Vineus Newcomer Award für blinden Sommelier: Ich finde neue Wege zum Gast

VINEUS Wine Awards von Transgourmet – Auszeichnungen in fünf Kategorien: Fachjurys und Öffentlichkeit waren gefragt. Award für Lebenswerk geht an Willi Sattler. Newcomer Award geht an Moritz Huth, einen blinden Sommelier aus Wien.
Er ist Europas einziger blinder Sommelier und nun auch ausgezeichnet mit den begehrten VINEUS Newcomer Award von Transgourmet. Mit KALK&KEGEL sprach Moritz Huth gleich nach der Verleihung über seinen Weg zum Diplom-Sommelier, seine Ziele und wie sich die Arbeit als blinder Sommelier.
Lieber Moritz, Gratulation zur Newcomer Auszeichnung. Seit wann arbeitest du in der Sommellerie?
MORITZ: Ich habe mit 18 nach der Matura gleich damit begonnen. Die Eltern meinten, ich solle etwas machen, bei dem ich meine Sinne gut nutzen kann. Als Sommelier ist es wichtig eine gute Nase und einen guten Gaumen zu haben. Und ich muss sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich war immer schon begeistert vom Wein, aber eher in der Praxis als in der Theorie. Die Sommellerie hat sofort eine Leidenschaft in mir entfacht. Jetzt bin ich 21, habe die Ausbildung zum Diplom-Sommelier abgeschlossen und will nun auch mit der Weinakademie beginnen. Heute bin ich für den Einkauf und die Weinkarten in den sechs Betrieben meiner Eltern verantwortlich, bin im Marketing tätig und schule die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Der Job macht riesige Freude. Zudem studiere ich Tourismusmanagement.
Riecht und schmeckt man als blinder Mensch Wein besser?
Ich war beim ersten Kurs gleich richtig überfordert – alle riechen und schmecken irgendwas, aber für mich war das am Anfang alles das gleiche. Ich bin aber dran geblieben und dann hat sich rasch eine riesige Leidenschaft entwickelt und ich habe mich zwei Jahre lang mit fast nichts anderem befasst als mit Wein. Ich bin in die Weingüter gefahren und hab die Theorie aufgesaugt. Als blinder Mensch nutzt du die anderen Sinne natürlich verstärkt. Vor allem sind das aber zuerst die Ohren, die du auch zu Orientierung brauchst. Ich denke aber schon, dass ich hier auch einen Vorteil habe, weil mich das Auge nicht täuscht, was den Wein angeht.
Wie kann ich mir die praktische Arbeit als blinder Sommelier vorstellen?
Für mich ist es fast unmöglich – und schon gar nicht im Stress – Gäste direkt zu bedienen. Wir wollen hier einen moderneren Weg gehen, indem ich unseren Wein und unsere Philosophie über Social Media vermarkte. Ich schreibe natürlich alle Weinkarten, gebe mir dabei größte Mühe und baue meiner Favoriten ein. Wenn ich vor Ort in einem der Lokale bin, bin ich natürlich auch gerne für Empfehlungen da. Das alles läuft über meinen Social Media Auftritt und über jene unserer Betriebe. Wir haben damit erst vor einem halben Jahr begonnen und wollen das jetzt richtig ankurbeln. Meine Zukunft in der Gastronomie ist weniger der direkte Gastgeber, weil das einfach nicht möglich ist, sondern wir gehen eben andere Wege.
Welche Weine berühren dich?
Das ist natürlich von Tag zu Tag unterschiedlich und kommt auch darauf an, ob ich Wein zum Essen trinke. Aber ich bin ein riesiger deutscher Riesling Fan, ich liebe die Mosel, natürlich Burgund und tatsächlich auch Amerika, vor allem Cabernets. Selbstverständlich liegt ein Fokus auch auf unseren österreichischen Weinen. Aber ich weiß, es gibt noch so vieles zu entdecken und darauf freue ich mich.
Das sind die weiteren Preisträger der 13. VINEUS Awards

In der „wolke 19“ im Wiener Ares Tower feierte das Who-is-Who der heimischen Weinszene gebührend die Preisträger. Der Fokus lag heuer erneut auf Nachwuchstalenten und dem Networking innerhalb der Branche. „Wein ist mehr als nur Genuss – er ist Ausdruck von Tradition, Leidenschaft und dem Streben nach Perfektion. Seine facettenreiche Welt spiegelt das Zusammenspiel von Natur, Handwerk und Geschichte wider“, so Transgourmet Geschäftsführer Thomas Panholzer, der mehr als 160 Menschen aus Gastronomie, Hotellerie sowie Winzer:innen und Weinkenner:innen begrüßen durfte. Die Gastgeber bedankten sich für „Innovationsgeist und Engagement“ bei Kund:innen und Partner:innen.
Newcomer Winzer des Jahres: Stefan Gilg

