Petras Weinkolumne: Ein Super-Sprudel ungewöhnlicher Herkunft

Grüner Veltliner Sekt Extra Brut deg. 03/2026 – Martin Diwald: Die Diwalds machen seit über zehn Jahren Sekt. Einige werden den fantastischen Grünen Veltliner Extra Brut aber trotzdem noch nicht am Radar haben. Dabei ist er ein echtes Must-Have.
„Wir wollen beim Sekt keine Kopie von Champagner und Co. sein. Deshalb verwenden wir auch weder Chardonnay noch Pinot Noir“, sagt Martin Diwald. Seiner Familie und ihm war von Anfang ihrer Sektgeschichte an klar, dass sie den Wagram und den Ort Großriedenthal sprudelnd am besten mit dem Grünen Veltliner ausdrücken können. Die Trauben stammen von nördlich ausgerichteten Plateau-Lagen. Geerntet wird in einem Durchgang zum richtigen Moment. Was heißt: Genau dann, wenn der kühle Terroir Ausdruck am Punkt und die Veltliner Aromatik perfekt ausgereift ist.

Gepresst wird ganz sanft und mit einer Ausbeute von maximal 60 Prozent. „Uns ist wichtig, dass der pH-Wert niedrig bleibt“, erklärt Martin Diwald. Der Grundwein – beim aktuellen Sekt Jahrgang 2022 – wird samt BSA im Stahl ausgebaut. Bis zur Cuvéetierung mit drei Prozent Reservewein, bleibt er komplett ohne Schwefel. Dann bekommt er eine kleine Dosis. Die Verarbeitung findet ausschließlich im Weingut statt. „Früher haben wir den Grundwein zum Versekter gegeben. Wenn alles in-house läuft, ist unsere Handschrift aber viel klarer erkennbar“, so der Winzer. Der Sekt reift rund vier Jahre auf der Hefe im Erdkeller, bevor er degorgiert wird.

Top-Figur macht der schäumende Veltliner im schlanken Weißweinglas. Im Duft: ruhige Zitrusfrucht, gelber Apfel, dezente Kräuterwürze, feine Rauchigkeit, eine Spur Pfeffer und die Anmutung eines Steins nach einem Regen. Am Gaumen ist er hochelegant und weinig zugleich. Seine Säure bringt tollen Trinkfluss, die Perlage sprudelt balanciert. Mir gefällt, dass der Veltliner Extra Brut in seinem knochentrockenen Stil (1,5 Gramm Restzucker) so richtig viel Wagram und Diwald zeigt. Zucker-Schminke wäre bei der Qualität ohnehin völlig sinnlos. Und: Der Super-Sprudler kann viel mehr als nur Apero. Er ist genial im Foodpairing – zum Wiener Schnitzel genauso wie in Verbindung mit feinem Weichkäse, Kräuterrisotto oder knusprigem Forellenstrudel.

So weit, so groß meine Begeisterung für den lässigen Veltliner-Sekt. Was mich zudem seit vielen Jahren am Weingut Diwald überzeugt, ist die Stilistik und Haltung des Betriebs. Die Kollektion ist immer sehr Wagram, immer sehr finessenreich, immer sehr geradlinig. Alle Weine entstehen mit ultrareduzierten Eingriffen; Natural Wines, die mit feiner Klinge und nicht durch protzige Kantigkeit auffallen. Sie sind Brückenbauer für alle, die sich bisher noch nicht an Minimalinvasives rangetraut haben. Diwalds Grüne Veltliner zeigen sich durch die Bank weg highclass. Meine Coups de Coeurs sind aber die tänzelnden Rieslinge von Goldberg und Eisenhut. Besser geht es am Wagram nicht.
