Petras Weinkolumne: Das Comeback einer urösterreichischen Rebsorte

2024 Roter Veltliner Ried Steinberg 1ÖTW Wagram DAC – Fritsch: Der Wagram gilt als Home of Roter Veltliner. Im Weingut Fritsch hat man ein besonderes Händchen für die spannende Rebsorte. Der Stil dabei ist authentisch, markant und tiefgründig.

„Steinberg ist unsere kargste, höchstgelegene Riede. Sie ist kühl und es gibt Verwitterungsböden mit einer dünnen Lössauflage. Das macht klarerweise was mit dem Ausdruck des Roten Veltliners. Er ist straffer und weniger saftig als üblich“, sagt Alex Fritsch, der seit einiger Zeit Seite an Seite mit Vater Karl im Betrieb arbeitet. Nach seiner Ausbildung war das Praktikum bei Mosel-Kult-Winzer Clemens Busch eine Initialzündung und ebenso menschlich bereichernd. Von dort hat er viel Inspiration mitgenommen. Nächstes Jahr will er über die Ernte ins Burgund zur Domaine Dujac. Eine super Idee, denn der Name Fritsch steht nicht nur für charaktervolle Weiße, auch in Sachen Pinot Noir rangiert er in der Oberliga.

Alex Fritsch und sein Vater Karl arbeiten Seite an Seite am Weingut. Julius Hirtzberger

Bei mir im Glas war Fritschs 2024er Steinberg, der vor allem mit seiner Komplexität und klaren Kräuternote punktet. Hinterlegt wird diese würzige, leicht rauchige Aromatik mit gelber Frucht – Pfirsich, Orange und eine Spur Birnenquitte. Das alles zieht sich am Gaumen weiter und ist in einen strukturierten, dichten Körper eingebettet. Ein Idealfall an Rebsortentypizität, die aber zu keinem Moment je ins Mollige abdriftet. Der Wein hat einen super Fruchtschmelz, ohne breit zu werden, dafür umso mehr Zug und Charakter. Ein großes Weißweinglas ist beim Service obligatorisch, Karaffieren ein zusätzlicher Boost für den noch jungen Roten Veltliner.

Der Most vergor spontan im Stahltank und kam zum Ausbau in ein 2.000 Liter Stockinger Eichenfass. Julius Hirtzberger

Fritschs Steinberg wurde Anfang September 2024 geerntet. Nach dem Abbeeren gab eine kurze Standzeit über Nacht und tags darauf die Pressung mit Zugabe von Rappen für den besseren Saftablauf. „Die Beeren sind so fleischig, sie ohne Kämme zu verarbeiten ist echt schwierig“, sagt Alex Fritsch. Der Most vergor spontan im Stahltank und kam zum Ausbau in ein 2.000 Liter Stockinger Eichenfass. Vor dem Abfüllen wurde sanft filtriert. „Der Wein muss klar sein, sonst kommt er nicht durch die Qualitätsweinprüfung“, so der Winzer. Ein viel diskutiertes Problem. Wenn die Riede den Weincharakter so sehr prägt wie beim Steinberg, sollte sie zumindest auf dem Etikett stehen dürfen.

Petra Bader: “Ein Idealfall an Rebsortentypizität, die aber zu keinem Moment je ins Mollige abdriftet.” Wildbild

„Wir sehen in der Rebsorte viel Zukunftspotential. Sie kommt mit Bedingungen klar, wo der Grüne Veltliner nicht mehr wirklich gut mitmacht. Roter Veltliner hat durchaus auch etwas Divenhaftes. Das ist aber bei anderen spannenden Sorten, wie zum Beispiel Pinot Noir, genauso“, sagt Alex Fritsch. Wichtige Future-Benefits: Roter Veltliner ist zwar nicht automatisch klimaresistenter, hält aber längere Hitzeperioden ganz gut aus. Er reift eher spät und behält verlässlich seine Säure, was Frische im Wein garantiert. Das rückt die hochspannende, urösterreichische Sorte wieder mehr ins Blickfeld.