig, ein wenig bitter.

5. Gang: „Wald & Wiese“: Rindsbackerl · Haferflocken · Schwarze Johannisbeeren · Brennnessel

Zum tiefdunklen “Mars” gab’s Rindsbackerl und schwarze Johannisbeeren. www.zweischrittweiter.at
  • MOND: Rotwein mit würzigen Aromen, Jahrgang 2019, 11,5% vol. Intensives Ziegelrot, Kirsche, Zwetschke und Nougat in der Nase, etwas Zedernholz und Zigarrenrauch. Kräuteranklänge. Würzig, leicht nussig, frisch und belebend.

6. Gang: „Schwarzwälder Kirsch 2.0“: Schokolade · Kirsche · Tonkabohne · Reischip

Schwarzwälder Kirsch neu interpretiert und dazu den “Mond” mit seinen kräftigen Aromen nach Süßkirsche und Nougat. www.zweischrittweiter.at

„Agrokultur und Vitiforst sind Themen, mit denen wir uns schon jetzt und auch in Zukunft intensiv beschäftigen. Wir wollen die Bodenfruchtbarkeit weiter erhöhen, geschlossene Kreisläufe und resiliente Systeme schaffen, außerdem weiter an der Weinstilistik der neuen Rebsorten arbeiten. Es ist wichtig, dass die Vielfalt in der Landwirtschaft wieder hergestellt wird und die Natur zu ihrer Kraft zurückkommt“, sagt Josef Umathum. „Unser Etikett mag zwar mehrere Jahrzehnte alt sein, aber wir sind dennoch ein Betrieb mit großer Innovationskraft.“