Petras Weinkolumne: So geht Rosé mit Tiefgang

2017 Schillerberg Rosé – Jörg Bretz: Dass Jörg Bretz einen eigenen Kopf hat, wenn es um die jahrelange Fassreifung seiner Weine und deren Release geht, ist bekannt. Auch beim Rosé macht er da keine Ausnahme.

Da steht sie nun vor mir, die Flasche Schillerberg Rosé 2017. Dass es sich dabei um den aktuellen Jahrgang handelt, ist nicht ungewöhnlich, denn der Wein stammt aus dem Keller von Jörg Bretz. 2007 hat er seinen ersten eigenen Rosé in diesem Stil gekeltert. Damals sprach hierzulande noch kaum jemand vom Boom rund um die Weinfarbe. Eigentlich passt Bretz‘ Wein auch nicht in die rosafarbene Schublade. Er ist einfach anders. Schon optisch. Kommt eher dunkel daher, im Stil eines Tavel. Blind verkostet könnte man ihn durchaus Richtung Südfrankreich verorten. Weine wie Château Simone aus Palette können so schmecken. Oder der Tibouren von Clos Cibonne genauso wie Eric Pfifferlings Domaine de l‘Anglore. Alles eigenständige Charaktertypen, genauso wie der Schillerberg von Bretz.

Dass Jörg Bretz einen eigenen Kopf hat, ist bekannt. Auch beim Rosé macht er da keine Ausnahme.

Getrunken sollte er bei mindestens 12 Grad werden; 14 oder eine Spur mehr sind eigentlich noch besser. So zeigt er erst richtig, was er draufhat. Und das ist eine ganze Menge. Der Schillerberg duftet anregend nach Weihrauch und wirkt kräutrig wie ein Spaziergang in der Provence entlang von Garrique mit Rosmarin, Thymian, Oregano und Bohnenkraut. Ganz leicht und ruhig schwingt dazu eine hellbeerige Frucht mit. Am Gaumen ist ordentlich was los: tolle Säure, viel Spannung, Struktur und Dichte genauso wie Leichtigkeit. Plus ein Grip, der den idealen Rahmen gibt.

Die Basis sind in der Regel rund 80 Prozent Blaufränkisch. Dazu kommen noch etwas Zweigelt und Pinot Noir.

„Die Basis für meinen Rosé sind in der Regel rund 80 Prozent Blaufränkisch. Das ist die Hauptrebsorte im Betrieb. Dazu kommen noch etwas Zweigelt und Pinot Noir. Die Trauben stammen aus Weingärten rund um Jois und Neusiedl am See“, erzählt Jörg Bretz. Bei allen drei Sorten folgt einen Tag nach dem Einmaischen der Saftabzug. So bekommt er viel Charakter mit und eine etwas dunklere Farbe, als landläufig viele andere Rosés. Der Most wird verarbeitet, wie die Weißweine von Bretz. Was heißt, spontan vergoren und ein Ausbau im großen, neutralen Holzgebinde. Während der 7,5 Jahre Reifezeit im Fass herrscht kontrolliertes Nichtstun.

Petra Bader: “Am Gaumen ist ordentlich was los: tolle Säure, viel Spannung, Struktur und Dichte genauso wie Leichtigkeit.” Wildbild

„Ich mag besonders Sekundär- und Tertiäraromen. Auch beim Rosé. Die sucht die Kundin oder der Kunde vielleicht nicht in erster Linie. Wer meinen Wein dann aber gekostet hat, ist überzeugt und schmeckt die Seriosität dahinter“, so Jörg Bretz. Was mir persönlich zudem gefällt: er ist ein lässiger, flexibler Speisebegleiter. Ich frage den Winzer, welches Essen er dazu mag. „Fleisch vom Grill und Gemüse wie Melanzani. Aber auch fettere, geschmacklich intensive Meeresfische oder Krustentiere.“ Und um Gäste zu überraschen, ist der eigenständige Rosé sowieso (zu jeder Jahreszeit) ein Volltreffer.