Winzer bangen: US-Zölle könnten kompletten Lieferstopp auslösen

Deutschland und Frankreich wären am stärksten betroffen. Auch österreichische Winzer zittern. Nach der Ankündigung von Trump, die Zölle auf europäische Weine um 200 Prozent zu erhöhe, bangt die ganze Branche. Wir haben mit Winzern und Händlern gesprochen sowie mit Gastroexperten aus den USA.
Im Zollstreit zwischen Donald Trump und der EU gibt es eine neue Drohgebärde: Trump kündigte in einem Posting 200 Prozent Zölle auf europäische Weine an. Zu befürchten für Europa ist ein wirtschaftlicher Schaden noch unbekannten Ausmaßes. Deshalb zuerst einmal kurz zu den Zahlen: Deutsche Winzer:innen exportierten 2023 Weine im Wert von 63 Millionen Euro in die USA, das somit der größte Absatzmarkt ist. Österreich, hier ist der wichtigste Absatzmarkt Deutschland, exportierte 2023 Weine für 18,6 Millionen Euro in die USA. Aus der EU wurden laut Eurostat 2024 Weine im Wert von 4,9 Milliarden Euro in die USA exportiert. Fast 40 Prozent der Lieferungen in die USA stammen dabei aus Frankreich.

Der steirische Winzer Stefan Schauer bringt es auf den Punkt: „Mit den angedrohten 200-Prozent-Zöllen verlassen wir bestimmte Preispunkte. So groß können unsere Weinfans in den USA gar nicht sein, dass diese Steigerung mitmachen.“ Auch der burgenländische Winzer Claus Preisinger sagt: „Wir exportieren 15 Prozent unserer Produktion in die USA. 200 Prozent Zoll würden einen kompletten Lieferstopp bedeuten und das ist in der derzeit sowieso schon angespannten Gesamtsituation eine riesige Katastrophe. Auch, weil das ja kein anderer Markt kompensieren kann.“

Die Einschätzung der Winzer teilt auch die in den USA lebende Sommelière Katja Scharnagl (Restaurant Koloman in New York): „Diese Preise wird sich keiner mehr leisten wollen. In den USA zittern nun auch die Importeure. Trumps Ankündigung kann niemand hier nachvollziehen. Auch, dass dann eben mehr Schaumwein aus den USA getrunken werden würde. So viel Schaumwein kann die USA gar nicht produzieren, was hier allein an Champagner getrunken wird.“ Wie zahlreiche deutsche und auch österreichische Winzerinnen und Winzer, die KALK&KEGEL zur aktuellen Lage befragt hat, glaubt aber auch Scharnagl nicht, dass die angedrohten 200 Prozent Zoll tatsächlich so umgesetzt werden.

Hoffnung auf ein Einlenken macht aktuell auch die Lobbying-Organisation „US Wine Trade Alliance“. Denn die Weinzölle würden auch einen schweren wirtschaftlichen Schaden für amerikanische Unternehmen bedeuten. „Der Weinverkauf ist für 300.000 lokale Restaurants, Hotels, Bars und Weinhandlungen im ganzen Land ein Finanzmotor“, sagt Ben Aneff, Präsident der Organisation. Aneff ist geschäftsführender Gesellschafter von Tribeca Wine Merchants in New York City, laut „Food & Wine Magazine“ eines der „besten Weingeschäfte Amerikas“. Mit einem Brief an die Regierung – unterzeichnet von tausenden betroffenen Unternehmer:innen – will man nun in Washington auf die drohende Situation hinweisen und das Schlimmste verhindern.

Das hofft auch Hans Martin Gesellmann, der als Portfoliomanager von „Kracher Fine Wine“ den amerikanischen Markt bestens kennt. „Der europäische Markt kann diese Weinmengen nicht auffangen“, so Gesellmann. Und weiter: „Diese Zölle wären sehr schlecht für Österreich, Deutschland und Europa generell. Der US-Markt und die dortige Gastronomie im Speziellen funktionieren immer noch überdurchschnittlich. Einer der wenigen funktionierenden Märkte würde wegbrechen und die aktuell angespannte Situation verschärfen. Vor allem Frankreich und Italien würde es massiv treffen, aber auch Deutschland und nicht wenige österreichische Winzer.“

So würde es auch der Wiener Winzer Fritz Wieninger spüren, der in insgesamt 45 Länder exportiert. Deutschland ist sein stärkster Absatzmarkt mit mehr als 10 Prozent, die USA machen um die 4 bis 5 Prozent aus. Er sagt: „Schon die früher einmal kolportierten 25 Prozent hätten uns vor große Herausforderungen gestellt. Die Idee des Importeurs war es, das zu teilen – er schluckt 12,5 Prozent und wir schlucken 12,5 Prozent. Selbst das wäre hart, weil die Margen bei den günstigen Weinen so gering sind, im oberen Bereich würde es noch gehen.“

20 Prozent seiner Weine exportiert etwa auch der niederösterreichische Winzer Markus Huber in die USA. „Die Zölle würden den Verkauf wahrscheinlich einbrechen lassen. Aber warten wir einmal ab, was passiert.“ Ruhe zu bewahren rät auch Claus Preisinger: „Trump pokert hoch. Und es würde auf EU-Ebene wohl auch Gegenzölle geben. Wir können in der aktuellen Situation nur abwarten und einmal tief durchatmen.“ Oder wie Fritz Wieninger es formuliert „Trump ist ein Ankündigungs-Weltmeister. Wir Europäer sollten diesem wahnwitzigen Typen im Weißen Haus gelassen gegenüberstehen.“

Herausgeber und Chefredakteur