Über den Titel „Newcomer Winzer des Jahres“ konnte sich Stefan Gilg, 31, vom Weingut Gilg freuen. Er führt seit 2021 das Familienweingut in Hagenbrunn gemeinsam mit seiner Frau in der nunmehr vierten Generation. An den Südhängen des berühmten Bisambergs bewirtschaftet er rund 10 Hektar Rebflächen und betreibt auch einen Heurigen. Dass seine Weine „besondere Trinkfreudigkeit“ aufweisen, macht sie perfekt für den Vertrieb in der Gastronomie. Von der hohen Qualität zeugen Prämierungen wie u.a. Salon Bundessieger, Vinaria Trophy-Sieger Gold und A la Carte Grand Cru Sieger. Gilg baut 11 verschiedene Rebsorten an, wobei er regionstypisch den Schwerpunkt bei Weißweinen auf den Grünen Veltliner und Welschriesling legt. Die Riesling-Flächen wurden zuletzt deutlich erweitert. Er überzeugte die Jury mit seinem eingereichten Portfolio, u.a. dem Gelben Muskateller 2022, der dem Jungwinzer ein besonders Anliegen und auch als Frizzante verfügbar ist, sowie dem Merlot Reserve aus dem „Top- Jahrgang“ 2021, der sortentypisch und elegant gelang, auch durch den 18-monatigen Ausbau in neuen wie gebrauchten Barrique-Fässern aus französischer Eiche.
VINEUS Genuss-Erlebnis: Familie Tschermonegg

Mit dem VINEUS Genuss-Erlebnis am Weingut werden Betriebe ausgezeichnet, die die Weinkultur nachhaltig beleben und ein „Gesamterlebnis für die Sinne“ bieten: Ein Paradebeispiel dafür ist Familie Tschermonegg im steirischen Glanz. Das „höchstgelegene Weingut der Südsteirischen Weinstraße“ besticht nicht nur durch ein traumhaftes Panorama, sondern vor allem durch seine aromatisch ausdruckstarken sowie sauber vinifizierten Weine. Von der Buschenschank direkt ins Genießerzimmer – „Wohnen beim Wein“ nennt Familie Tschermonegg das Angebot, direkt am hauseigenen Weingut zu übernachten. Pure Entschleunigung ist garantiert, egal ob im Liegestuhl zwischen den Reben oder im Wellness-Bereich mit Weitblick bis ins nahe Slowenien.
Trinkwerk-Goliath 2024: Weitzer Betriebe

Herausragende Leistungen in Sachen Wein erbringen die fünf Hotels und acht Gastronomie-Betriebe umfassende, eigentümergeführte Weitzer Gruppe. Die Hotels sowie die dazu gehörigen Lokale mit dem „persönlichen Stempel und den bewussten Verzicht auf Sterne“ erobern das Land: Von Graz ausgehend erfolgte 2011 der Gang in die Bundeshauptstadt, neben dem Hotel „Daniel Vienna“ ist heute das „Grand Ferdinand“ an der Ringstraße ein Publikumsmagnet. Das Restaurant „Meissl&Schadn“ – das sich der zeitgemäßen Umsetzung österreichischer Klassiker widmet – findet sich neben Wien auch in Salzburg und am Semmering wird das ehemaligen Kurhaus revitalisiert. Wein spielt im hochgradig diversen Angebot der Familie Weitzer eine wesentliche Rolle: „Die Tatsache, dass die Weinkarten nicht nach dem Prinzip „one fits all“ erstellt, sondern von den Gastgebern sorgfältig und liebevoll auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt werden, spricht für Florian Weitzer und sein Team”, so Thomas Panholzer zur Begründung für die Auszeichnung mit dem „Trinkwerk-Goliath 2024“. „Das Speisen-, aber auch Getränkeangebot spiegelt die Philosophie der jeweiligen Location wider. Von saftig steirisch über genussvoll österreichisch bis mediterran oder international bunt – immer wird hochwertige Qualität entspannt umgesetzt.“ Nach dem Erfolgsrezept gefragt meint Florian Weitzer: „Unsere Weinkarten sind nicht 400 Seiten stark und überbordend, sondern sorgsam kuratiert.“ Er segnet gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer jede Weinposition persönlich ab. Denn: „Ich will die Hemmschwelle in punkto Wein- und Getränkekonsum abbauen – bei uns steht für jeden zugänglicher Konsum im Vordergrund.“ Sprich: Kein allzu kompliziertes Angebot, sondern eines, das Gäste auch ohne vertiefendes Hintergrundwissen annehmen.
VINEUS Lebenswerk: Willi Sattler

