Petras Weinkolumne: Wie weit kann Roter Veltliner gehen?

Gerald Hoermann

2023 Roter Veltliner Gondwana – Fritz: Der Gondwana ist so etwas wie die Spielwiese von Johannes Fritz. Mit ihm konnte er sich die letzten Jahre seinem Idealbild des Roten Veltliners annähern. Und das mit großartigem Ergebnis.

Den Wein mit dem Namen Gondwana gibt es im Wagramer Weingut Fritz bereits seit 2003. Früher war er für Johannes Fritz‘ Vater Josef die Möglichkeit seine ganz eigene Sicht auf den Grünen Veltliner auszudrücken. Der Wein vergor im großen Holzfass und reifte dort immer besonders lange. Die Weinbezeichnung leitet sich vom Urkontinent Gondwana ab. Zu ihm gehörten unter anderem die Landmassen des heutigen Südamerikas, Afrika, Indien, Australien, Antarktis und Madagaskar. Aus seinen Bruchstücken entstanden vor 600 Millionen Jahren große Teile der heutigen Kontinente.

Der Gondwana ist so etwas wie die Spielwiese von Johannes Fritz. Patrick Zillner

Nach einer mehrjährigen Gondwana-Pause wurde die Idee von Johannes 2013 mit dem Roten Veltliner wieder aufgegriffen. „Ich habe damals mit Maischegärung gestartet. Bis heute hat sich der Wein aber sehr verändert“, sagt er. Johannes Fritz hat das Studium für Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft, einer Kooperation der Hochschule Geisenheim mit der BOKU Wien, abgeschlossen. Eine super Entwicklung ermöglichte ihm die Zeit bei Riesling-Doyen Klaus Peter Keller in Rheinhessen. „Er hat uns jeden Mittag eine Flasche aus der internationalen Weinwelt aufgemacht und blind kosten lassen. Wir haben viel diskutiert. Die Zeit bei den Kellers war eine total wertvolle Erfahrung“, sagt er.

Die Trauben stammen aus dem oberen Teil der Ried Mordthal. Andreas Jakwerth

Gondwana ist für Johannes Fritz nach wie vor Work in Progress. So wie er sich heute zeigt, trifft es seinen Stil aber schon ziemlich genau. Die Trauben stammen aus dem oberen Teil der Ried Mordthal, wo es kühl und der Boden schotterdurchsetzt ist. Sie werden gerebelt, gepresst und je zur Hälfte im Betonei und gebrauchten Holz ausgebaut. Gereift wird dort ein Jahr auf der Vollhefe ohne Batonage. Im Betonei zirkuliert der Wein ohnehin ständig, so bleibt eine zart-reduktive Note. Der Anteil im Holzgebinde genießt Luftaustausch. Danach wird zusammengezogen und es geht für ein weiteres Jahr ins große, neutrale Holzfass. „Von der Maischegärung habe ich mich eigentlich ganz verabschiedet. Sie greift mir zu sehr ein und verändert die Rebsorten-Aromatik“, sagt das Winzertalent.

“Einfach ein lässiger Typ”, schreibt Petra Bader über den Gondwana von Johannes Fritz. Wildbild

Für mich war beim Verkosten schnell klar, der Wein braucht Zeit, Luft und mindestens 12 Grad Trinktemperatur. Und jedenfalls eine Karaffe, idealerweise auch ein großes Glas Richtung Burgunder. Im Duft finden sich helle, florale Noten genauso wie gelbe Melone, Pfirsich und eine zarte, frische Kräuterwürze. Es gibt viel Trinkfluss, eine ideal stützende Säure und einen ganz feinen, balancierten Grip. Dazu kommt der saline Touch von der Ried Mordthal. Mit der tollen Spannung und einem fast burgundischen Körper zeichnet der Wein das Bild eines authentischen Roten Veltliners mit hohem Anspruch. Er spielt sich nicht mit Kantigkeit in den Vordergrund, sondern ist einfach ein lässiger Typ.