Die Pläne der jüngsten Hillinger

Sie ist der neue Social Media Star der Weinwelt! Wie Leo Hillingers Tochter die Bühne betritt, Wein anders denkt – und dabei die Marke Hillinger noch weiter ausbaut.

„Das Leben ist kein Ponyhof – es ist eine Pferdekoppel.“ Ein Satz, der mehr über Vivienne Hillinger – kurz „Vivi“ – verrät als jeder perfekt geformte Lebenslauf. Sie 21 und schon mittendrin statt nur dabei. In der Familie, im Betrieb, in der Weinwelt. Nicht leise, nicht angepasst, sondern mit jeder Menge Ideen, einer ordentlichen Portion Selbstironie und einem knalligen Auftritt auf Social Media. Und ja – sie ist jetzt auch offiziell Teil des Hillinger-Teams.

„Hallo, ich bin Vivi“ war ihr zu wenig. Stattdessen plante sie ein Vorstellungsvideo, in dem sie dramatisch aus einem Rotweintank steigt. „Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und sagen: Hi, ich bin Vivi – das bin ich einfach nicht, sagt sie. Also: fliegende Schläuche, inszenierte Power und ein Dreh, der gleich mal viral ging. Das Internet liebt Vivi: Mehr als eine Million Reichweite für ihr erstes Video auf Insta! Alles hoch professionell umgesetzt. Aber das können andere auch. Am Ende kommt es schon drauf an, welche Person vor der Kamera steht. Und hier erweist sich Vivi als großes Talent. In der heutigen Welt, in der sich Wein so stark wie nie über Persönlichkeit und Storytelling verkauft, ist das ein wertvolles Asset.

Geboren 2004 – also im selben Jahr, in dem das Weingut gebaut wurde – ist sie quasi zwischen Tanks, Trauben und Tanninen aufgewachsen. „Die Mitarbeiter waren für mich wie Familie – und sind es noch heute, sagt sie. Früh war klar: Sie und Bruder Leo übernehmen das Ruder. „Wir sind ein unschlagbares Team.“ Und doch ist Vivi kein Abziehbild ihres Vaters Leo Hillinger – sondern eine völlig neue Facette im Familienbetrieb.

Nach einer Zeit in der Tourismusschule in Wien, inklusive Gastropraktikum („war nicht so, wie ichs mir vorgestellt hab), kam ein kurzer Ausflug in die Welt der TV-Produktionen. Fast wäre sie Obduktionsassistentin geworden – „aber Medizin studieren? Naaa… Lernen ist echt nicht meins.“ Stattdessen gings zurück ins Burgenland. Und bei der letzten Lese hats gefunkt – „wie als hätte mir Oma ein verstecktes Osterei hingelegt – und ich habs gefunden!“ Es war die Rückkehr zu ihrer wahren Leidenschaft: dem Wein.

Vivi wills wissen. Hat sich den österreichischen Sommelier angetan („eine crazy journey), ist von der Lese bis zur Pressung dabei gewesen, hat Tanks geschrubbt, im Labor gestanden – und geliebt, was sie da tat. „Ich war so fasziniert von der Weinproduktion. Ich hab es plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen!“ Ihre ersten eigenen Weine – ein frischer Weißer und ein jugendlicher Pinot Noir – sind schon draußen. „Weine zum Anstoßen, nicht zum Aufheben.

Bio ist bei Hillinger kein Trend, sondern seit 2010 Realität. Nachhaltigkeit wird gelebt, Terroir geschätzt, biodynamisch aber wird nicht gearbeitet – „Mondphasen überlassen wir anderen. Und auch in Sachen Female Empowerment hat Vivi klare Ansagen: „Ich hab Freundinnen mit Gelnägeln, die aufm Traktor sitzen und im Weingarten die Reben ausputzen – wie geil ist das?!

Fest steht: Sie hat vor, viel zu lernen. Auslandserfahrung ist geplant, Südafrika ganz oben auf der Liste. Aber auch ein kleiner Hillinger-Heuriger mit regionalen Produkten, eigener Handschrift und viel Herzblut steht auf der Wunschliste. Die Ideen sprudeln schneller als der Perlwein.

Und Papa Leo? „Was der aufgebaut hat, ist brutal. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich das übernehmen darf, sagt Vivi. Aber: „Ich bin wie er – nur weiblich und mit langen Haaren. Und wahrscheinlich noch a bissl crazier.Vivi Hillinger ist keine Winzerin im klassischen Sinn. Sie ist Social Media-Star, Ideenmaschine – und ein Beispiel dafür, wie eine neue Generation Wein auch leben kann. Mit einem klaren Motto: „Bleib am Sattel, Zügel in die Hand nehmen – und weitergaloppieren.