Höhepunkt der VINEUS Gala war die Verleihung des Lebenswerk-Preises an Willi Sattler vom steirischen Weingut Sattlerhof. Willi Sattler wurde als „Pionier in seinem Bereich“ gewürdigt – zumal hinter seiner Erfolgsstory keine Winzerdynastie, sondern gegenteilig Aufbauarbeit steckt. Die Jury begeisterte der Steirer mit „seiner Leidenschaft und seiner Innovationskraft“. Er steht mit beiden Beinen fest auf Gamlitzer Boden – sein Lebenswerk steckt im Sattlerhof, den er bereits an seine beiden Söhne übergeben hat. Andreas Hayder, Abteilungsleitung Category Management Getränke und Einkauf Wein, bezeichnet ihn als „Pionier und weit in die Zukunft vorausdenkenden Menschen, bedacht auf Umwelt, Boden und Tier“. Dass der karge Boden auch die Menschen prägt, ist nicht von der Hand zu weisen – das Credo von Willi Sattler lautet: „Ein Hof – eine Familie – ein Kreislauf.“ Eben dieser Kreislaufwirtschaft hat sich Sattler – der auf 45 Jahre Erfahrung im Weinbau zurückblicken kann – verschrieben: Mit nur 18 Jahren übernahm er den 3 Hektar kleinen Hof, stellt ihn als Vorreiter auf biodynamisch um, baute die Anbauflächen auf 36 Hektar aus und macht seit nunmehr vielen Jahren weltweit erfolgreiche Weine. So kraftvoll und impulsiv wie er selbst ist, attestieren ihm Wein-Kritiker.
Begonnen hat alles in den 60er Jahren, er musste den Hof früher als ihm lieb war übernehmen, und hatte eine klare Vision vom wirtschaftlichen Aufschwung der Region durch den Wein. Willi wurde – auch dank tatkräftiger Unterstützung seiner geliebten Frau Maria – Aushängeschild der Weinbewegung, das ausgezeichnete Restaurant, das sein Bruder führt, das eigene Landhaus sowie die Bio-Zertifizierung des Betriebes, trugen das ihre dazu bei. „Weinmachen ist mehr als nur der Weg von der Traube ins Glas, es ist die richtige Mischung aus Image und Improvisation, Willenskraft und Wissenschaft, Kunst und Konsum“, so Willi Sattler. Dass es kein leichter Weg war versteht sich, er ging ihn immer Seite an Seite mit Ehefrau Maria – Herz und Hirn des Hofs, wie er sie liebevoll bezeichnet. Heute widmet sich Willi mehrheitlich der Schafzucht, steht aber mit Rat und Tat immer gerne zur Verfügung.
Über den VINEUS Wine Award
Der VINEUS Wine Award zählt zu den herausragenden Ereignissen im Weinjahr und vereint zahlreiche Spitzenvertreter der österreichischen Weinbranche und Gastronomie. Dieser Preis hat sich fest in der heimischen Weinkultur etabliert und bringt den Preisträgern nicht nur Anerkennung, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. So profitieren die Gewinner der Kategorie „Newcomer Winzer“ von Listungen bei Transgourmet, dem aktiven Vertrieb durch die Trinkwerk-Sommeliers sowie umfangreichen Marketing- Maßnahmen. Der Sieger der Kategorie „Newcomer Sommelier“ darf sich zudem auf eine exklusive Weinreise freuen. In den Newcomer Kategorien – also junge Winzerinnen und Winzer sowie Sommeliers – werden von einer unabhängigen Fachjury je drei Finalisten ausgewählt, die sich dann dem Publikums-Voting stellten; die im Vorjahr neu geschaffenen Kategorien „Genuss-Erlebnis am Weingut“ sowie „Trinkwerk Goliath“ – mit dem Gastronomie- oder Hotellerie-Betriebe für ihre Verdienste um die Weinwelt geehrt werden – sowie den Preis für das Lebenswerk vergeben Fachjurys.
Über Transgourmet Österreich
Transgourmet Österreich GmbH ist der starke Großhandelspartner für Gastronomie, Hotellerie und Gewerbetreibende. Das traditionsreiche Unternehmen bietet seit über 60 Jahren das Beste für die Gastronomie. Nunmehr zwölf Transgourmet-Standorte sowie vier Transgourmet Cash&Carry Märkte und der Großhandelsspezialist Riedhart in Tirol bieten die bewährte Kombination aus Abholmarkt und Zustellservice an. Transgourmet Kunden können aus einem rund 27.000 Artikel umfassenden Food- und Nonfood Sortiment wählen. Mit rund 2.200 Mitarbeitenden erwirtschaftete Transgourmet Österreich 2023 einen Jahresumsatz von 872,3 Mio. Euro. Zum Gastronomie-Großhändler gehören auch die Premium Kaffeerösterei JAVAREI, der Wein- und Getränkefachgroßhandel Transgourmet Trinkwerk und die Premiummarke Transgourmet Cook sowie der Ethno-Spezialist Gastro Profi.
www.transgourmet.at

Herausgeber und Chefredakteur
