Winzer tobt gegen Weingesetz: Wir machen uns auf der ganzen Welt lächerlich

Roland Velich. Xenia Trampusch

International bekommt sein Wein Höchstnoten, in Österreich fällt er durch. Jetzt fordert Roland eine Reform des Weingesetzes.

In einer Pressekonferenz hat Winzer Roland Velich die Absurdität des österreichischen Weingesetzes auf den Punkt gebracht: Der „Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg 2023″ vom Weingut Moric hat von US-Weinkritiker James Suckling die Höchstwertung von 100 Punkten bekommen – das gab es noch nie in Österreich. Im eigenen Land wird genau dieser Wein von staatlichen Behörden aber als fehlerhaft eingestuft. Das Bundesamt für Weinbau verweigerte dem Wein zuletzt zweimal die offizielle Prüfnummer. Roland Velich darf weder die Lage noch den Ort, ja nicht einmal das Burgenland aufs Etikett drucken.

Xenia Trampusch

Kein Einzelfall, wie wir bei KALK&KEGEL wissen – und vor allem trifft es jene Weine, die in den besten Restaurants der Welt ausgeschenkt werden – aber in Österreich bei der Prüfnummer scheitern. Immer mehr Winzer, die mit Spontangärung, ohne Schönungsmittel und mit Fokus auf Herkunft arbeiten, fallen bei der amtlichen Sinnesprüfung durch. Velich sieht sogar eine industrielle Schlagseite: Die Prüfer seien von Industrieweinen geeicht. Stabile Geschmacksmuster aus Reinzuchthefen würden als „sortentypisch” und „sauber” bewertet – charakterstarke, terroirgeprägte Weine als fehlerhaft.

Reform

Velich fordert jetzt eine Reform des Weingesetzes: Die sensorische Prüfung soll wegfallen oder professionalisiert werden. Verkostet werden soll nur noch stichprobenartig – und nur dann, wenn die chemische Analyse Auffälligkeiten zeigt. Erzeuger, die ihr Terroir präzise abbilden wollen, dürften nicht länger durch eine an industrieller Norm geeichte Prüfung bestraft werden. Velich: „Ich bin natürlich zu hundert Prozent dafür, Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen. Was allerdings in den letzten 30 Jahren stattgefunden hat, ist eine unglaubliche Industrialisierung des Weinbaus. Wir haben mehr und mehr Weine, die der industriellen Norm entsprechen und daran gemessen werden. Dabei ist aber vieles verloren gegangen, was die Qualität von Wein eigentlich ausmacht. Die sensorische Prüfung ist derzeit, um es so auszudrücken, von Industrieweinen geeicht, die ein sehr stabiles Geschmacksmuster haben, das sich zum Beispiel durch Reinzuchthefen leicht herstellen lässt.“