René Antrag: Falstaff Sommelier des Jahres mit starker Ansage für die Branche

beigestellt

Wir brauchen eine fachliche und sogar philosophische Auseinandersetzung

Können wir Sommeliers Trends vorgeben? Oder gar beeinflussen? Ja, das können wir. Und mehr noch: Wir dürfen und sollen auch den Mut haben, das aktiv zu tun.

Allerdings: Die echten Trends setzen nur jene, die sich auch das Hintergrundwissen zu ihren Produkten angeeignet haben. Das braucht jedoch Zeit und Gefühl. Ein Trend muss wachsen. Und mit ihm der Sommelier.

Denn unser Tun kann weitreichende Auswirkungen haben. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Natural Weine haben – zu Unrecht – ein angekratztes Image. Und das obwohl gerade aus Österreich einige der besten Natural-Winzer der Welt kommen. Wir müssen uns als Branche den Vorwurf gefallen lassen, dass wir hier zu laut und zu schnell vorgegangen sind. Viele Weine hätten den Weg zum Gast erst gar nicht finden dürfen.

Was also ist die Konsequenz daraus? Jeder Sommelier kann einen Trend setzen, beginnend in seinem direkten Umfeld. Hilfreich ist es dabei natürlich, wenn man schon eine gewisse Zeit im Betrieb ist und so eine gute Vertrauensbasis zu seinen (Stamm-)Gästen aufgebaut hat.

Das Um und Auf ist es schließlich, dass sich Sommeliers intensiv mit jenen Produkten beschäftigen, die sie an den Gast bringen. Und damit ist mehr als das reine Verkosten gemeint. Wir müssen in unserer Branche verstärkt den direkten Kontakt zu den Produzenten suchen. Wir brauchen den Austausch untereinander, aber auch fachliche und sogar philosophische Auseinandersetzungen mit den Winzern.

Ja, wir Sommeliers haben in den letzten Jahren eine starke Stimme nach außen bekommen. Unsere Meinung ist gefragt in Medien. Tipps, die wir auf Facebook oder Instagram geben, erzielen gute Reichweiten. Uns muss bewusst sein, dass diese Öffentlichkeit vor allem einen verantwortungsvollen Umgang braucht.

Am Ende des Tages passiert unsere Arbeit aber am Gast. Und hier können wir nur dann zu Neuem bewegen, wenn wir aus einer ehrlichen Überzeugung und Begeisterung etwas empfehlen können. Das funktioniert nur mit Emotion. Emotion, die ihre Basis im Wissen hat. Wenn wir uns als Branche darauf besinnen, dann wird unsere Stimme auch in Zukunft gerne gehört werden. Es liegt an jedem einzelnen von uns.